Haben Sie jemals an Zitrusfrüchte als Himmelskörper gedacht die engelsgleich über
italienischen Villen Nürnberger Gartenanlagen und pittoresken Landschaften schweben?
Vielleicht nicht aber J. C. Volkamer tat es - im frühen 18. Jahrhundert gab er eine Serie
prachtvoller großformatiger Kupferstiche in Auftrag die rund 170 verschiedene Sorten Limonen
Zitronen und Bitterorangen in surrealen Szenen zeigen. Der Nürnberger Kaufmann Volkamer
(1644-1720) bestellte Pflanzen vor allem aus Italien Nordafrika und sogar per Post vom Kap der
Guten Hoffnung und er war ein Liebhaber der duftenden und exotischen Zitrusfrüchte zu einer
Zeit als diese Früchte nördlich der Alpen noch weitgehend unbekannt waren. In seinem Garten
pflanzte er eine Vielzahl von Arten an und wurde so besessen von den Früchten dass er ein Team
von Kupferstechern beauftragte 256 Tafeln mit 170 Zitrussorten anzufertigen. Die daraus
entstandene zweibändige Publikation über die Zitruskultur (1708-1714) zeigt viele der Früchte
in ihrer natürlichen Größe. Der erste Band erschien 1708 mit dem beeindruckend langen Titel
Nürnbergische Hesperides Oder Gründliche Beschreibung der Edlen Citronat Citronen und
Pomeranzen-Früchte Wie solche in selbiger und benachbarten Gegend recht mögen eingesetzt
gewartet erhalten und fortgebracht werden . In beiden Bänden schöpft Volkamer aus seiner
langjährigen praktischen Erfahrung mit Zitrusfrüchten und ihrer Pflege - von der Errichtung
temporärer Orangerien zum Winterschutz bis hin zu detaillierten Beschreibungen jeder
Zitrussorte einschließlich ihrer Größe Form Farbe ihres Geruchs Baums oder Strauchs ihrer
Blätter und ihres Ursprungslandes. Die Tafeln sind zugleich eine Hommage Volkamers an die
grünen Landschaften Norditaliens seine Heimatstadt Nürnberg und andere Orte die seine
Phantasie beflügelten. Vom genuesischen Meerblick bis hin zu Schloss Schönbrunn ist jeder Ort
genauso außergewöhnlich detailreich dargestellt wie die Früchte selbst . Wir sehen wie sich
grapefruitschwere Äste über einen sonnenbeschienenen Hof in Bologna wölben und bestaunen eine
riesige Ananaspflanze die aus einer südamerikanischen Stadt hervorsprießt. Der Band ist nicht
nur eine phantastische Zusammenstellung botanischer Schönheiten sondern auch eine höchst
poetische Tour durch die üppigen Gärten und Orte an denen diese Früchte einst wuchsen . Nur
wenige handkolorierte Volkamer-Exemplare sind heute noch erhalten. Diese TASCHEN-Publikation
basiert auf dem Set im Stadtarchiv Fürth auf Schloss Burgfarrnbach und präsentiert zudem 56 neu
entdeckte Tafeln die Volkamer in einem ursprünglich geplanten dritten Band veröffentlichen
wollte zu dem es jedoch nicht mehr kam.