Dass es neben dem kolossalen neulateinischen OEuvre des Humanisten Paul Schede Melissus
(1539-1602) auch ein kleines und in Teilen feines literarisches Werk in deutscher Sprache gibt
war allererst zu entdecken und in den verschiedensten Kontexten - französischer Psalmendichtung
und internationaler Motettenkunst der Kasualpoesie so gut wie der Vulgaris cantio' und
geselligen Liedausübung nicht zuletzt aber auch der literarischen Reformbemühungen der Zeit im
Rahmen der rinascimentalen imitatio'-Poetik - zu beschreiben und hinsichtlich der
formästhetischen Leistung zu analysieren. Nicht zu den wenigsten Verdiensten Julius Wilhelm
Zincgrefs ist dabei zu zählen dass er Teile dieses bislang ignorierten jedoch zum Gesamtwerk
des Melissus gehörenden Schaffens in seiner verkannten Anthologie von 1624 "gerettet" hat.