Die wütenden Kommentare einiger Rezensionen sind bestimmt subjektiv verständlich. Allerdings muss ich heftigst widersprechen, dass es nachgewiesen sei, dass CFS eine biologische Ursache hätte. Dem ist NICHT so.Als ausgebildeter Wissenschaftler kann ich folgendes (kurz) dazu sagen:1. Das CFS ist ein Begriff für ein Syndrom, welches ein Sammelsorium von Symptomen darstellt. Als solches allein ist es schon einmal sehr schwer die Erkrankung wissenschaftlich zu operationalisieren, da es ja kein klares Kriterium gibt, welche Probanden man in die Studien miteinbezieht.2. Chronische Erschöpfung ist ein SYMPTOM und KEINE Erkrankung. Die chronische Müdigkeit und die vielen Begleitsymptome können tatsächlich durch eine Vielzahl körperlicher UND/ODER psychischer Erkrankungen ausgelöst werden (z.B. PTBS, Borderline usw.).3. Eine Müdigkeit, welche durch eine psychische Erkrankung ausgelöst wird, ist NICHT eingebildet, sondern tatsächlich da, und daher im Zweifel von einer körperlichen Müdigkeit gar nicht zu unterscheiden. Die Psyche bildet sich doch immer im Gehirn biologisch durch Botenstoffe/Hormone/elektrischer Aktivität ab.Fazit: Weder ist bewiesen noch widerlegt, dass CFS eine (allein) körperliche Ursache hat. Genauso ist weder bewiesen noch widerlegt, dass CFS eine (allein) psychische Ursache hat. Dies kann sich sogar von Patient zu Patient unterscheiden. Wer von vorherein psychische Ursachen ausschließt, ist genauso kleingeistig wie Ärzte, die körperliche Ursachen ausschließen.
so gut wie alles an diesem Buch aus dem Jahre 2005 ist im Jahr 2021 wissenschaftlich widerlegt.MECFS ist keine „somatoforme Störung“ - die Behauptung dass „Erleben und Verhalten die körperlichen Beschwerden über sekundär entstehende physiologische Veränderungen aufrechterhalten und langfristig stabilisieren“ hat sich als falsch herausgestellt.Die in diesem Buch dargestellten Behandlungsansätze wie „kognitive Umstrukturierung“ (kognitive Verhaltenstherapie) und gestufter Aktivitätsaufbau (graded exercise) haben sich als schädlich erwiesen.Letztlich haben die in diesem Buch geschmähten Selbsthilfeorganisationen eher recht behalten (auch wenn es da vermutlich auch Übertreibungen gab) und nicht Patient•innen, sondern Behandler•innen die sich an diesem Buch orientierten, hatten irrationale / „nicht hilfreiche“ / dysfunktionale Überzeugungen bzgl der Krankheit MECFS.Daneben finden sich in dem Buch auch einige nützliche Tipps wie z.B. „Energiekuchen“, die auch mit dem heutigen Verständnis von MECFS kompatibel sind.Ob die Behauptung im Vorwort es gäbe „solide wissenschaftliche Evidenz“ jemals zutreffend war, lässt sich heute nicht mehr ohne weiteres beantworten. Jedenfalls scheint mir die Darstellung in dem Buch schon sehr sehr einseitig und die Möglichkeit eines Irrtums (in Bezug auf die Gesamtbewertung als auch in Bezug auf einzelne Patient•innen) wurde nicht berücksichtigt. Eine ausgewogene Darstellung der gesamten wissenschaftlichen Evidenz fehlt und die Autoren bevorzugen in einer Art schwarz-weiß Denken ausschließlich ein mögliches Erklärungsmodell.Zum historischen Vergleich bzgl Expertenkonsens und Einordnung der wissenschaftlichen Evidenz könnte man evtl die NICE Leitlinie zu MECFS aus dem Jahr 2007 heranziehen.