★★★★★
k.A.
03.07.2026
ean-shopping.de
Eine wunderschöne und atmosphärische Illustration der Geschichte, die die Welt von Neverwhere hervorragend einfängt. Die Darstellung ist sehr gelungen, auch wenn mir ein paar kleinere Details im Druck nicht perfekt gefallen haben.
„Neverwhere“ ist vergleichbar mit der Harry Potter-Serie. Neben dem London, das wir kennen, gibt es noch ein zweites London, das bei Rowling von Zauberern und bei Gaiman von Ausgestoßenen und Aussteigern bevölkert wird. Gaimans Erklärung dafür, weshalb wir von diesem London Below nichts mitbekommen, ist ebenso simpel wie einleuchtend: Wir haben uns angewöhnt, wegzuschauen. Kommt man dann zufällig doch mit London Below in Berührung, wie es im Roman Richard Mayhew passiert, wird man Teil dieser Parallelwelt und für London Above unsichtbar. Nun ja, nicht ganz unsichtbar, Richards Bekannte nehmen ihn noch am Rande ihres Bewusstseins wahr, aber eben nicht mehr als sie die anderen Außenseiter der Gesellschaft wahrnehmen, seien es Obdachlose oder „Verrückte“.Wie Rowling gelingt es auch Gaiman in „Neverwhere“, Fantasy und Wirklichkeit glaubhaft und stimmig miteinander zu vermischen. Die fabelhaften Abenteuer, die Richard Mayhew in London Below erlebt, stehen nicht für sich, sondern sind Teil eines Reifeprozesses, an dessen Ende Richard sich zwischen einem gefährlichen Leben als Außenseiter und einer Rückkehr in die Normalität entscheiden muss.„Neverwhere“ wimmelt nur so von skurrilen Figuren und außergewöhnlichen Schauplätzen, etwa dem Hof eines Grafen in einem U-Bahn-Wagen oder einem Unterwelt-Markt im Nobel-Kaufhaus Harrods. Und doch sind die Szenen, in denen der verträumte Richard weitgehend erfolglos versucht, sein Leben in London Above auf die Reihe zu bekommen, die spannendsten des Romans. Richards Beziehung zu seiner herrischen Verlobten Jessica ist um einiges interessanter als seine Suche nach einem rätselhaften Schlüssel für den Engel Islington in London Below. Die nimmt zwar drei Viertel des Romans ein, ist aber bei allem Einfallsreichtum nichts weiter als eine etwas zusammenhanglose Aneinanderreihung von Einzelabenteuern. Der rote Faden ist da, aber er ist sehr dünn und man verliert ihn beim Lesen leicht aus den Augen.Eine abgedrehte Parallelwelt, bizarre Figuren und viel Witz können nicht dafür entschädigen, dass Gaimans literarisches Talent sich in diesem Roman vor allem in London Above, also dem London, das wir kennen, entfaltet. Die eigentliche Fantasy-Handlung ist etwas spannungsarm geraten. Dass sie trotzdem halbwegs funktioniert, liegt an den außergewöhnlichen Figuren. Alles andere als ein schlechtes Buch, aber eben auch nicht das Meisterwerk, als das es gepriesen wird.