Jörg Baberowski erinnert an die wahre Stärke der Demokratie Alle reden von der Demokratie
und ihrer Krise. Aber was meinen wir eigentlich wenn wir von der Demokratie sprechen? Jörg
Baberowski erinnert an ihre große Stärke: daß sie politische Gegner nicht zu Todfeinden werden
lässt weil auch der Unterlegene darauf hoffen darf bei den nächsten Wahlen zu triumphieren.
Eine Demokratie die sich vor den Leidenschaften des Volkes fürchtet und den Raum des
Politischen verengt beraubt sich dieser Kraft. Wenn wir unsere Freiheit bewahren wollen
müssen wir die Souveränität über unsere Entscheidungen zurückgewinnen. Denn sonst werden die
Anwälte der autoritären Ordnung leichtes Spiel haben uns einzureden daß die Diktatur die
eigentliche Demokratie sei. Überall müssen diejenigen die sich auf das Volk berufen dem
kritischen Blick derer standhalten die sie vertreten wollen. Im Modell der Repräsentation ist
der Populismus daher als Möglichkeit immer schon enthalten. Der laut vorgetragene Widerspruch
aber ist nicht bloß eine unanständige Regung des 'Pöbels' sondern ein Hinweis darauf dass
viele Menschen sich nicht gesehen und vertreten fühlen. Der Populismus ist ein Schmerzensschrei
der nach Aufmerksamkeit verlangt. In diesem Sinn ist er auch eine Belebung der Demokratie. Wer
unbequeme Meinungen nicht hören will und sie pauschal ausgrenzt beraubt die Demokratie ihrer
größten Stärke: dass sie es uns erlaubt auch im Streit mit anderen im Einklang zu sein. Wo
politische Gegner einander das Existenzrecht absprechen verwandelt sich der Andersdenkende in
einen Unmenschen. Das wäre das Ende der Demokratie. So ist dieses Buch ein Versuch es allen
und keinem Recht zu machen und den Streit der Parteien als das zu erweisen was er ist: der
eigentliche Kern der Demokratie.