M. Kommerell hat in seiner einflussreichen Studie Jean Paul die Fähigkeit zur Weltgestaltung
abgesprochen. Im vorliegenden Band werden in 23 Aufsätzen neue Seiten des Werks entdeckt: die
Welthaltigkeit und Modernität seines Erzählens die sich in der Rezeption spiegelt. Durch
ausgedehnte Lektüre zeitgenössischer Texte und ihre Aufbereitung in unzähligen Exzerptenheften
gelingt es Jean Paul ein Zeitpanorama voller psychologischer wie soziologischer Einsichten zu
entwerfen. Die Welthaltigkeit zeigt sich in der akribischen Charakterisierung der
vorrevolutionären zeitgenössischen Stadtgesellschaften um 1800 und ihrer theologischen und
philosophischen Diskurse was Niklas Luhmann zu zahlreichen Zitaten motiviert hat. Jean Pauls
avantgardistisches Erzählen speist sich aus der Vielfalt der enzyplodädischen Stimmen mit
denen der subjektive Autor durch witzige Kombinatorik sich selbst und seine Welt konstruiert.
Aus dem Geist der Naturwissenschaft schafft er z.B. mit der Maschine der Sternenwelt und der
Perle Vorbilder für eine neue Metaphorik welche die Figuren und ihre Aktionen erklärend oder
satirisch kommentiert.