Von Windhuk nach Nürnberg? Im postkolonialen Diskurs wird behauptet die koloniale Erfahrung
habe die deutsche Gesellschaft tief geprägt doch diese Prägung sei in Vergessenheit geraten
und müsse nun ins historische Bewusstsein zurückgeholt werden. Vertreter dieses moralisierenden
Narrativs argumentieren die Erinnerungskultur zum Holocaust habe die deutsche
Kolonialvergangenheit insbesondere den Völkermord an den Herero "verdrängt". Indem der
koloniale Genozid - zu dem bisher historische Monografien fehlen - als Vorläufer des Holocaust
gilt wird eine fast kausale Verbindung zwischen Windhuk und Auschwitz konstruiert die sowohl
den Holocaust relativiert als auch für die vergleichende Forschung öffnet. Dieses Buch bringt
Sachlichkeit in die postkolonialen Debatten und beleuchtet historische Kontinuitäten und Brüche
zwischen Kaiserreich Weimarer Republik und NS-Zeit. Anhand der Themen "Rassenmischehe" und
"Rassenmischung" werden kolonialer Rassismus nordischer Rassismus und völkischer
Antisemitismus vergleichend untersucht. Ein Fallbeispiel aus Deutsch-Südwestafrika zeigt wie
juristische Maßnahmen rassistische Hierarchien festigten - und wie sich Betroffene dagegen
wehrten. Cornelia Essner Autorin des Standardwerks zu den Nürnberger Gesetzen strukturiert
in sieben Aufsätzen die Debatte über Kolonialismus und Holocaust.