Gegenwärtig erleben wir eine zunehmende gesellschaftliche Diversifizierung und einen
rechtskonservativen Backlash gegen diese Tendenz. In dieser paradoxen Situation gleichzeitiger
Fort- und Rückschritte ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Differenz enorm
wichtig. Diese kann sich auf Kategorien wie Geschlecht Klasse race Alter oder Mensch
Tier beziehen Differenzierungen finden sich aber auch in Film und Medien wenn es um
Gegensätze wie hell dunkel oder Close Up Totale geht. All diese und weitere Dimensionen von
Differenz nimmt der Band als komplexe Gebilde kritisch in den Blick und bezieht sie (neu)
aufeinander. Im Mittelpunkt der Beiträge stehen spezifische mediale materielle und soziale
Konstellationen in denen Differenzen ausgehandelt werden. Diese versammeln dabei ein breites
Themenspektrum etwa verschiedene künstlerische Verfahren die Darstellung von Migration und
jüdischer Differenzerfahrung im Film auf Sport bezogene Unterscheidungen politische
Verhältnisse in Kolumbien oder queere und diasporische Perspektiven. Im Weiterdenken
intersektionaler Forschungen die vor allem soziale Differenzen produktiv in Beziehung setzen
kommt den Bildausschnitten Montagen Dispositiven Sounds etc. besondere Aufmerksamkeit zu.
Die Wendung "differences that matter" mit der u.a. Donna Haraway Sara Ahmed und Karen Barad
argumentieren gibt einen zentralen Impuls für den Band. 'Unterschiede von materieller
Bedeutung' beziehen sich auf entsprechende Forderungen nach Ausdifferenzierung durch
kapitalismus- und rassismuskritische Feministinnen of Color bereits seit dem 19. Jahrhundert.
Gleichzeitig klingt in Matters of Difference die unterschiedliche Wertigkeit der
Kategorisierungen selbst an: In einer konkreten Figuration sind bestimmte Differenzen von
größerem Gewicht als andere und auch diese Unterscheidung ist sowohl hergestellt als auch mit
materiellen und politischen Implikationen verbunden. Inwiefern kann die Orientierung an
komplexen Differenzbeziehungen politisch produktiv sein und welche Rolle spielen dabei
filmische mediale und diskursive Dimensionen? Matters of Difference bildet den Auftakt der
neuen Reihe Figurationen - Filmische und mediale Verflechtungen von Differenz die sich
mit Fragen Prozessen und Wahrnehmungen von Differenzverhältnissen befasst. Mit Beiträgen von
Svea Bräunert Angelica Fenner Natascha Frankenberg Karin Harrasser Bettina Henzler Till
Kadritzke Katrin Köppert Gwendolin Domenica Lehnerer Vera Mader Sabine Nessel Tullio
Richter-Hansen Winfried Pauleit Drehli Robnik Julia Schumacher Lea Wohl von Haselberg
Markus Stauff und Susann Winsel.