Seit Jahrzehnten steht Nachhaltigkeit für die Bewältigung der sich multiplizierenden Krisen der
globalen Moderne. Da eine dauerhafte Neubalancierung von Menschen Natur und sozialen Prozessen
nicht gelingt und dennoch kein Umdenken einsetzt ist die Selbstverständlichkeit
erklärungsbedürftig mit der an dieser Lösungsformel festgehalten wird. Roland A. Römhildt
analysiert in seiner Studie Semantiken die sich seit etwa 1970 zum heutigen
Nachhaltigkeitsdiskurs verdichtet und ihn in ihrem Zusammenspiel erhalten haben. Das Buch zeigt
dass der Diskurs gesellschaftliche Antworten auf gesellschaftliche Probleme und keine Politik
im Rhythmus der Natur oder eines neuen Humanismus produziert. Darin ist er beispielhaft für die
weltformende Kraft der modernen Gesellschaft - des Soziozäns. Die ideenhistorische Neuverortung
erhellt dass der Diskurs in einem gebrochenen Erbverhältnis zu alteuropäischen Vorstellungen
guter Ordnung steht: In der dominanten Formel von nachhaltiger Entwicklung verbinden sich
Bruchstücke solcher Vorstellungen mit gewandelten Fortschrittsideen. Um Krisen zu begegnen
bräuchte es im Soziozän jedoch Konzepte die besser mit chaotischer Komplexität umgehen können.