Anders als gemeinhin angenommen kann der klassische römische Prosarhythmus nicht nur als
Silbenmuster von Klauseln sondern als einheitliches Maß und aus abgemessenen Teilstücken
gebildete Form der Prosa weitgehend rekonstruiert werden. Den Grund dafür legt Oda von
Alvensleben mit einer detaillierten Deutung der Elementa rhythmica des Aristoxenos. Diese
Deutung ist in wesentlichen Punkten neu und betrifft sowohl den Prosarhythmus als auch die
quantitierende Metrik. Darauf folgt eine umfassende Interpretation der Prosarhythmus-Theorie
des Aristoteles. Auf der Grundlage dieser Rhythmus-Konzeption die mit den Testimonien des
Aristeides Quintilianus des Demetrios und des Dionysios von Halikarnass nicht kompatibel ist
wird Ciceros Prosarhythmus-Theorie konkret erklärt systematisch dargestellt und anhand von
Textbeispielen aus drei Jahrhunderten veranschaulicht. Gegen Quintilians ganz andere Auffassung
von 'Prosarhythmus' wird sie schließlich deutlich abgegrenzt. So ergibt sich eine neue
Bewertung der antiken Zeugnisse insbesondere derjenigen Ciceros und die Möglichkeit subtil
wirksame rhythmische Strukturen zu entdecken die die Worte römischer Autoren ausdrucksvoll und
in gewisser Weise für uns hörbar machen.