Aufgrund der vielen negativen Bewertungen habe ich fast ein wenig Angst davor gehabt mit dem fünften Band zu beginnen. Doch meine Sorgen waren nicht berechtigt, so wie es all die negativen Stimmen meiner Meinung nach auch nicht sind. Aber eins nach dem anderen.Viele Schreiben, dass in diesem Band nicht viel passiert ist. Ich bin eher der Meinung, dass nicht viel von dem passiert ist, was man erwartet hat. Die Geschichte ist vielleicht nicht ganz so weit vorangeschritten, wie es hätte sein können, aber dafür ist sie um so mehr "in die Breite gewachsen". Es kamen neue Charaktere hinzu, die aber nicht wahllos irgendwo rangeklatscht werden, sondern sich nahtlos in den bisherigen Verlauf einfügen. Ich habe mir überlegt, warum man das Gefühl hat, dass die Geschichte nicht vorangeht, und ich denke, das liegt größtenteils daran, dass die Geschehnisse im fünften Band zu 2/3 oder so parallel zu denen im vierten Band verlaufen. Es war wie ein Puzzle, welches man zur Hälfte zusammengesetzt hat. Man erkennt schon das Motiv und verliert das Interesse daran, weiterzumachen. Dieses Band schafft es nun, all die Löcher im Puzzle zu flicken. Auch hat man endlich was von all den Menschen gelesen, die im vierten Band nicht vorkamen. Warum finde ich dieses Buch, genau wie die Bände davor, so gut?1) GRRM schafft es wie kaum ein anderer den Leser zu überraschen. Es gab einige Stellen, an denen von einem Satz auf den anderen etwas passierte, wonach ich einfach nur baff war. "What the f..." dachte ich mir nur. Aber so ist SoIaF.2) Die Story ist wirklich GROß! So viele Charaktere, die sich an den unterschiedlichsten Stellen der Welt befinden, und doch hängt alles zusammen.3) Es gibt auch hier kein schwarz und weiß. Die Guten sind nicht unfehlbar, die Bösen nicht nur böse. (da gibt es wohl Ausnahmen)Wenn man sich die Bewertungen so ansieht, dann hätten viele es wohl gern, wenn die Helden mit wehenden Fahnen und am besten noch auf Drachen geritten nach Kings Landing kommen,die bösen Lannisters vertreiben, dann noch einen kurzen Abstecher in den Norden zur Mauer machen und dort die Anderen vertreiben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...DANN hätte man aber gleich in Storm of Swords Schluss machen können, mit einem abgewandelten Ende. Wer sowas lesen möchte, der möge zu Herr der Ringe oder Eragon oder zu 95% aller anderen Fantasy-Bücher greifen. Da weiß man nach dem ersten viertel, wie es ausgehen wird... Und damit komme ich zum nächsten Punkt, warum ich diese Bücher so liebe: Ich habe nun fünf Bände gelesen, und es ist überhaupt nicht klar, wie es nun enden wird. Jedes mal, wenn ich mir überlege, wie es weitergehen könnte, passiert irgendwas tiefgreifendes, das mich all meine Theorien über Bord werfen lässt.Am Ende wurden noch einige Stränge lose gelassen, sodass man sich was für die Fortsetzung erhoffen kann. Ich denke auch die Freunde von Action werden da ausgiebig zum Zuge kommen. Ich freue mich schon auf den nächsten Band!
Wie sein Zwilling "A Feast for Crows" widmet sich auch George R. R. Martins Folgeband "A Dance of Dragons" im wesentlichen einem Aspekt, nämlich dem der Verwandlung seiner Figuren.Während "A Game of Thrones", der erste Teil dieser inzwischen opulent und fesselnd geratenen Saga mit Namen "A Song of Ice and Fire", die Exposition der Sieben Königreiche und ihrer Länder, Häuser und Legenden vornahm und den Grundstein für jenen Konflikt legte, der dann im Band zwei, "A Clash of Kings" seinen kriegerischen Höhepunkt fand, welcher sich nach dem Geschlagenwerden der großen Schlachten als eine Fülle an Mikrokonflikten aktionsreich in den kleineren Scharmützeln von "A Storm of Swords" fortsetzte, zeigten sich viele Fans der Romanreihe ernüchtert von dem doch gemächlicheren Tempo und dem vermeintlich handlungsarmen Geschehen des vierten Bandes, "A Feast for Crows".Wie schon zu diesem Band geschrieben, täuscht hier der erste Eindruck. Es geschieht mitnichten nichts, vielmehr vollzieht sich das, was hier geschieht, nicht im Raum, sondern in den Figuren. Es wird zugegeben viel gereist, aber wie in einem Road Movie ist die Reise hier ein Symbol für eine Verwandlung, für eine Reise zu sich selbst, während sich der lange Sommer in einen grimmen Winter verwandelt. Martins Protagonisten sind im letzten bislang erschienen Band "A Dance with Dragons" noch sehr viel weiter auf der Welt von Westeros und jenseits davon verstreut, und ihre Reisen durch fremde Lande führt sie fort von ihrem alten Selbst und hin zu einer neuen Identität, einer neuen Aufgabe, einer neuen Rolle, die sie sowohl im Leben als auch im Roman zu spielen haben.Vielen wird dieser fünfte Roman allein deswegen besser gefallen als der vierte, weil Tyrion Lannister und Jon Snow, zwei der populärsten und illustresten Figuren der Saga nach ihrem (fast) vollständigen Fehlen in "A Feast for Crows" wieder in zentralen Rollen zu finden sind.Aber in der Tat zeigt sich "A Dance with Dragons" auch erzählerisch umtriebiger. Stärker noch als im vorigen Band wechselt Martin die Perspektiven innerhalb der Erzählung, die etwa Parallel zu den Anfängen des Zwllings beginnen, am Ende aber weit über diesen hinausreichen und im Zuge dessen auch die Figuren des anderen Erzählstrangs wieder einflechten und deren Geschichte weiterspinnen. So erweckt dieses fünfte Buch nicht nur durch den beständigen Wechsel zwischen Westeros und dem fernen Meereen am quasi anderen Ende der Welt, das Umschalten zwischen Norden und Süden, Westen und Osten, einen weit virileren und ereignisreicheren Eindruck, sondern auch dadurch, dass er dem Leser stets zwingt, sein inzwischen erworbenes Wissen über Handlung, Figuren, Zusammenhänge anzuwenden, um sich orientieren zu können.Daenerys Targaryen, Jon Snow und Tyrion Lannister sind die zentralen Figuren des Bandes, flankiert von eine Fülle anderer wie Davos Seaworth, Bran Stark, Theon Greyjoy, Quentin Martell, Barristan Selmy, Arya Stark, Cersei Lannister oder Asha Greyjoy sowie nochmals so vieler sonstiger, die oft nur ein oder zwei Kapitel aus ihrer Perspektive beisteuern. Zugegeben gibt es einige Kapitel und Figuren, deren Notwendigkeit für die Geschichte sich unmittelbar nicht erschließt, was Martin in diesem Fall einen Stern kostet, aber ich hege unvermindert die Hoffnung, dass am Ende all die inzwischen etablierten Erzählstränge zu einem fulminanten Ganzen zusammenlaufen werden.Den Hauptfiguren gemeinsam ist, dass sie mit sich und der Rolle hadern, welche ihnen im Game of Thrones zugedacht ist: Daenerys, die zwischen ihrer Pflicht als Königin von Meereen und ihrer Sehnsucht als junge Frau hin- und hergeworfen ist und die Kontrolle über ihre Kinder, die Drachen zu verlieren droht; Jon Snow, der als Boy Commander der Night Watch, die sich an weltlichen Konflikten nicht beteiligt, zwischen dem selbsternannten König Stannis Baratheon, den Wildlingen jenseits der Wall und den schwindenden eigenen Brüdern der Wache einen mörderischen Spagat wagen muss; Tyrion, der mit einer Fülle von Decknamen im Exil auf allerlei Irrwegen hierhin und dorthin getrieben wird und am Ende trotz aller Verwandlungen sich selbst noch am treusten bleibt; aber auch Theon Greyjoy, der unter der Folter Ramsay Boltons sich in die Kreatur Reek verwandelte, dem die zusehends verblassende Erinnerung an sein früheres Selbst nackte Angst einflößt; auch Arya Stark, die als einzige der Figuren nicht darauf aus zu sein scheint, inmitten verschiedener Rollen ihre Identität zu finden, sondern vielmehr danach trachtet, sie zu verlieren; auch alle übrigen, die in fremde Masken, Rollen, Identitäten gezwungen werden, umgeben von anderen, die ebenfalls an diesem Maskenball teilnehmen und derer man sich so gewiss sein kann wie seiner selbst ... nämlich gar nicht.Eines steht fest: Winter is coming ... und es ist grausam, dass die Veröffentlichung des nächsten Bandes, "The Winds of Winter" noch nicht einmal abzusehen ist.