Schlafen sollte eigentlich das Einfachste von der Welt sein. Augen zu Kopf aus rein ins Land
der Träume. Aber Pustekuchen - zumindest was mich betrifft. Regelmäßig werde ich von
hartnäckigen Schlafstörungen heimgesucht. Ich liege dann nachts stundenlang wach verliere mich
in Grübeleien und wälze mich endlos hin und her. Doch stimmt das? Träume ich vielleicht nur
dass ich wach bin? Das Interview ab S. 50 von meiner Kollegin Anna von Hopffgarten mit dem
Freiburger Schlafforscher Bernd Feige hat zumindest Zweifel in mir gesät. Und mittler weile bin
ich nicht mehr sicher ob meine Wahrnehmung von den schlaflosen Nächten der Wirklichkeit
entspricht. Feige und sein Team haben nämlich herausgefunden dass viele Menschen die unter
Insomnie leiden gar nicht viel weniger schlafen als gute Schläfer. So ließen sie etwa
Probandinnen und Probanden im Schlaflabor nächtigen und weckten sie mehrmals aus dem REM-Schlaf
also aus jener Phase in der wir am meisten träumen. Und siehe da die vermeintlichen
Insomniker gaben deutlich häufiger an gerade wach gelegen zu haben - obwohl dies
offensichtlich nicht stimmte. Feige nennt das Phänomen 'Albtraum vom schlechten Schlaf'.
Grundsätzlich üben Träume seit jeher eine Faszination auf uns aus und beeinflussen uns auch
über die Nachtruhe hinaus - und das nicht nur im negativen Sinn wie oben beschrieben. So gibt
es zahllose Berichte von Geistesblitzen die Personen im Traum kamen und teilweise zu neuen
Erfindungen führten. Fachleute haben vor Kurzem im Sekundenschlaf einen möglichen Quell der
Kreativität entdeckt wie Sie ab S. 44 lesen können. Aber warum wir überhaupt träumen ist noch
immer ein Mysterium. Laut einer neuen Theorie dienen die nächtlichen Fantasiereisen dazu unser
Gehirn mit überraschenden ungewöhnlichen Daten zu füttern und es so zu 'trainieren' (S. 62).
Trifft dies zu so wäre es sicherlich auch für Tiere von Vorteil zu träumen. Bloß wie findet
man heraus ob Oktopusse Reptilien oder Vögel ebenfalls traumähnliche Zustände erleben (siehe
S. 56)? Bei einer Sache ist man sich inzwischen ziemlich sicher: Um zu schlafen ist vermutlich
nicht einmal ein Gehirn nötig wie Veronique Greenwood ab S. 16 erklärt. Eine traumhafte
Lektüre wünscht Ihnen Anna Lorenzen Redaktion Spektrum der Wissenschaft.