Noch ist Sommer, wenn ich dieser Rezension verfasse und einen Film zu kaufen den man normalerweise nur zur passenden Jahreszeit sich anschaut oder im Gedanken hat, weil der erste Termin des Films bevorsteht. Mir passiert es immer wieder das ich diesen Film verpasse, weil er an jedem Advents-Sonntag lief und das auf wechselnden TV-Sendern die man nicht regelmäßig einschaltet. Vor allem an Heiligabend darf der Film nicht fehlen. Ist ja beinahe wie ein Weihnachten ohne passenden Weihnachtsbaum und Geschenke und - das wichtigste - dem Essen. :-)Endlich habe ich den Film auch in der Sammlung und bin überglücklich damit. Auch wenn ich noch nicht reingeschaut habe, aber ab November werde ich das sicherlich machen. Das Booklet ist sehr schön aufgemacht und enthält jede menge Infos die ich noch gar nicht kannte. Auch der Schuber ist sehr schön.Fazit: Der Film, gerade wenn die Musik am Anfang erklingt, jedes mal ein Genuss.
Aschenbrödel (Libuše Šafránková) lässt sich von ihrer Stiefmutter und der Stiefschwester nicht unterkriegen. Sie erhält drei Haselnüsse, die sich als Zaubernüsse herausstellen. Mit Hilfe dieser Nüsse kann sie sich als Jägerin gegenüber dem Prinzen und seinen Freunden behaupten. Durch ihre Geschicklichkeit, ihre Schönheit und drei Rätselfragen, die sie dem Prinzen stellt, gewinnt sie dessen Herz für sich…Ganz im Gegensatz zu anderen während der Zeit des “real existierenden Sozialismus“ in Osteuropa entstandenen Märchenfilmen, verkneift sich Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ideologische Tendenzen. In der ostdeutsch-tschechischen Coproduktion spielt DEFA-Star Rolf Hoppe (Mephisto) einen besonnenen und menschlichen Monarchen, der mit einem gewissen Amüsement betrachtet, wie sich sein Sohn schließlich doch noch in die richtige Frau verliebt.Anders als Walt Disney bei Cinderella verzichtet Regisseur Václav Vorlícek (Wie man Dornröschen wachküsst, Die Märchenbraut) fast komplett auf die Fantasy-Elemente der literarischen Vorlage. Die wohl schönste Realverfilmung eines Märchens setzt auf beeindruckende Naturaufnahmen, einen großartigen Soundtrack von Karel Svoboda (Biene Maja, Wickie) und auf eine ebenso romantische wie komische Geschichte, die auch heute noch allerbestens unterhält.Der Kultstatus von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel zeigt sich darin, dass 2021 in Norwegen ein Remake entstand und dass der Märchen-Klassiker immer wieder in neuen Heimkino-Editionen erscheint. Eine Art “Zwischenhöhepunkt“ war 2008 eine etwas kitschige DVD-Veröffentlichung mit Soundtrack-CD, die versuchte durch Schnickschnack wie “Goldgeprägtes Schatzkästchen“, “seidenbezogene Schatulle mit Schublade“ und “Hochzeits-Amulett mit Echtheitszertifikat“ zu punkten.Ungleich interessanter ist die 2023 bei Filmjuwelen erschienene Blu-ray-Edition. Diese präsentiert den restaurierten Märchen-Klassiker im Original-Vollbild-Format, aber auch in einer Widescreen-Fassung in 1,77:1 – 16:9 in Orwocolor. Das Highlight unter den Extras ist der Audiokommentar von Rolf Giesen, der ansonsten eher für Extra-Tonspuren zu Hollywood-Horror wie Frankenstein, Das Ding aus einer anderen Welt oder Der Leichendieb zuständig ist. Doch Giesen überzeugt auch als Experte für Märchen-Archäologie und Ostblock-Kino.Von Giesen stammen auch die Texte zum 20-seitigen Booklet. Hinzu kommt noch dieses Bonusmaterial: “Fünf Sterne für Drei Haselnüsse – Erinnerungen mit Rolf Hoppe und den Stabsmitgliedern“ (29.26 min), “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel – Live in Concert“ (23:04 min), DEFA-Vorspann (4:32 min), DEFA-Abspann (0:35 min), DEFA-Trickfilm: “Hirsch Heinrich“ (R: Günter Rätz, 1964, 13:03 min), DEFA-Puppentrickfilm: “Die Weihnachtsgans Auguste“ (R: Günter Rätz, 1984/85, 21:26 min) und der Trailer (1:19 min)