Es gibt Dinge die nicht verschwinden. Zu ihnen gehört auch die Gewalt. Die 'Gewaltaversion'
(Jan Phillip Reemtsma) zeichnet nicht die Moderne aus. Die Gewalt ist proteischer als man
denkt. Sie verändert nur ihre Erscheinungsform. Heute zieht sie sich in subkutane
subkommunikative kapillare und neuronale Räume zurück und nimmt eine mikrophysische Form an
die auch ohne die Negativität der Herrschaft oder Feindschaft ausgeübt wird. Sie verlagert sich
vom Sichtbaren ins Unsichtbare vom Brachialen ins Mediale und vom Frontalen ins Virale. Nicht
offene Angriffe sondern Ansteckungen sind ihre Wirkungsweisen. Hans ¿Topologie der Gewalt¿
zeichnet vor allem jene Transformation des Gewaltgeschehens die sich als der Wandel von der
Dekapitation (vormoderne Gesellschaft der Souveränität und des Blutes) über die Deformation
(moderne Disziplinargesellschaft) bis hin zur Depression (heutige Leistungs- und
Müdigkeitsgesellschaft) vollzieht. Han setzt damit seine bereits in ¿Müdigkeitsgesellschaft¿
begonnene beunruhigende Analyse unserer Zeit fort.