Das europäische Projekt entstand in einer durch Offenheit geprägten westlichen Welt der Jahre
des Krieges des Nationalismus und der Abschottung vorausgegangen waren. Dieser Trend zur
Öffnung erfasste nach Ende des Kalten Krieges den gesamten Globus. In dieser offenen Welt wurde
gegenseitige Abhängigkeit als Quelle von Frieden und Wohlstand gesehen und Demokratisierung als
linearer irreversibler und mit dem Kapitalismus eng verbundener Prozess gedacht. Seit der
Jahrtausendwende haben die Sicherheitskrise im Gefolge des 11. Septembers die globale
Finanzkrise die Krise der liberalen Demokratie und die damit einhergehende Welle des
euroskeptischen Nationalismus die Pandemiekrise und schließlich die Kriege in Europa und im
Nahen Osten eine Welt entstehen lassen in der es schrittweise zu immer weitreichenderen
Schließungen kam. Doch es wäre ein Irrglaube anzunehmen wir lebten heute in einer
geschlossenen Welt. Vielmehr bestehen in der Welt von heute Offenheit und Abschottung
nebeneinander. Vor diesem Hintergrund müssen althergebrachte Konzepte und Ansätze revidiert
werden. Europa muss Wege finden durch diese neue ambivalente Welt zu navigieren.