Die Bilderserie aus dem damaligen Italien vermittelt den Eindruck als wäre man auf einer
Zeitreise in die 80er Jahre zurückgebeamt worden - in eine Zeit ohne Smart Phones und Internet
in eine Zeit in der es im Straßenbild noch keine E-Scooters Kaffeehausketten oder
Fast-Food-Restaurants gab. Das pulsierende Leben spielte sich vorwiegend draußen ab - ein
Freilufttheater auf den Piazzas sowie in den Cafés: die Straße als 'Bühne des Lebens'. Auf den
Straßen spielt sich genau das ab was Jörg interessiert: der Alltag der Menschen. Analog zu
Pasolini's Werken und Filmen empfindet er dabei eine tiefe Sympathie für die sogenannten
einfachen Leute mit ihren wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen. Es sind vor allem
unspektakuläre Szenen denen sich Rubbert angenähert hat ohne sie zu stören. Es sind Abbilder
der Realität aufgenommen aus der persönlichen subjektiven Perspektive - ohne jegliche
Inszenierung. Szenen aus dem Alltag gegriffen genuin und deshalb so authentisch. Obwohl es
sich um Straßenfotografien handelt d.h. nichts durchkomponiert oder arrangiert ist strahlen
die Fotografien eine intensive Ruhe aus was verblüfft wenn man bedenkt dass dieses Land und
seine Leute über eine gewisse Hektik und Betriebsamkeit verfügen. Während die Welt im Wandel
war blieben die Menschen auf den Straßen Italiens jener Jahre auf bemerkenswerte Art
bodenständig geerdet. Man meint in Rubberts Bildern die entschleunigte Lebensweise der
Italiener zu erkennen die beim Betrachten der Bilder gleichsam inspirierend wirkt. Dieses rare
(und scheinbar aus der Zeit gefallene) Gefühl ganz ohne Zeitdruck und ohne diese ständige
Erreichbarkeit einfach mal den Moment zu genießen. "Dolce far niente" nicht als touristische
Fassade sondern als kollektiv praktizierte Lebensphilosophie. Vielleicht liegt es daran dass
wir stets sehnsuchtsvoll auf Italien schauen und versuchen dieses Lebensgefühl zu kopieren
oder uns zumindest etwas davon abzuschauen...