Viele Münchner Stadtviertel und damit auch ihre Bewohnerinnen und Bewohner beziehen ihre
Identität aus der oft jahrhundertelangen Geschichte ihres Viertels. Die Ludwigsvorstadt ist
noch jung. Den Namen gibt es erst seit 1812. Davor gab es hier nur Wiesen und Felder die zudem
so karg waren dass sie nicht einmal gut zu nutzen waren. Doch in kurzer Zeit erfolgten einige
markante Entwicklungen die dem Viertel seine einzigartige Stellung in München verleihen und
den Charakter des Viertels bis heute prägen. 1810: Als die Münchner auf der Hangkante standen
und begeistert dem Pferderennen zusahen das anlässlich der Hochzeit der späteren Namensgeberin
Therese mit ihrem Ludwig veranstaltet wurde haben sicher viele von ihnen die große freie
Fläche zur Stadt und den weiten Blick bis zu den Alpen genossen so auch die Hochzeiter. Für
Ludwig wurde die Anhöhe zum repräsentativen Bauplatz für Bavaria und Ruhmeshalle. Therese wurde
zur Namensgeberin der Wiese auf der seit damals das weltberühmte Oktoberfest stattfindet.
1813: Mit der Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses vor dem Sendlinger Tor wurde der
Grundstein für das Klinikviertel gelegt. Für nahezu alle medizinischen Fakultäten entstanden
hier Fachkliniken. Auch wenn für die kommenden Jahren erhebliche Änderungen angekündigt sind
mit der neu erbauten Portalklinik wird die Medizin das Viertel noch lange prägen. 1830:
Albrecht Adam war einer der ersten Künstler der sich in den Gärten und Wiesen vor der Stadt
ein Atelier einrichtete. Viele weitere Künstler folgten. Ihre Atelier- und Wohnbauten trieben
die Stadt immer weiter gen Westen. Von der Künstlerzeit ist leider nicht mehr viel da mehr
Ateliers wären unbedingt wünschenswert. 1840: Nachdem der erste Bahnhofs-Schuppen von 1839
abgebrannt war und ein neuer großstädtischer Bahnhof für den zunehmenden Eisenbahnverkehr nahe
zur Stadt gebaut wurde entstanden damit auch Handelsniederlassungen Hotels und
Vergnügungsstätten für die vielen Reisenden. Nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs hat
sich um den Bahnhof ein spannendes multikulturelles Stadtviertel entwickelt. Die provisorischen
Bauten der Amüsierbetriebe für die amerikanischen Besatzungssoldaten machten in den 1970er
Jahren Platz für "Gastarbeiter" türkische Geschäftsleute und immer mehr und größere Hotels für
die Touristen. 1880: Rund um die Theresienwiese entstand ein einzigartiges Villenviertel ganz
modern mit viel Grün und Luft erstellt von den renommiertesten Architekten und Baumeistern der
Zeit. Nicht gerade für jeden erschwinglich waren die Villen damals schon. In der
Ludwigsvorstadt sind fast alle dieser doch sehr verschiedenen Entwicklungen auch heute noch
direkt erfahrbar. Der Reiz der großen Unterschiede macht die Ludwigsvorstadt zu einem der
interessantesten Viertel Münchens: von der vornehmen Welt des Wiesenviertels zum urbanen
Durcheinander des Bahnhofsviertels und von den Kliniken bis zur Weltmarke Oktoberfest.