Wie konnte es dazu kommen? Wie haben die Juden die Ereignisse vor und nach der sogenannten
Machtübernahme durch Hitler und die Nationalsozialisten wahrgenommen? Wie haben sie auf die
systematische Ausgrenzung reagiert? Wurde der organisierte Massenmord wie von manchen vermutet
bereits in den Anfängen des Hitler-Regimes vorgedacht? Mit diesen und anderen Fragen zur Lage
der deutschen Juden in den Anfangsjahren des NS-Regimes beschäftigt sich der Potsdamer
Historiker Julius H. Schoeps in "Düstere Vorahnungen". Er bezieht sich dabei neben der
einschlägigen Forschung vor allem auf Lebenszeugnisse also Erinnerungen Tagebücher
Briefwechsel und andere Ego-Dokumente die die Reaktionen der Juden u.a. auf den NS-Terror im
Alltag auf die Verdrängung aus dem Kultur- Wirtschafts- und Berufsleben auf den Raub und die
Arisierung von Eigentum behandeln. Schoeps versetzt den Leser in die Lage sich aus der
Perspektive der deutschen jüdischen Bevölkerung ein Bild von den Anfangsjahren des NS-Regimes
und von ihren Befindlichkeiten und Befürchtungen zu machen. Seine narrative Zusammenschau
weicht damit in einigen wesentlichen Punkten von den tradierten Sichtweisen etablierter
Historiker auf diese Zeit ab die zumeist die Täterperspektive fokussieren aber die
Opferperspektive häufig vernachlässigen.