Die Aufnahme führte zwei Stars zusammen, sieht man von der genialischen Komposition selbst einmal ab, und zwar zum einen das "grande piano" (1876) aus dem Haus Wahnfried in Bayreuth und zum andern Tomas Dratva, der mit seinem Können und der berauschende Klangfülle von Richard Wagners Steinway den Hörer in Bann schlägt. Tomas Dratva braucht hier kaum vorgestellt zu werden, hat er sich doch längst einem weltweiten Publikum bekannt gemacht. Auch das Aufspüren verschollener Klavierwerke gehört zu seinen Beschäftigungen. In der Begleitbroschüre schildert der Pianist seine Herangehensweise an seine Interpretation: "Bei der vorliegenden Aufnahme hielt ich mich bei Text und Interpretationsfragen zu größten Teilen an das von mir im April 2010 im Original studierte Autograph von Liszt. Bei offensichtlichen Fehlern oder schwer zu entziffernden Undeutlichkeiten waren mir zudem die modernen Gesamtausgaben der Edition Musica Budapest (1976) und der russischen Edition Murgis, Moskau(1952) dienlich". Zum besseren Verständnis werden aus den ausführlichen Anmerkungen des Pianisten im Booklet seine Schlussausführungen wie folgt zitiert:"Gegenüber den heute etablierten Versionen überliefert die St. Petersburger Handschrift auch eine Vielzahl bemerkenswerter Textvariationen zu den heute üblicherweise verwendeten Editionen. Ein Beispiel stellen die Takte 51 - 58 in Vallé d`Obermann dar: Die chromatische Melodieführung und dazugehörige Harmonisierung durch die Arpeggien in der linken Hand sind in Rhythmus und Melodie anders gehalten. Sie dürften auf der vorliegenden CD in dieser Form zum ersten Mal so aufgenommen worden sein. Gleiches gilt für die zu Taktbeginn angesetzten Akkorde in Les Cloches du Genére (Takte 23./24. rechte Hand) und den deutlich chromatischeren Verlauf der gesanglichen Linie im Takt 59 von Le mal du pays. Im Übrigen wird auf der vorliegenden Aufnahme eine möglichst detaillierte Verwirklichung der dynamischen Zeichen, der originalen Pedalangaben, Artikulationsbezeichnungen und der Arpeggien angestrebt. Auch in diesen Bereichen gibt es unzählige Unterschiede zu den heutigen Ausgaben. In Au bord d`une source stehen im Takt 32 in der rechten Hand keineswegs martellato Zeichen, sondern ein großes portato über der ganzen zweiten Takthälfte. Die pesante Basslinie in Orage im Takt 146- 149 ist nur in den ersten zwei Takten oktaviert, die Melodie endet einstimmig. Der große Zyklus Annés de Pélerinage hat eine lange und nicht unkomplizierte Entstehungsgeschichte. Viele Fassungen gingen der endgültigen Reinschrift des ersten Bandes voraus. Franz Liszt hat in den frühen 1850-er Jahren mit der endgültigen Niederschrift des St. Petersburger Autographs die Premiére Année - Suisse aus den Années de Pélerinage grundlegend geklärt und gesichert."