'Das Gesetz des Wortes ist ein Gesetz das die Menschwerdung begünstigt indem es den Menschen
von jedem Herrschaftsideal und jeglicher repressiven Auslegung des Gesetzes befreit.' Dieses
Buch handelt von der zentralen Bedeutung des Logos der konstitutiven Dimension des Wortes die
sich sowohl in der psychoanalytischen Theorie und Praxis als auch prominent am Anfang der
biblischen Erzählung findet. Vor diesem Hintergrund thematisiert der Psychoanalytiker und
Philosoph Massimo Recalcati die Notwendigkeit über die rituellen Praktiken und die
Unmenschlichkeit des Opfers hinaus zu gelangen - wovon die Geschichte Abrahams und der
verhinderten Opferung seines Sohnes Isaak exemplarisch erzählt. Es geht aber auch um die
Notwendigkeit die höchst verführerischen aber zerstörerischen Versuchungen des Narzissmus zu
analysieren der Adam und Eva dazu verleitet die grundlegende Dimension des Gesetzes zu
missachten und der ihren Sohn Kain zum Mord am Bruder Abel anstiftet. Bei genauerem Hinsehen
enthält der biblische Text viele weitere Erzählungen und Szenen die tief mit den Theorien des
psychoanalytischen Diskurses verwoben sind. Durch dieses Buch wird eindrücklich nachvollziehbar
wie und in welchem Maße sich Sigmund Freud und Jacques Lacan in ihrem Werk von den biblischen
Erzählungen haben inspirieren lassen. Ja mehr noch: Massimo Recalcati rekonstruiert konkret
und präzise die verschiedenen Dimensionen in denen die Psychoanalyse das 'Erbe' des biblischen
Denkens antritt und es in gleichsam säkularer Form fortsetzt. Das jüdisch-biblische und das
psychoanalytische Denken treten somit jenseits von Klischees und Vorurteilen in einen neuen
Dialog miteinander ein. Um dieses Gespräch fruchtbar zu gestalten muss wie Recalcati in
seiner Einleitung zu Recht betont auf den Anspruch verzichtet werden den biblischen Text auf
krude Weise 'psychoanalysieren' zu wollen vielmehr gehe es nun darum 'die Heilige Schrift zu
lesen um die Psychoanalyse besser zu verstehen'.