★★★★★
J.A.Hallbauer ;Doc Halliday
29.06.2024
amazon.de
Ein Kameraflug über eine zerklüftete Küstenlandschaft mit Buchten , kleinen Inseln , viel Wald und eine kurvige Landstraße: In einer betagten Mercedes-Limousine kommt Leland Gaunt (Max von Sydow) 1993 in das beschauliche Castle Rock.Zwei Frauen lugen durch die Lücke zwischen angehobenen Lamellen einer Jalousie: "Needful Things" nennt sich der neue Laden in einem alten Haus, und als erster Kunde betritt der Knabe Brian Rusk (Shane Meier) die verwinkeltenVerkaufsräume, in denen viele noch nicht ausgepackte Kartons stehen. Aber eine Baseball-Sammelkarte mit einem charismatischen Spieler, die Brian noch in seiner Sammlung fehlt und sogar seinen Namen als Widmung trägt, wechselt für 95 cent den Besitzer. Aber - das sei nur der halbe Preis, die zweite Hälfte bestehe darin, dass er der Truthahnzüchterin Wilma Jerzyck (Valri Bromfield) einen kleinen harmlosen Streich spiele, er bewirft ihre frisch gewaschene Wäsche mit Matsch.Wilma verdächtigt "Netty" Netitia Cobb (Amanda Plummer), die ihren gewalttätigen Mann vielleicht erstochen hat, und auch andere Leute haben Wünsche, die ihnen der charismatische Leland Gault, der auf zauberhafte Weise immer das im Laden oder sogar im Schaufenster stehen hat, was der näcste Kunde braucht oder meint, unbedingt zu brauchen, auf Lager hat. Und so geht eine unheilvolle Kette von Ereignissen los, in einer erschreckenden Szene hängt Nettis geliebter Hund frisch gehäutet von der Decke, zwei Frauen gehen mit langem Messer und Metzgerbeil aufeinander los, der katholische und der baptistische Geistliche bekriegen sich, dass eine Kirche in die Luft fliegt, Ereignisse, die wie eine Reihe von Dominosteinen, die sich auch noch verzweigen kann, umfällt , ausgelöst durch den ersten Stein, den kleinen Brian und den Matsch auf Wilmas Wäsche. Auch die hübsche Cafébetreiberin Polly Chambers (Bonnie Bedelia), Verlobte des Sheriffs Alan J.Pangborn (Ed Harris) gerät in die Fänge des Teufels, der in Gestalt des Leland Gault das Städtchen aufgesucht hat, bei ihr ist das Motiv ihre sehr schmerzhafte und stark behindernde Arthritis der Hände, die Gault mit einem altägyptischen Amulett heilt, solange sie es um den Hals trage.Pangborn bekommt eine Ahnung, was in seinem friedlichen Städtchen, in das es ihn aus der kriminellen Großstadt gezogen hat, los ist, Gaults Legende ist falsch, und bestätigt wird der Verdacht in einer dramatischen Szene des jungen Bikers Brian. Als Pangborn nach Castle Rock zurückkehrt, herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände, fast jeder hat etwas gegen einen Mitbürger unternommen, helfen scheint nur noch die Nationalgarde zu können, doch vorher durchbricht Pangborn die scheinbar unaufhaltsame Spirale der Gewalt. Der Teufel entsteigt am Ende den Trümmern eines in die Luft gejagten Gebäudes, ein luxuriöser Mercedes verlässt Castle Rock.Unverständlicherweise war der Film nicht der große Erfolg, für mich steht er auf einer Stufe mit "She", in dem die großartige Katie Bates ihren Lieblingsschriftsteller (James Caan) gefangen hält und quält, damit er ihre geliebte Romanheldin nicht sterben lasse, er ist besser als "Shining", in dem ein wahnsinniger Jack Nicholson als Hausmeister in einem eingeschneiten Hotel mit irrer Fratze und Hackebeil durch die Gänge geistert.Ich bin eher Fan von Horror, der nicht mit übernatürlichen Phänomenen einhergeht, wofür die beiden genannten Filme nach S.King schöne Beispiele sind. In "Needful Things" kann ich dem Meister des Horrors den Teufel "verzeihen", weil er eigentlich nur symbolischen Charakter hat. Er steht in Castle Rock für die Verführbarkeit von Menschen, für Neid und Missgunst, Eifersucht und Geldgier, verbohrte Konkurrenz zwischen Konfesionen, Macht und billige Rache, Leland Gault nützt die charakterlichen Schwächen von Menschen aus, indem er sie gegeneinander ausspielt, ein Stein in die Mitte eines Teiches geworfen reicht aus, dass die Wellen sich nach allen Seiten ausbreiten und am Ufer brechen. Im Prinzip ist Leland Gault als Teufel gar nicht erforderlich, viel langsamer und ohne vielleicht derart drastische Auswirkungen könnte auch ohne Einfluss des Teufels eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt werden, wie Pangborn für mich in seinem Appell an die Mitbürger erkannt zu haben scheint, der Teufel wirkt in Kings Parabel eigenntlich nur als Katalysator, er beschleunigt und potenziert aus dramaturgischen Gründen Ereignisse, die auch ohne übernatürliches Einwirken in Gang hätten kommen können, durch diesen Kunstgriff werden die Ereignisse beschleunigt, ohne ihn hätten sie nicht in einen knapp 2stündigen Film gepasst.Stephen King erweist sich auch durch diese gelungene Filmadaption seines Romans nicht so sehr als Meister des übernatürlichen Hotrrors als vielmehr als Moralist, als Mahner, der uns den Spiegel vorhält und zeigt, wie aus einer Tat aus niederem Motiv wie ein Schneeball eine Lawine ausgelöst werden kann, die alles unter sich begräbt und auch Unschuldige mit in den Tod reißt. Es geht heftig und drastisch blutig zu in dem Film, und die Pytotechnik darf sich spektakulär gefilmt austoben, aber nicht aus Gründen billigen Horrors oder Zerstörungslust, sondern zum Zwecke eines Lehrstücks, einer Parabel über Schwächen und menschliche Charaktereigenschaften, die langsamer in der Realität und hier beschleunigt durch den Kunstgriff des Auftretens des Teufels in eine Katastrophe münden.Ein sehr moralischer, wertvoller, ein wahrlich großartiger Film!Doc Halliday
Die Neuauflagen der King’schen Klassiker gehen in eine neue Runde. Nach der wirklich schönen Mediabook-Veröffentlichung „Rhea M“ serviert uns Koch Media (mit erheblicher Verzögerung der Veröffentlichung) „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ ebenso im schmucken Mediabook. Und da Koch Media sich zumeist Mühe gibt, wird dem gierigen King-Fan nun auch erstmals die 3-stündige TV-Fassung des Films serviert wird. Dieser Umstand macht diese Veröffentlichung zum Pflichtkauf für Sammler und Fans von Stephen King.„Needful Things“ bildet den dritten und abschließenden Teil der von King selbst so genannten Castle-Rock-Trilogie, welche aus 3 Romanen – „Stark“ (The Dark Half) [1989], „Zeitraffer“ (The Sun Dog) [1990], „In einer kleinen Stadt“ (Needful Things) [1991] – besteht, wobei „Zeitraffer“ ein Art Bindeglied zwischen den beiden Novellen darstellt. Allerdings wird die von King erfundene Stadt „Castle Rock“ immer wieder mal in seinen Romanen erwähnt. Diese Romane können unabhängig voneinander gelesen werden, aufgrund der vielen Anspielungen empfiehlt es sich jedoch, diese Novellen in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen.Needful Things entstand lt. Berichten als erster Roman im „nüchternen Zustand“ des Stephen King, der mit seit den 70er-Jahren mit Alkoholsucht (er konnte sich lt. eigener Angaben kaum erinnern, „Cujo“ geschrieben zu haben) und Drogensucht zu kämpfen hatte. Neben dem sehr düsteren Roman „Stark“ fiel bei den Kritikern auch Needful Things durch (King ist heute noch enttäuscht über die Kritiken) und auch im Kino fand der Film nicht den Anklang, den er verdient. Doch hochgestochene Kritiker-Rezensionen sollte man meiner Meinung nur mit Vorsicht Glauben schenken und sich selbst ein Bild machen. Es war und ist immer schwer einen King’schen Wälzer auf die Leinwand zu bringen, da hier jeder Drehbuchautor und Regisseur viel von der Story und vor allem den vielen detaillierten Charakterzeichnungen seiner Figuren weglassen oder wenigstens komprimieren muss.Wir, die die meisten Bücher von Mr. King gelesen haben, erleben immer wieder Enttäuschungen der TV- und Kinoadaptionen (wer zur Hölle hat z.B. den „Dunklen Turm“ so zur Verfilmung genehmigt?). Im vorliegenden Fall wurde von Rob Reiners Produktionsfirma „Castle Rock Entertainment“ vorgegeben, dass der Film zwei Stunden nicht übersteigen dürfe. Und man kann sich vorstellen, wenn man eine solche Romanvorlage (ist übrigens in den Top Ten der längsten King-Werke) zusammenstauchen muss, dass hierbei Story- und detailtechnisch ordentlich Federn gelassen werden müssen.Und dafür hat der Regisseur Fraser Clarke Heston (übrigens der Sohn von Kino-Legende Charlton Heston) dies meines Erachtens nach richtig gut gemacht. Der Cast ist außerordentlich, allen voran der grandiose schwedische Mime „Max von Sydow“, welcher den Leibhaftigen derart gekonnt in Szene gesetzt hat, dass hier keine Special Effects gebraucht hat (lediglich Fingernägel und Zähne). Es hat für mich bis heute nicht den Reiz verloren, ihm zuzusehen, wenn er als Leland Gaunt den eigentlich ganz normalen Einwohnern von Castle Rock zuflüstert, sie reizt, Zwietracht sät und anschließend durch geschicktes Ziehen der Fäden im Hintergrund die böse Saat erntet. Alleine schon wegen der bedeutungsschwangeren Szene mit Gaunt am offenen Kamin vor dem lodernden Kamin zu "Ave Maria" könnte ich mir den Film immer wieder mal ansehen! Aber auch der Rest der hochkarätigen Schauspieler (z.B. Ed Harris, Amanda Plummer) machen Ihre Sache durchaus gut. Vielfach wurde dem Film angekreidet, dass er eher unaufgeregt inszeniert wurde und mehr den einfachen TV-Look hat – gerade das finde ich hier wiederum gut…. Kings Werke entstehen vielfach auch ganz normal in einer unaufgeregten Umgebung und schaukeln sich dann hoch. Ich mag den Look einfach, da es zu Kings Büchern passt.Der Regisseur bekam zwei Jahre nach der Kino-Premiere die Möglichkeit, die zuvor auf zwei Stunden zusammengestauchte Kinoversion für eine zweiteilige TV-Auswertung unter dem Namen „More Needful Things“ erneut mit dem geschnittenen Material zu veröffentlichen. Und dank Koch Media ist es nun endlich auch uns vergönnt, diese Version zu sehen!Und ich sage euch, es lohnt sich! Dies macht den Film viel runder und fügt sogar einen neuen Charakter ein, der in der Kinofassung gar nicht zu sehen war. Schon die ersten 11 Minuten des Films waren in der Kino-Fassung nicht zu sehen. Es gibt eine Menge Material, welches in der Kinofassung der Schere zum Opfer gefallen ist und nun wieder eingefügt wurde, auch Umschnitte von Szenen sind ersichtlich.Leider wurden für die TV-Fassung die Gewaltszenen (z.B. der Fight zwischen Natty und Wilma) etwas entschärft, auch sind die verteilten Strafzettel in Busters Haus mit weniger obszönen Nachrichten als in der Kino-Fassung versehen. Obwohl ich ein absoluter Verfechter von Uncut-Fassungen bin (schließlich hat der Regisseur dies so vorgesehen), kann ich in diesem besonderen Fall damit leben. Wer dies auch kann, der wird seine Freude an dieser erweiterten TV-Fassung des Films haben. Danke dafür, liebes Koch Media-Team!Zum Mediabook selbst:Wieder mal veröffentlicht Koch Media das Mediabook (diesmal nur in einem Covermotiv) in diesem eigenartigen Format, welches nicht zu der üblichen Mediabook-Norm passen will. Vielleicht sieht dies Koch Media als Alleinstellungsmerkmal (was es nicht ist, weil es auch andere, wenige Mediabooks mit diesem Format gibt), mich jedenfalls stört dies als Sammler. Wie auch sonst bei KM üblich, wird auf eine offensichtliche Limitierung verzichtet, es gibt also keinerlei Nummerierung oder Hinweis auf die Höhe der Auflage dieses Mediabooks. Die einen finden das super, ich als Sammler finde dies schade.Das Mediabook beinhaltet 1 Blu-Ray, welche die Kinofassung UND auch die erweiterte TV-Fassung enthält (was so auf dem Rückcover gar nicht angegeben war, da ist nur von der TV-Fassung auf DVD die Rede). Die Laufzeit der Kinofassung beträgt 120:47 min., wird in Breitbild und Full HD (1.85:1 / 1080/24p) präsentiert, der Ton ist in DTS Master Audio 2.0 (deutsch/englisch) auf der BD.Die erweiterte TV-Fassung hat eine Laufzeit von exakt 188:44 min., wird in 4:3-Fomat (1.33:1 / Open-Matte) präsentiert und der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 (de/eng) vor.Zum Vergleich der Bildqualität habe ich mir die EuroVideo-BD von 2012 aus dem Archiv geangelt, welche als „Restaurierte Fassung“ (vielleicht gegenüber der grottigen DVD, aber ansonsten?) angepriesen wurde. Und hier bin ich doch enttäuscht, denn ich kann in Sachen Bildqualität bei der Koch Media-Blu-Ray keine Verbesserung gegenüber der EuroVideo-BD ersehen. Sind die Nahaufnahmen relativ gut, so ist bei Weitwinkel-Einstellungen die Schärfe nicht zu sehen, die Details verschwimmen und gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen (in Gebäuden und dunkleren Szenen) tritt stärkeres Bildrauschen auf. Da es sich um einen Kinofilm handelt, müsste es doch irgendwo ein besseres Master-Band geben bzw. wäre eine wirkliche Restauration wünschenswert gewesen. Ich gehe sogar soweit, dass die beiliegende DVD ein nicht unbedingt weit schlechteres im Bild hat.Von der TV-Fassung allerdings war ich mehr überrascht, denn diese hätte ich mir wesentlich schlechter in Bild und Ton vorgestellt. So ist diese ganz schaubar für eine vernachlässigte TV-Auswertung.Beim Ton können in beiden Fällen keine großen Sprünge gemacht werden, doch ist dieser soweit in Ordnung und klar verständlich. Zwar spielt sich bei 2.0 nicht wirklich was in den Surround-Speakern ab und der Subwoofer ist klar unterfordert, wer aber einen geeigneten AV-Receiver mit sinnvollen Klang-Einstellungen sein Eigen nennt, kann den Ton ein wenig auf 5.1 oder gar 7.1 aufhübschen.Grundsätzlich würde ich die Erweiterte TV-Fassung sowieso gleich in Originalfassung ansehen, da doch viel zwischen OV und deutscher Synchro hin- und herspringt. Deutsche Untertitel dazu gibt es ja durchgehend. Gerade hier, weil es eine Menge neuer Szenen sind, hätte ich mir schon eine durchgehende Nachsynchronisation gewünscht. Klar werden ev. dieselben Sprecher nicht mehr verfügbar sein, doch es wird doch ähnliche Stimmen geben (und nicht wie bei der Neusynchro vom „Weißen Hai“ mit der Stimme von Eddie Murphy – ich kann mir das einfach nicht anhören). Hat bei den Alien-Filmen oder auch jüngst bei „Shining“ auch funktioniert.Auf der Blu-Ray gibt es sogar ein paar Extras wie z.B. ein kurzes Making Of (5:40 min, deutsch untertitelt), Hinter den Kulissen (3:40 min., deutsch untertitelt), eine Bildergalerie (6:12 min.), die obligatorischen Kinotrailer in de/eng und das für mich interessanteste Extra neben der TV-Fassung, der Audiokommentar von Regisseur Fraser C. Heston, welcher interessante Einblicke in das Entstehen des Films aus der Sicht des Regisseurs gibt. Und auch hier wurde ich wieder mal enttäuscht, dass es keine deutschen Untertitel zum Audiokommentar gibt. Dies muss Pflicht sein, damit diesen jeder genießen kann.Es wird mit einem 3-Disc-Set geworben, wobei hier wieder nur die Blu-Ray interessant ist, denn wie so oft, haben die 2 weiteren DVDs überhaupt keinen Mehrwert, da diese komplett ident mit der BD sind. Wiederum sehr interessant ist der 20-seitige Textteil im Mediabook, welcher sehr gute Infos zum Film und King selbst beinhaltet und von Thorsten Hanisch stammt.Mein Fazit: Wer meine Rezension dankenswerterweise bis hierher gelesen hat, sieht schon, dass ich hin- und hergerissen bin. Eine perfekte Sammleredition ist es für mich nicht, dafür gibt es einige Baustellen – allen voran die Bildqualität (ich hoffe, es wird nicht in einem Jahr nochmals eine 4K-Edition nachgeschoben um die Fans nochmals löhnen zu lassen), aber auch die fehlenden UT beim Audiokommentar, die unnötigen DVDs, das eigenwillige Format oder die fehlende Limitierung.Dafür bringt uns Koch Media jedoch die Erweiterte TV-Fassung dieses Films und dies macht bei mir einiges wett, denn diese Fassung habe ich noch nie gesehen und genießen dürfen. Daher gibt es von mir gute 4 Sterne für diese Mediabook-Edition.