Der Begriff der Bildung nimmt eine zentrale Stellung im gesamten Werk Hegels ein. Umso
erstaunlicher ist dass er in der Rezeptionsgeschichte bislang kaum Erwähnung gefunden hat.
Anita Amiri legt erstmals eine systematische Analyse der Kategorien des breiten hegelschen
Bildungsbegriffes vor. Sie zeigt inwiefern Bildung bei Hegel immer die des Einzelnen ist
jedoch eines politischen Raumes bedarf der sie zulässt und befördert - holistische Bildung ist
so immer auch politische Bildung. Das Buch weist dies nach vor allem anhand der Phänomenologie
des Geistes der Schriften der Nürnberger Periode sowie prominent der Grundlinien der
Philosophie des Rechts. In diesen Werken so die These werden unterschiedliche Ebenen des
Bildungsbegriffes expliziert. Während so einerseits die abstrakten Kategorien der
Phänomenologie (etwa: Entfremdung) neu gefasst analysiert und auf ihre Bedeutung für den
Bildungsbegriff hin reflektiert werden können kann anhand der Nürnberger Schriften und der
Grundlinien andererseits die politische Dimension herausgearbeitet werden. Eingebettet ist die
Studie in die Diskussion aktueller Politischer Bildung. Diese wird ausgehend von Hegel in
Bezug auf ihren Bildungscharakter im strengen Sinne des Begriffes befragt und neu bewertet.
Während die Autoren des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts - etwa Theodor
Litt F.W. Foerster oder auch Georg Kerschensteiner - von der humanistischen Bildungsidee
kommend den Einzelnen noch ins Zentrum ihres Denkens stellen verlieren sich aktuelle Konzepte
in didaktischen Detailfragen der Diskussion um Bildung als Gehirnfunktion oder um die
ökonomische Verwertbarkeit der Kompetenzen des Einzelnen. Dadurch so die Diagnose wird in
diesen Konzepten fraglich ob der selbstbestimmte Einzelne als Person erster und letzter Zweck
jeder (politischen) Bildung bleibt.