Innerhalb der Mediävistik wird häufig angenommen dass hagiographische oder kreuzzugsepische
Texte ihren Rezipienten vor der Folie der 'imitatio Christi' bestimmte vorbildliche Figuren
präsentieren deren Taten nachzuahmen sind. Doch diese Annahme wird vielen dieser Texte nicht
vollständig gerecht und ist angesichts der vielfältigen Zusammenhänge zwischen einem Handeln im
Text und einem Handeln in der Lebenswelt stark verkürzt. Um die Komplexität einer spezifisch
mittelalterlichen Poetik des Handelns aufzuzeigen geht Marc Schäfer in seiner Studie von einem
Begriff der Exemplarität aus der sich als deutlich flexibler und vielschichtiger erweist als
der Begriff der 'imitatio'. Auf dieser Basis untersucht er Clemences of Barking 'Vie de sainte
Catherine' und die Epen des sogenannten 'Premier cycle de la croisade' in denen Exemplaritäten
verminderte Exemplaritäten und Anti-Exemplaritäten durch das Erzählen systematisch zueinander
ins Verhältnis gesetzt und diskutiert werden.