Kokots neuer Gedichtband "Geisternetze" ist von erzählerischen Gedichten geprägt. Die Texte
haben einen fast dokumentarischen Charakter mit ihrem Blick für wesentliche Details. Zugleich
schwingen in ihnen aber auch immer wieder Humor Trost und Zuversicht mit und bilden so ein
Gegengewicht zu den ernsten Themen. Das Herzstück des neuen Gedichtbands ist das Kapitel
"Flocke". Es widmet sich der modernen Reproduktionsmedizin und Elternschaft. Diese Themen sind
gesellschaftlich virulent - und stark mit Scham behaftet ist. Für Kokot war es wichtig diese
Themen in der verdichteten Form der Lyrik aufzuarbeiten und auch zu enttabuisieren. Die
Leserinnen und Leser begleiten in den Gedichten des Zyklus das lyrische Ich bei seinen
medizinischen und gedanklichen Schritten und sind so auch seinen Zweifeln und Sorgen
ausgesetzt. Sie können mitverfolgen wie Hoffnung entsteht mit einem ersten Verlust umgegangen
werden muss und neue Kraft für einen letzten Versuch geschöpft wird. Das Kapitel "Flimmern"
widmet sich der Vergänglichkeit in Beziehungen und erzählt die Geschichte einer Liebe. Vom
Kennenlernen und Verlieben über das Zusammenleben in einer Partnerschaft bis hin zum Zerbrechen
der Beziehung. Die episodischen Texte stellen zunächst eine große Nähe und Zärtlichkeit her
jedoch entfernen sich die beiden Personen im Laufe des Zyklus zunehmend voneinander. Die
Beziehung wird fragil und von grundsätzlichen Fragen in Zweifel gezogen. Fragen an das
gemeinsame Altern und Reifen aber auch ob die gemeinsame Beziehung überhaupt eine tragfähige
Zukunft hat. Im Kapitel "Nachhall" beleuchten die verschiedenen Gedichte die Vergänglichkeit
die mit dem letzten Lebensabschnitt einhergehen. Die Gedichte handeln vom Loslassen und dem
Verhältnis zum Tod. Bei diesen Texten spielen das Erinnern und Zurückblicken immer wieder eine
zentrale Rolle. Gleichzeitig ist den Gedichten aber auch eingeschrieben dass sie etwas
Abgeschlossenes betrachten und dies nicht mehr zurückgeholt werden kann. Das ist schmerzhaft
verdeutlicht aber die Einzigartigkeit unserer Erfahrungen. Die Gesamtkomposition des
Manuskripts wird durch die Kapitel "Geister" und "Quartier" abgerundet. Sie sind als
Überleitung zwischen den längeren Gedichtzyklen angelegt. Die beiden Kapitel beschreiben die
Technosphäre sowie die urbane Umwelt zeigen wie sich gegenseitige Abhängigkeiten entwickelt
haben welchem permanenten Wandel das Ich ausgesetzt ist und welche Perspektiven sich daraus
eröffnen. Der Autor will mit seinen Gedichten auch schwer fassbare Aspekte wie Sinnlichkeit
und Intimität transportieren ohne dass die Bilder kitschig oder beliebig werden - und die
Leser emotional berühren.