Endlich wird die amerikanische Comic- Ikone Batman in einem Film so dargestellt, wie sie es verdient hat. Der Dunkle Ritter wird in Christopher Nolans Werk mit der angemessenen Komplexität behandelt.Bis zu diesem Film war ich kein großer Fan irgendwelcher Comicverfilmungen. Als ich ihn dann aus reiner Langeweile sah, war ich begeistert. Der Film hatte, besonders in Deutschland, tolle Kritiken bekommen und ich habe mich im Nachhinein geärgert, ihn mir nicht im Kino angesehen zu haben.Batman wurde ursprünglich von Bob Kane erfunden und gab sein Debüt im Jahre 1939 in der Ausgabe Nr. 27 in der Reihe Detective Comics. Vorbild für die Figur war unter anderem Zorro, eine Art spanischer Robin Hood, stets in Schwarz gekleidet, maskiert und in der Regel nachts unterwegs. Batman selbst wird bis heute gern als Mitternachts-Detektiv bezeichnet.Dass die Figur rasch sehr populär wurde, liegt natürlich auch in dem Umstand begründet, dass sie ein Kind ihrer Zeit ist. Die Düsternis der Batman-Geschichten reflektierten das gesellschaftliche Klima jener Jahre. Die Welt stand an der Schwelle zu einem weiteren großen Krieg, in den die USA knapp zwei Jahre später, nachdem die Japaner Pearl Harbour bombardiert hatten, ebenfalls eintraten.In jener Zeit wuchs bei den Amerikanern mehr und mehr das Verlangen nach Unterhaltung. Etwa zur selben Zeit, als der Comicstrip begann, sich als eigenständige literarische Kunstform zu etablieren, wurde mit Filmen wie "The Maltese Falcon"(1941) auch der Film Noir geboren, in dem erwachsene, deprimierende Geschichten ohne falsches Heldenpathos oder aufgesetztes Happy End erzählt wurden. Diese Film-Noir Qualität findet sich auch in der ursprünglichen Konzeption von Batmans Welt.Nachdem die Filmreihe durch desaströse Umsetzungen in den 1990er Jahren am Ende zu sein schien, gelang ausgerechnet dem britischen Independent- Filmemacher Christopher Nolan, der 2001 mit dem genial rückwärts erzählten Krimi "Memento" der Durchbruch in Hollywood geschafft hatte, im Jahre 2005 dieser faszinierende Neustart mit einem stimmigen Drehbuch und starken Schauspielern.Sam Raimis "Spiderman", Ang Lees unterschätzter "Hulk" und Bryan Singers "X-Men" hatten bereits gezeigt, dass man die Geschichte eines Comic-Superhelden auch im Medium Film mit dem gebotenen Ernst erzählen und den Figuren gerecht werden kann, in denen so viel mehr Potenzial steckt, als nur der Aufhänger für bloßes Popcorn-Entertainment zu sein.Christopher Nolan hebt mit seiner Batman-Interpretation dies alles auf eine noch viel höhere Ebene, was ihm in diesem Leben wohl niemand mehr wird nachmachen können.Nolans Batman ist viel mehr als die Geschichte eines Superhelden. Der Regisseur wirft in seiner mittlerweile als Trilogie vollendeten Saga einen wenig schmeichelhaften Blick auf das Amerika unserer Tage, den Kapitalismus im Allgemeinen, und er reflektiert über den Zustand einer solchen Gesellschaft.Der Bruce Wayne aus Christopher Nolans Dark Knight Trilogie ist ein Protagonist, wie er in praktisch allen bisherigen Filmen dieses genialen Regisseurs zu finden ist, von "Following"(1998), "Memento"(2001), "Insomnia"(2003), über die drei Batman-Filme und "The Prestige"(2006) bis hin zu "Inception"(2010)Nolans Bruce Wayne ist ein Getriebener, eine gequälte Seele, ein Mann, der seinen inneren Frieden sucht. Keine andere Leinwand-Darstellung des Milliardärs im Fledermauskostüm kam der von Bob Kane entwickelten Comicfigur je näher als diese.Dass Christopher Nolan selbst Brite ist, den Mythos Batman und im Besonderen Amerika also von außen unter die Lupe nehmen konnte, mag mancher als Randnotiz abtun, jedoch halte ich es für ausgeschlossen, dass ein amerikanischer Regisseur mit Batman so weit gegangen wäre, wie Nolan es in seiner Trilogie getan hat.Unter Bezug vor allem auf die Comics und Graphic Novels von Autoren wie Frank Miller, Alan Moore und anderen, die ab den 1980er und 1990er Jahren die zwischenzeitlich reichlich verwässerte Figur inklusive ihrer zahlreichen Feinde neu erfanden und sie gleichsam zu ihren Wurzeln zurückführten, erzählt Christopher Nolan eine glaubhafte, atmosphärisch dichte Version der Geschichte des Dunklen Ritters.Die nötige Portion Realismus erhält der Film neben der ambivalenten, glaubhaften Darstellung der Charaktere auch durch die authentischen Drehorte. Auch dies ist ganz im Sinne Bob Kanes. Das reale äußere Vorbild für Gotham City waren echte amerikanische Großstädte wie Los Angeles, Chicago oder New York.Millers bahnbrechende Graphic Novel "Batman: Year One" bildet die wichtigste literarische Inspiration für Batman Begins.Bei der Auswahl der Schauspieler wurde auch auf eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit den Vorbildern aus den zugrunde liegenden Comics geachtet. So ist James Gordon in "Batman: Year One" kein übergewichtiger, kurz vor der Pensionierung stehender Mann wie in so vielen früheren Comic-Generationen, sondern deutlich jünger, und erinnert mit seiner hageren Gestalt, dem zerfurchten Gesicht, dem Schnauzbart und der Brille tatsächlich stark an Gary Oldman, der ihn in Nolans Filmen spielt.Erstmals wird im Medium Kino schlüssig erzählt, wie Bruce Wayne zu Batman wurde. Frühere filmische Umsetzungen hatten diesen Teil der Biografie der Hauptfigur fast vollständig ignoriert und kaum Hintergrundinformationen enthüllt.Batman ist der beliebteste, vor allem aber der menschlichste aller Superhelden. Anders als seine "Kollegen" Superman, Thor, Hulk, die Mutanten aus X-Men und weitere Heroen besitzt der Mann im Fledermaus-Kostüm keinerlei übernatürliche Kräfte. Bruce Wayne kann nur auf modernste Technik bauen, sowie auf seine körperliche Fitness und seine Intelligenz. Dass er selbst über ein riesiges finanzielles Vermögen verfügen kann, ist ebenfalls von Vorteil.Nolan und sein Co-Autor David Goyer, der wie Nolans Bruder Jonathan auch an den beiden Fortsetzungen mitgearbeitet hat, setzen die Comic-Vorlagen so ernsthaft und grimmig um, dass manchen Fan zunächst die Befürchtung befällt, der Mythos Batman werde vollständig demontiert. Doch genau das geschieht nicht.Die realistische Herangehensweise verleiht der Figur eine ungeheure Dynamik und endlich auch auf der Kinoleinwand die notwendige Tiefe und psychologische Komplexität. Das Publikum lernt, Bruce Wayne und seine Motivation zu begreifen. Doch dieser Mann muss sich nicht nur seinen Feinden stellen. Er kämpft auch mit sich selbst. All das ermöglicht es dem Zuschauer, eine emotionale Bindung zu dieser Figur aufzubauen.Als Batman quälen ihn immer auch Ängste und Zweifel. Er fürchtet, dass den Menschen, die ihm am Herzen liegen, durch seine Feinde ein Leid geschehen könnte. Daher hat sich Bruce Wayne in den Comics auch über all die Jahrzehnte konsequent einer festen romantischen Beziehung verweigert. Die Fledermaus-Maske soll vielmehr diejenige schützen, die er liebt.In Christopher Nolans filmischer Umsetzung schlägt sich dies vor allem in Bruces Umgang mit Rachel Dawes nieder. Im Grunde führt seine geheime Tätigkeit als Dunkler Ritter Bruce Wayne irgendwann an einen Punkt, an dem er sich nichts sehnlicher wüscht, als sein Alter Ego ein für allemal begraben zu können.Das Sequel The Dark Knight greift dieses Thema wieder auf. Dort, wie auch im abschließenden dritten Teil The Dark Knight Rises, wird deutlich, welch hohen persönlichen Preis ein solches Doppelleben fordert. Es ist im besten Falle ein zweischneidiges Schwert, und jeder Triumph, sofern er von Dauer sein soll, fordert seinen Tribut.Der Schlüssel dafür, dass Nolans Batman funktioniert, liegt auch in der Besetzung der Hauptfigur. Christian Bale war damals noch kein großer Star. Doch er war bereits bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Charaktere mit seelischen Abgründen zu verkörpern.Alle anderen Rollen sind ebenfalls vorzüglich besetzt, sowohl mit bekannten als auch mit weniger bekannten Gesichtern und häufig gegen den Strich. Alle Beteiligten sind mit Herzblut bei der Sache, besonders Dauer-Bösewicht Gary Oldman genießt es sichtlich, endlich mal den Guten spielen zu dürfen.Dass Batman einen Sonderstatus unter den Superhelden genießt, mag auch daran liegen, dass die Figur des Bruce Wayne einige faszinierende Parallelen zu einem Mann aufweist, der wirklich gelebt hat und als amerikanische Ikone gilt: dem ehemaligen Präsidenten der USA, Theodore "Teddy" Roosevelt.Teddy Roosevelt war wie Bruce Wayne ein Sohn aus reichem Hause. Sein Vater war, wie Bruces Vater Thomas Wayne, hochgeachtet und ein großer Wohltäter, der immense Summen aus seinem Vermögen dazu nutzte, soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen und Menschen in Not zu helfen.Als junger Mann suchte Teddy Roosevelt von Schicksalsschlägen und Enttäuschungen zermürbt wie Bruce Wayne eine ganze Weile ein Leben in Einsamkeit. Später kehrte er in seine Heimat zurück und machte als Gerechtigkeitsfanatiker einige Zeit auch nachts Jagd auf Kriminelle.Diese Phase aus Teddys Leben bildet den Ansatz für Nolans Interpretation der Figur. Die beiden Sequels The Dark Knight und The Dark Knight Rises bieten weitere Anknüpfungspunkte zu Roosevelts Biografie.In spektakulären, düster-dreckigen Bildern und mit virtuosem Schnitt, der die Handlung nicht durchgehend linear, sondern zum Teil in drei sich abwechselnden Zeit-Ebenen spielen lässt, sowie einer genialen Filmmusik und edler Ausstattung zeigt er die Millionenstadt Gotham City als postkapitalistische Hölle. Gotham ist ein von Verbrechen und Korruption beherrschter Moloch, in dem die wenigen Aufrechten auf verlorenem Posten stehen. Der Einzige, der wirklich helfen kann, ist jemand wie Batman, da er außerhalb des Systems operiert.Die Action kommt natürlich nicht zu kurz, doch ist sie in der sorgfältig strukturierten, vielschichtigen Story nie Mittel zum Selbstzweck, sondern wird wohldosiert eingesetzt und ist immer auch themen-und charakterbezogen.Die verschachtelte Erzählweise und die Zeitsprünge, die Nolan mit harten Schnitten vollzieht, sind für einen Hollywood-Sommerblockbuster untypisch und fordern vom Publikum ein hohes Maß an Konzentration.Christopher Nolan geht es vor allem darum, eine packende Geschichte zu erzählen. Die Figuren liegen ihm am Herzen und im Zentrum steht immer der Charakter des Bruce Wayne.Alles wirkt in diesem Gotham City so echt wie möglich. Der Bezug zur realen Welt wird, indem die Macher auf digitalen Schnickschnack und Computereffekte so oft wie möglich verzichten, gesteigert.Es geht in Batman Begins auch und vor allem um die zum Teil verheerenden Konsequenzen, die das Handeln eines Einzelnen nicht nur für die Person selbst, sondern auch für die Menschen haben kann, die ihm am nächsten stehen, ein Thema, das sich wie ein roter Faden auch durch die beiden Fortsetzungen zieht. Dass diese Konsequenzen einem kindlichen Akt der Verspieltheit und des Übermuts entspringen, verleiht allem eine besonders tragische Note.Beim Versteckspielen mit seiner besten Freundin Rachel stürzt der kleine Bruce in einen unzureichend gesicherten alten Brunnenschacht. Das Kind wird von einem Schwarm Fledermäuse angegriffen, ein Trauma, das Bruce noch als Erwachsenen verfolgen wird.Dieses Trauma wird den Jungen wenig später veranlassen, seine Eltern zum vorzeitigen Verlassen einer Oper zu überreden. Kurz danach werden die Waynes in der nächtlichen Allee überfallen und ausgeraubt. In einer Kurzschlussreaktion schießt der Räuber Bruces Eltern nieder und entkommt, wird aber wenig später gefasst.Bruce, der sich die Schuld an allem gibt, wird nun praktisch von Alfred Pennyworth (wunderbar: Michael Caine), dem britischen Butler der Waynes großgezogen, vereinsamt aber immer mehr. Auch sein späteres Studium an einer rennomierten Universität ist ihm eher eine Last.Der große Michael Caine spielt den treuen Butler Alfred als warmherzige Vaterfigur und Bruce Waynes moralischen Kompass. Zwar unterstützt er Bruces Kampf gegen das Verbrechen, doch sorgt er sich stets um seinen Ziehsohn, für den er sich eigentlich ein anderes Leben wünscht. Alfred ist gewissermaßen das emotionale Herz der Dark Knight-Trilogie. Er repräsentiert das Publikum, das um Bruce Waynes Wohlergehen bangt, sobald er als Batman wieder in die Schlacht zieht.Rachegedanken beherrschen Bruce bis weit in sein erwachsenes Leben. Eines Tages, viele Jahre nach jener verhängnisvollen Nacht, wohnt er einer gerichtlichen Anhörung bei und hat einen Revolver bei sich, mit dem er den Mörder seiner Eltern, Joe Chill, vor dem Gerichtsgebäude töten will. Jedoch sträubt sich etwas in ihm gegen diese Tat.Als bereits Erwachsener (Christian Bale) kehrt er seiner Heimat für Jahre den Rücken um auf Reisen einen Sinn in seinem Leben zu finden. Er stiehlt sogar, um überleben zu können und landet am anderen Ende der Welt im Gefängnis.Hier begegnet er dem geheimnisvollen Henri Ducard (Liam Neeson), der Mitglieder für seine Geheimorganisation rekrutieren will.Liam Neeson spielt Ducard mit tragischer Noblesse. Der Verlust seiner geliebten Frau verbindet ihn auf emotionaler Ebene mit Bruce Wayne.Ducard gehört der Liga der Schatten an, die es sich unter Führung Ras al Ghuls zur Aufgabe gemacht hat, das Verbrechen in allen seinen Formen zu bekämpfen und auszurotten. Er wird Bruces Mentor und bildet ihn aus.Henri Ducard ist eine Gestalt, die erst recht spät Teil des Batman-Universums wurde. Dass der unsterblich scheinende spätere Erzfeind Batmans namens Ras al Ghul in den Comics in wechselnden Identitäten auftritt, erlaubt den Drehbuchautoren bei Batman Begins, der Story eine ganz spezielle Wendung zu geben.Von der radikalen Agenda der Liga der Schatten sagt sich Bruce jedoch los. Kaltblütiges Töten oder gar Selbstjustiz kommen für ihn nicht in Frage. Er kehrt nach Gotham City zurück, um dort als Symbol etwas zu bewirken wie Ducard es ihm ursprünglich geraten hatte.Bei ihrer letzten Konfrontation hatte Bruce Ducard noch vor einem tödlichen Sturz von einer Klippe bewahrt. Auch dies wird weitreichende Folgen haben...Gotham hat sich während Bruces Abwesenheit sehr verändert. Eine schwere Wirtschaftskrise hat unzählige Menschen in Armut gestürzt oder in die Kriminalität getrieben, viele karitative Projekte sind seit dem Tod von Thomas und Martha Wayne zum Erliegen gekommen, die Firma Wayne Enterprises wird durch eine Riege von Managern treuhänderisch verwaltet.Die Mafia hat die Stadt fest im Griff. Die Korruption reicht bis in höchste Kreise. Besonders die mächtige Falcone-Familie kontrolliert Gotham City.Rachel Dawes (Katie Holmes), Bruce Waynes Jugendfreundin und große Liebe, arbeitet mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. Sie will Anklage gegen Carmine Falcone (Tom Wilkinson) erheben, doch fehlen die entscheidenden Beweise. Der Mafia-Boss macht zudem dubiose Geschäfte mit dem undurchsichtigen, sadistischen Irrenarzt Jonathan Crane (genial fies: Cillian Murphy).Crane treibt in den Comics seit 1941 als Scarecrow sein Unwesen. In Batman Begins bleibt von seiner Verkleidung als Vogelscheuche nur die Gesichtsmaske übrig. Dass Crane es liebt, mit Nervengas und ähnlichen Utensilien Experimente nicht nur an seinen eigenen Patienten durchzuführen, bleibt im Plot des Filmes enthalten.Bruce Wayne wird als Batman zu einem unkorrumpierbaren Symbol. Auf einem seiner nächtlichen Einsätze wird er von einem kleinen Jungen angesprochen. Als Beweis, dass er ihm wirklich begegnet ist, überlässt Batman dem Jungen eines seiner Markenzeichen: ein eisernes Wurfgeschoss in Form einer Fledermaus.Hier begegnet uns erstmals ein Motiv, das im Laufe der drei Filme konsequent immer wieder in die Handlung eingewoben wird: Kinder, die Batman bewundern und deren Glaube an die Aufrichtigkeit seines Handelns unerschütterlich ist.Als Kämpfer im Fledermauskostüm lernt Bruce Wayne gemäß der Psychologie Jungs, sein Kindheitstrauma zu kanalisieren. Eingeweiht in seine Aktivitäten sind zunächst nur Alfred und Lucius Fox (Morgan Freeman), der bei Wayne Enterprises das nötige technische Equipment entwickelt hatte.Fox taucht erst in den 1970er Jahren in den Comics auf. Er ist dort ein hochrangiger Funktionär, der sich vor allem um die Finanzen der Wayne-Foundation kümmert. Die Comics vermitteln den Eindruck, dass Fox möglicherweise weiß, wer Batman wirklich ist, sein Wissen aber für sich behält und Bruce Wayne insgeheim unterstützt.Auch in Nolans Filmen ist Fox, den Morgan Freeman wunderbar lässig und mit einem für ihn typischen Augenzwinkern spielt, höchst integer und diskret. Hier wird kein Zweifel daran gelassen, dass Fox die wahre Identität des Dunklen Ritters kennt.Dessen einziger echter Verbündeter auf Seiten der Polizei wird Sergeant James Gordon (Gary Oldman), jener Mann, der sich in der Mordnacht des kleinen Bruce angenommen hatte. Gordon kennt Batmans wahre Identität nicht und stellt auch keine Fragen.Als er vollständig in die Handlung eingeführt wird, sitzt Gordon in seinem Dienstwagen und sieht angewidert seinem Partner Flass dabei zu, wie dieser an einem Imbiss Schutzgeld für die Mafia eintreibt. In der ersten Einstellung hält die Kamera einfach für einige Sekunden auf Gordons Gesicht. Man sieht einen Mann, der jegliche Illusionen verloren zu haben scheint und der die Arbeit mit Batman als letzte Chance begreift.Es sind Momente wie dieser, die Christopher Nolans Batman-Interpretation so besonders machen. Ein Moment der Stille kann mehr sagen als viele Worte.Gordon nimmt zwar kein Schmiergeld an, verrät aber auch keinen Kollegen an die Dienstaufsicht. Er selbst erklärt dies wie folgt: Diese Stadt ist so kaputt, wen könnte man da noch verpfeifen?Bruce begibt sich auf seinen nächtlichen Streifzügen immer wieder in Lebensgefahr. Rachel, die noch nicht ahnt, wer Batman wirklich ist, gerät auf die Abschussliste der Mafia sowie des wahnsinnigen Crane und kann erst in letzter Sekunde gerettet werden.Die größte Gefahr droht jedoch durch die Liga der Schatten. Ras al Ghul will die Stadt dem Erdboden gleichmachen. Dazu bedient er sich ausgerechnet einer Maschine, die Wayne Enterprises für militärische Zwecke entworfen hatte.Batman kann mit Gordons Hilfe das Schlimmste verhindern. In einer rasenden Hochbahn kommt es zum Endkampf. Bruce gelingt es, Ducard, der sich mittlerweile als der wahre Ras al Ghul zu erkennen gegeben hat, zu überwältigen, er tötet ihn jedoch auch diesmal nicht, rettet ihn aber auch nicht, sondern überläßt ihn seinem Schicksal. Sein einstiger Mentor kommt in dem entgleisenden Zug ums Leben.Der Film endet mi einem genialen Epilog, der durchaus auch als Cliffhanger verstanden werden kann und gewissermaßen eine Überleitung zu The Dark Knight bildet, dessen Handlung ein Jahr später einsetzt.Christopher Nolan liefert hier die wohl bis dahin beste Comicverfilmung überhaupt ab. Seine Inszenierung ist nicht nur unglaublich dicht und kraftvoll, sie steckt auch voller Anklänge an berühmte Vorbilder.Die verregneten Bilder aus den Armenvierteln von Gotham scheinen direkt einer Graphic Novel entsprungen und lassen an Ridley Scotts Science Fiction- Meisterwerk "Blade Runner" denken, und einer der Stars dieses Klassikers, Rutger Hauer, spielt William Earle, einen der Manager von Wayne Enterprises.Überhaupt ist "Blade Runner" für die in Batman Begins vermittelte Atmosphäre wohl die wichtigste cineastische Referenz. Aber auch Anspielungen auf andere Filmklassiker wie Fritz Langs Stummfilm "Metropolis" (1927) sind klar zu erkennen.Batman Begins ist die Charakterstudie eines Suchenden, eines durch den Mord an seinen Eltern traumatisierten Mannes. Auch, wenn man eigentlich keine Comic-Action mag, sollte man diesem faszinierenden Werk eine Chance geben.Der Film bietet erstklassige Unterhaltung und erlaubt dem Zuschauer die Identifikation mit Figuren, die uns etwas zu sagen haben. Eine Kombination, die im von purem Krawall dominierten Hollywood-Kino eine Seltenheit ist.Kameramann Wally Pfister erhielt für seine Arbeit eine Oscar-Nominierung. Und die geniale Filmmusik von Hans Zimmer und James Newton Howard hat neue Standards für Hollywoods Blockbuster gesetzt.Auf Bluray umgesetzt ist der Film durch das gestochen scharfe Bild und den kristallklaren Ton ein besonderes Erlebnis, vor allem auf einem großen Flachbild-Fernseher. Dazu kommen sehenswerte Extras, inklusive einer Parodie auf Batman.Ein ausführliches Making-of beleuchtet alle wesentlichen Aspekte von der Entwicklung des Drehbuchs bis zur Fertigstellung. Nolans Arbeitsweise, die Auswahl der Schauspieler, und die technischen Herausforderungen, vor allem bei den Actionszenen, kommen zur Sprache.Die deutsche Synchronisation ist zwar gelungen, jedoch wirken die starken Dialoge im englischen Original einfach noch besser und eingängiger.Einzig die Altersfreigabe ab 12 Jahren ist viel zu niedrig. Zwar sieht man praktisch kein Blut fließen, doch ist der Film insgesamt extrem düster und bietet zum Teil verstörende Bilder, die wirklich nicht für Kinder geeignet sind.Mit den beiden Nachfolgern "The Dark Knight"(2008) und "The Dark Knight Rises"(2012) hat Nolan dieses Epos mittlerweile zu einer der besten Filmtrilogien aller Zeiten veredelt. Diese dreiteilige Saga wird auf unabsehbare Zeit DAS Referenzwerk für ein ganzes Genre bleiben und genießt schon jetzt zu Recht den Status eines Klassikers. Man sollte die drei Teile unbedingt kompakt und im Zusammenhang sehen, denn die unglaublich zahlreichen Verknüpfungen und Querverweise machen die drei Filme zu einem einzigartigen Kunstwerk!