'The Morality of Law' (1964) des US-amerikanischen Rechtstheoretikers Lon Fuller hat wie kein
anderes Werk der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unser Verständnis der Rechtsstruktur
geprägt. Allgemeine öffentlich bekanntgemachte Regeln sollten so Fuller prospektiv wirken
hinreichend klar sein nichts Unmögliches fordern relativ beständig sein und in
Übereinstimmung mit ihren inhaltlichen Vorgaben vollzogen werden. Diese Auffassung war und ist
stilbildend für das Rechtsstaatsdenken ganzer Generationen von Rechts- und Staatstheoretikern.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen erlebt
Fullers Denken eine Renaissance. Das betrifft die Pandemiebekämpfung mit ihren rasch
wechselnden oftmals auch schnell hingeworfenen und deshalb zuweilen unklaren Regelungen ebenso
wie rechtliche Reaktionen auf die Bedrohung durch den Klimawandel und ihnen inhärente
Zielkonflikte zwischen Standortentwicklung Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit. Und
es betrifft die Chancen und Risiken die aus den Möglichkeiten der Digitalisierung erwachsen.
Die Ausgabe bietet die deutsche Erstübersetzung von Fullers Werk und öffnet damit einen bislang
kaum genutzten Rezeptions- und Diskursraum. Eine ausführliche Einleitung erläutert die
ungebrochene Relevanz von Fullers Denken für die Gegenwart.