Die konfessionellen Verhältnisse in Deutschland sind durch die staatliche Teilung stark
verändert worden. Erstmals seit Gründung des Kaiserreichs herrschte in einem deutschen Staat
konfessionelle Parität zwischen Protestanten und Katholiken. Viele Evangelische glaubten
deshalb der Protestantismus habe seine dominierende kulturelle und gesellschaftliche Stellung
die er nach 1871 errungen hatte an den Katholizismus verloren. Der Protestantismus war unter
diesen neuen Bedingungen gezwungen seine Rolle in der westdeutschen Gesellschaft zu finden und
zu behaupten. Dieser Prozeß blieb nicht frei von tiefreichenden Spannungen zwischen
unterschiedlichen kirchlichen Gruppen.