Anfang April 1913 erhielt Proust die ersten Druckbogen seines monumentalen Romans der damals
noch den Titel trug: »Flimmern des Herzens« (»Les Intermittences du Coeur«). Drei Verlage
hatten das Buch abgelehnt - bis Bernard Grasset es schließlich in seinem noch unbekannten
Verlag veröffentlichen wollte. Die Genfer Stiftung Bodmeriana beherbergt mit den Korrekturbögen
der ersten Fassung eines der großen Rätsel der Literaturgeschichte: Statt bloß letzte
Anpassungen vorzunehmen und Fehler zu beseitigen entwarf Proust mitten auf den Druckfahnen
handschriftlich ein neues Buch. Aus der »Verlorenen Zeit« wurde Auf der Seite von Swann aus
dem »Flimmern des Herzens« die Suche nach der verlorenen Zeit - nun kann man die verschollene
Version zum ersten Mal in deutscher Übersetzung lesen und die Verwandlung in das
Jahrhundertwerk Seite für Seite mitverfolgen. Die vorliegende Neuübersetzung des mehrfach
ausgezeichneten Übersetzers Stefan Zweifel stellt die beiden Versionen des Romans gegenüber:
Die Druckfahnen von 1913 und die endgültige Fassung unter dem Titel: Auf der Suche nach der
verlorenen Zeit. Damals entwickelte Proust seine literarische Methode sein Buch auf Grundlage
der Druckfahnen ganz neu zu komponieren. Der vorliegende Band präsentiert auf spektakuläre
Weise die Keimzelle seines Denkens und Schreibens: Das mit Lindenblütentee getränkte Gebäck
Madeleine aus der seine Kindheitserinnerungen aufsteigen die sadistischen Rituale von Mlle de
Vinteuil die mit ihrer Geliebten das Porträt ihres toten Vaters entweiht das endlose Ringen
um einen Gutenachtkuss von Maman die erste Liebe zu einem Mädchen zwischen Weißdornhecken und
die an Claude Monet geschulte Beschreibung der Flusslandschaft von Combray.