Wenn Literatur da beginnt wo das Ich verstummt dann gebührt Raymond Roussel ein besonderer
Platz in ihr. Wie wenige andere hat er fiktionale Welten geschaffen die ihm durch seine
Herkunft sein Milieu und seine Bildung für immer hätten verschlossen bleiben müssen. Möglich
wurde diese Distanz zu sich selbst durch seine konzeptuellen Schreibverfahren denen er sich
blind ohne Wissen um die Folgen für die Repräsentation unterwarf. Erdacht um die
Einzigartigkeit seiner Imagination zu bestätigen dezentrieren sie die Instanz des Autors
ebenso wie die Referentialität des Textes. Dezentrieren sie aber löschen sie nicht aus.
Zwischen Wahnsinn und Methode Form und Formverlust Exzentrik und Konformismus oszillierend
wird Roussels Werk derart zum Schauplatz einer verfremdenden Neuinszenierung der eigenen
Kultur. Im Durchgang durch das Gesamtwerk und unter Einbeziehung des Nachlasses rekonstruiert
das vorliegende Buch Roussels paradoxe Poetik und erweist ihn als eine zentrale Figur der
Moderne. Was ihn zu einem Zeitgenossen macht ist nichts anderes als sein maßloser Glaube an
die Zeichen.