Liebe Leserinnen liebe Leser 'die historische Sprachwissenschaft ähnelt eher der Archäologie'
schreibt die indische Linguistin Anvita Abbi in einem Beitrag zu dieser 'edition'. Und es
stimmt ja auch: So wie sich die einen durch die Schichten einer Siedlung graben dringen die
anderen Wort für (rekonstruiertes) Wort tiefer zu den Ursprüngen der Sprachen vor. Im Fall von
Abbi sind dies die Idiome der Bewohner der Andamanen-Inseln deren Wurzeln tief in die
frühesten Migrationsbewegungen des modernen Menschen reichen. Was können uns solche Sprachen
die über Zehntausende von Jahren hinweg nur wenigen äußeren Einflüssen ausgesetzt waren über
das Heute erzählen? Mit dem australischen Murrinhpatha hat sich die Journalistin Christin
Kenneally einem weiteren uns völlig fremdartigen Idiom und seiner Erforschung angenähert. Es
trotzte erfolgreich der diskriminierenden Sprachpolitik früherer australischer Regierungen. Und
liefert heute neue Antworten auf die alte Frage ob wer anders spricht auch anders denkt. Ich
verrate wohl nicht zu viel wenn ich sage dass die Geschichte dieser Hypothese einige
unerwartete Wendungen nimmt. Um unsere ganz persönliche sprachliche Alltagswelt geht es dagegen
in einem weiteren Beitrag dieser Ausgabe: Wann klingt eine Sprache eigentlich schön? Das hat
sich meine Kollegin Christiane Gelitz gefragt und dann dort recherchiert wo es der
linguistischen Forschung richtig schön unbehaglich ist. Denn ästhetische Urteile über Sprachen
zu fällen das klingt zu sehr nach dem Sprachchauvinismus des 19. Jahrhunderts. Doch ist
unbestreitbar etwas dran am unterschiedlichen Wohlklang von sagen wir mal Deutsch und
Italienisch. Das lässt sich auch erforschen wie sich zeigt. Schließen möchte ich mit einem
Zitat des Hirnforschers Rogier Mars der im Interview auf die Frage warum Schimpansen nicht
sprechen können ein wahres Wort gelassen ausspricht: 'Schimpansen' erklärt Mars 'haben
einander nicht so viel zu erzählen.' Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Ihnen Jan Dönges
Redaktion Spektrum der Wissenschaft.