Ein mehrstimmiger fesselnder Roman von großer Intensität der uns daran erinnert dass
Tragödien immer kollektiv sind. Zum Tode verurteilt: Lukas Santana ist Mitglied einer Gang
aus dem Rio Grande-Tal im Südosten von Texas ein Gangster mexikanischer Abstammung der zehn
Jahre in der Todeszelle verbringt ohne je getötet zu haben. Beatriz Macedo die Lukas erst
drei Monate vor seiner Verhaftung kennengelernt hat kann ihn nicht im Stich lassen. Die beiden
heiraten noch im Gefängnis und bis am Ende bleibt sie an seiner Seite. Ihre Träume als Mädchen
- das Rio Grande-Tal hinter sich zu lassen eine Universität zu besuchen sich von einem
Schicksal der Armut und Frustration zu befreien das für alle Latinas vorgezeichnet zu sein
scheint - hat sie begraben. Stattdessen wird sie wie so viele aus der Unterschicht Amerikas
in den tragischen Strudel eines scheinbar von Klischees überzeugtem Rechtssystem hinein
gezogen. Das Gesetz des Bundesstaates Texas erlaubt es jemanden des Mordes ersten Grades
anzuklagen auch wenn dieser weder vorsätzlich getötet noch einen Mord geplant hat. Seine Zelle
ist zwei Mal drei Meter gross. Mehrmals hat er in den letzten Jahren versucht sich umzubringen
während er auf die Vollstreckung seiner Strafe wartet. Um Lukas und Beatriz scharen sich
menschliche Kraftfelder voller Nächstenliebe: Thierry Morel ein schweizerisch-französischer
Doktorand der Kriminologie mit dem Lukas korrespondiert der Heilige ein afroamerikanischer
Häftling der in der Zelle neben Lukas wohnt Miriam die Mutter von Lukas die sich am
Todestag ihres Sohnes frisierte Haare und lackierte Nägel wünscht ihre jüngere Schwester Ynez
die in Kalifornien lebt und eine intellektuelle Karriere anstrebt Falma die Freundin von Ynez
albanischer Herkunft Vertraute Stütze und kritisches Gewissen. Im Hintergrund der Geist von
Abel Miriams und Ynez' jüngerem Bruder der wahrscheinlich beim Versuch die Grenze zwischen
Mexiko und den Vereinigten Staaten zu überqueren ums Leben gekommen ist. Elvira Dones
stellt in einem Wechsel aus Rück- und Vorblenden ein greifbar nahes menschliches Panorama dar
das zwischen der gegenwärtigen Geschichte - den letzten Monaten in Freiheit der Verhaftung
der Gefangenschaft von Lukas Santana - und Momenten einer Kindheit die von Schmerz und Gewalt
geprägt ist changiert. Im Zentrum: die Lebensschicksale der Frauen die ihm mit jeder Pore
beistehen und das Leid das Unrecht welches ihm geschieht und das als Exempel für einen
überforderten und dysfunktionalen Rechtsapparat in aller Transparenz geschildert wird. Der
Roman beruht auf mehreren wahren Geschichten.