Ein Fest der Völkerfreundschaft die Aussicht auf eine Welt von morgen: Die Verheißungen der
Fußball-Weltmeisterschaften finden sich etwa in Uruguay 1930 oder Südafrika 2010. Oder sie
spiegeln sich auf dem Rasen: Mexiko 1970 und '86. Doch in die WM-Geschichte hat sich die
Dominanz des Nordens eingebrannt. Und der afrikanische Fußball? Nachfahren von Sklaven als
Trümpfe Brasiliens Stars in den Reihen der europäischen ¿Mutterländer¿. Die antikoloniale
Befreiung erreichte mit dem panafrikanischen Boykott der WM 1966 auch die FIFA. Neben den
Turnierverläufen geht der Band politischen Kapriolen nach: Ob 1934 im Italien Mussolinis 1938
im linksregierten Frankreich die ¿großdeutsche¿ Elf mit Hitlergruß 1974 Solidaritätsaktionen
in Berlin: ¿Chile Sí Junta Nö oder 1978 im Argentinien einer Militärdiktatur. Mit Ende des
Kalten Krieges war auch die FIFA im Goldrausch. Bald mit von der Partie: Katar und
Saudi-Arabien. Und die WMs in Nordamerika 1994 und 2026? US-geführte Kriege dramatischer
Rechtsrutsch: Bleibt die Friedensfrage beim ¿Völkerfest¿ WM virulent? Ist die massive
Ausweitung des Teilnehmerfelds so sehr kommerzieller Natur auch Ausdruck einer entstehenden
multipolaren Weltordnung?