Durch den siegreichen Krieg gegen Frankreich von 1870 71 gewann der neugegründete deutsche
Nationalstaat das Elsaß und Teile Lothringens zurück die seit dem Frühmittelalter zum Heiligen
Römischen Reich Deutscher Nation gehört hatten im 17. und 18. Jahrhundert aber an Frankreich
gefallen waren. Fast ein halbes Jahrhundert lang von 1871 bis 1918 bildete Elsaß-Lothringen
nun als "Reichsland" einen Teil des Deutschen Kaiserreiches. Dieses Buch zeigt dass die
"Reichslandzeit" keineswegs nur eine Episode war sondern eine kulturelle Blütezeit die neben
dem Hochmittelalter und dem 16. Jahrhundert zu den großen Epochen der elsässischen Geschichte
zählt. Der Aufstieg von der Provinzstadt zur großzügig ausgebauten Landeshauptstadt mit neuer
Universität schuf erst die Voraussetzungen für die heutige Rolle Straßburgs als "Hauptstadt
Europas" (Eurométropole). Nicht nur in Straßburg auch in Colmar Metz und zahlreichen weiteren
Städten und Dörfern erinnern Regierungs- und Verwaltungsgebäude Wassertürme Schulen und
Bahnhöfe bis heute an den Ausbau der Infrastruktur in diesen Jahrzehnten. Mit der (späten)
Verfassungsreform von 1911 wurde Elsaß-Lothringen ein weitgehend selbständiger Bundesstaat des
Deutschen Reiches. Vor allem die junge Generation der Elsässer und Lothringer schien bereits
für die neuen Verhältnisse gewonnen als die Zäsur des Ersten Weltkrieges den Dingen eine
andere Wendung gab. Nach vier Jahren Krieg und Militärherrschaft begrüßten Teile der
reichsländischen Bevölkerung die einmarschierenden französischen Truppen im November 1918 als
Befreier.