Ein romantisch reisender Exzentriker. Seine »Feder schreibt im Schlaf«. Aus der realen Welt
wird eine künstlichpoetische Gegenwelt aus Wachen wird Träumen aus Fiktion wird
Wirklichkeit. William Beckford stammte aus einer der reichsten und angesehensten Familien
Englands. Lord Byron bezeichnete ihn in einem Vers als »England's wealthiest son«. Zum
Gentleman seiner Zeit gehörte die Grand Tour die obligatorische Bildungs und Lustreise die
er im Juni 1780 als Zwanzigjähriger nach umfassender musikalischer und literarischer Ausbildung
antrat: zweitausend Kilometer in sechs Wochen vom heimatlichen Wiltshire im Südwesten Englands
über Flandern die Vereinigten Provinzen nach Deutschland Österreich und zum eigentlichen
Ziel: Italien. Während seiner Reise hielt der junge Beckford stichwortartig seine Eindrücke
fest die er zur späteren Niederschrift nutzte. Träume Gedankenspiele und Begebenheiten
verfasste er in der Form von stilisierten Briefen an einen fiktiven Adressaten in England
einen Maler dem vermutlich sein weitgereister Zeichenlehrer und Förderer Alexander Cozens
Vorbild stand. Im Mai 1782 brach Beckford zu einer zweiten Italienreise auf. Zur Equipage auf
der gleichen Route wie zwei Jahre zuvor gehörte auch Cozens' Sohn Robert der malerische
Landschaften festhielt - von denen wir eine Auswahl abbilden. Als das Buch mit Kupfern und
Zeichnungen reich ausgestattet in 500 Exemplaren gedruckt und annonciert war gab William
Beckford dem Drängen seiner Familie nach die wegen homoerotischer Anspielungen um seinen und
ihren Ruf fürchtete und verbrannte fast die ganze Auflage - fünf Exemplare existieren heute
noch. Obwohl dieses Werk im 19. Jahrhundert als Geheimtipp galt kam es erst 1891 zu einer
ersten Ausgabe. Bereits der Titel Träume Gedankenspiele und Begebenheiten verdeutlicht den
Unterschied zur traditionellen und konventionellen Reiseliteratur: Um »artige Berichte von
fernen Ländern« ging es William Beckford keineswegs traumverloren und »glücklich in den Armen
dieses Blendwerks« entwirft er vielmehr von sich das Bild eines romantischen Reisenden eines
außergewöhnlichen Menschen und Künstlers der sagt: »Meine Feder schreibt im Schlaf.« In seiner
exzentrischen und enthusiastischen Erkundung von Städten Bauwerken und Landschaften in seinen
Inspirationen und Visionen beschreibt er immer auch seine eigene Entwicklung - seine Reise wird
immer mehr zur Pilgerfahrt ins eigene Innere zugleich gewährt diese durch ihre unterhaltsamen
geistreichen und sprachlich brillanten Schilderungen Einblicke in die Sitten des ausgehenden
18. Jahrhunderts. »Keinesfalls bedarf ich eines Altertumskenners der sich über jedes
Bruchstück weitläufig auslässt und mir erklärt - bliebe ich auch fünf Jahre in Rom - daß ich
nicht einmal die Hälfte gesehen hätte. Allein der Gedanke einer solchen Fülle ist höchst
beunruhigend und bestärkt mich in meinem Entschluß wissenschaftlich überhaupt nichts zu
erkunden vielmehr auf Gutdünken umherzuschweifen und mich treiben zu lassen.« Erstmals liegt
nun William Beckfords Dreams Waking Thoughts and Incidents auf Deutsch vor - übertragen und
kommentiert von Wolfram Benda und mit einem Nachwort von Norbert Miller der in seinem Buch
Fonthill Abbey über den Ästheten William Beckford und sein künstliches Paradies schreibt
(München 2012). Neben seinen Träumen Gedankenspielen und Begebenheiten ist Vathek Beckfords
berühmtestes Buch eine Mischung aus Schauerroman Conte philosophique und arabischer
Erzählung. Es gilt in der Literatur (Byron Poe Mallarmé Hofmannsthal Borges Benn Auden)
als Meisterwerk.