Melancholisch und vielschichtig - Abdellah Taïa über eine verlorene Kindheit in Marokko Nach
dem Tod seiner Mutter kehrt Youssef ein schwuler Lehrer der seit über einem viertel
Jahrhundert im französischen Exil lebt auf Wunsch seiner Schwestern nach Marokko zurück um
sein Erbe zu regeln. Diese Rückkehr entwickelt sich für ihn zu einer emotional aufwühlenden
Reise. Er wird mit Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend konfrontiert: an die Nähe zu
seinen Schwestern die Spannungen und Brüche innerhalb der Familie und vor allem an Najib -
seinen Jugendfreund und Liebhaber dessen Leben tragisch endete. Während Youssef durch die
Straßen von Salé wandert rücken die prägenden Erfahrungen seines Aufwachsens wieder in sein
Bewusstsein: Armut Gewalt und die soziale Ausgrenzung aller die - wie er selbst - den
gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen. Der Roman endet an der Bastion der Tränen
der alten Stadtmauer von Salé einem Ort an der individueller Schmerz und
generationsübergreifendes Leid zusammenkommen. Hier steht Youssef vor einer existenziellen
Entscheidung: sich seinem Schmerz zu ergeben zu vergeben - oder den Weg der Rache zu wählen
wie Najib. 'Die Bastion der Tränen' stand 2024 auf der Shortlist für den Prix Goncourt und
gewann im selben Jahr den Prix Décembre sowie den Prix Goncourt des Lycéens in Belgien.
Außerdem wurde Abdellah Taïa 2024 der Prix de la Langue française für sein Gesamtwerk
verliehen.