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Hans-Peter Kroll H- P Kr.
25.06.2023
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Der Text entspricht dem des Katechismus von 1993. Der Katechismus 1993 wurde von dem konservativen Papst Johannes Paul II. promulgiert (zur Veröffentlichung genehmigt) und von Kardinälen unter Vorsitz des ebenso konservativen Josef Ratzinger (später Papst Benedikt XVI.) erarbeitet. Neu ist, dass die Überarbeitung unter Papst Franziskus nunmehr die Todesstrafe ablehnt. Die Begründung ist hanebüchen und offenbart, dass die katholischen Amtskirche nach eigenem Selbstverständnis niemals irrt. Papst- und Kirchengeschichte lehren etwas anderes. Schon die Konvention der Menschenrechte und das Grundgesetz von 1949 verbieten die Todesstrafe. Was aber viel schwerwiegender ist, dass nach den Evangelien, also dem "Grundgesetz" des Christentums, Jesus radikal jegliche Gewaltanwendung, also auch die Todesstrafe, verbietet (Nächstenliebe, Feindesliebe und Ächtung des Waffengebrauchs). Das wird mit keinem Wort erwähnt.Der Katechismus umfasst 824 Seiten. Er ist in drei Teile gegliedert, die wiederum in Kapitel, Artikel und Absätze untergliedert sind. Der Text ist in einer theologisch abgehobenen Sprache verfasst und besteht aus einem Sammelsurium von Zitaten aus der Bibel, Gedankengut einiger Kirchenväter, Heiligen und Enzykliken der Päpste usw., so dass Zweifel aufkommen, ob die Mehrheit der Katholiken ihn versteht.Angesichts des Umfangs des Katechismus soll nur auf einige Themen eingegangen werden. Zu Beginn wird auf die göttliche Offenbarung im Alten Testament und deren Weitergabe an die Menschen durch die Kirche verwiesen (S. 53 ff.). Die Bibelforschung kommt längst zu dem Ergebnis, dass das Alte Testament, entstanden etwa um 900 bis 200 vor Chr., ein religiöser Mythos ist und Abraham, Noach, Moses und andere Protagonisten historisch nicht nachzuweisen sind (vgl. z. B. Michael Brenner, Kleine jüdische Geschichte, 2. Auflg., München 2019; Walter Dietrich (Hrsg.), Die Welt der Hebräischen Bibel, Stuttgart 2017; Israel Finkelstein, Neil A. Silbermann, Keine Posaunen vor Jericho, 5. Auflg., München 2003; Gerd Lüdemann, Altes Testament und christliche Kirche, Versuch der Aufklärung, Springe 2006). Der Katechismus behandelt die Personen und Ereignisse als Tatsachen. Auch wird die Kirche, gemeint ist das katholische Lehramt (S. 61), als Bewahrerin der authentischen göttlichen Offenbarung dargestellt. Das steht in Widerspruch zur Kirchen- und Papstgeschichte (vgl. Norbert Brox, Kirchengeschichte des Altertums, 3. Auflg., Düsseldorf 2006; Bernd Kollmann, Das Neue Testament, Stuttgart 2014; Rudolf Lill, Die Macht der Päpste, Kevelaer 2011). Dass die Apostel Bischöfe zurückgelassen haben, denen sie ihr eigenes Lehramt übergaben (S. 59), ist falsch. "Bischöfe" wurden bis Ende des 5. Jahrhunderts gewählt, überwiegend von der Gemeinde (Gerhard Hartmann, Wählt die Bischöfe, Kevelaer 2010, S. 13 ff.; Hubert Wolf, Krypta, München 2015, S. 34 ff.). Die vom heiligen Geist inspirierte Heilige Schrift (Bibel), die Tradition und Dogmen werden als Grundlagen des Glaubens herausgestellt und als bedingungslos zu glauben (S. 60 ff.). Dass die Bibel zum Teil in sich widersprüchlich ist und historisch falsche Fakten enthält, kirchliche Tradition entsprechend den gesellschaftlichen Verhältnissen häufig angepasst wurde und manche Dogmen mit der Bibel und den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht in Einklang zu bringen sind (vgl. u. a. Stefan Alkier, Neues Testament, Tübingen 2010, S. 283 ff.; Klaus Dorn, Das Neue Testament, Paderborn2016, S. 16 ff.; Gerd Lüdemann, Das Jesusbild des Papstes, 2. Auflg., Springe 2007, Jungfrauengeburt, Springe 2008; Michael Seewald, Dogma im Wandel, Freiburg/Breisgau 2018, S. 294 f.) wird nicht erwähnt. Die Ausführungen zur Auslegung der Bibel (S. 64 ff.) entziehen sich jeder rationalen erst recht wissenschaftlichen Maßstäben genügender Überprüfung.Der bedingungslose Glaubensgehorsam durchzieht den gesamten Katechismus und kommt insbesondere im Absatz über die Kirchenhierarchie deutlich zum Ausdruck (S. 258 ff.). Danach gibt es in der katholischen Kirche eine Dreiklassengesellschaft: Kleriker, Ordensangehörige und Laien. An der Spitze der Kleriker steht der römische Bischof, der Papst, mit absolutistischer Herrschaftsgewalt (Jurisdiktionsprimat sowie Unfehlbarkeit in Glaubens- und Sittenfragen). Die zum Gehorsam verpflichteten Laien gliedern sich in Männer und Frauen. Die Männer können immerhin in die Klasse der Kleriker aufsteigen. Das ist den Frauen verwehrt. Im untersten Bereich dieser Hierarchie stehen die gleichgeschlechtlichen Frauen und Männer (S. 596). Diese Qualifizierung ignoriert elementare Menschenrechte (z. B. Gleichberechtigung von Frauen und Männern, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung). Der geforderte absolute Glaubensgehorsam lässt keinen Spielraum für eine der Kirche angemessene Mitgestaltung der Laien zu, wie sie zum Teil in anderen christlichen Kirchen im Sinne des Evangeliums und der Urkirche praktiziert wird (vgl. auch Daniel Bogner, Ihr macht und die Kirche kaputt ... , Freiburg/Breisgau 2019). in diesem Zusammenhang stellt sich die immer wieder diskutierte Frage nach dem Zölibat der Kleriker, der, obwohl kein Dogma doch wie ein solches behandelt wird. Ab Priester aufwärts ist er verpflichtend, allerdings mit Ausnahmen (S. 426). Der Zölibat lässt sich weder historisch noch theologisch begründen (z. B. Hubert Wolf, Zölibat, München 2019; Ute Ranke-Heinemann, Eunuchen für das Himmelreich, 4. Auflg., Hamburg 2003).Schließlich soll auf ein den christlichen Kirchen gemeinsames Sakrament eingegangen werden, nämlich die Taufe, durch die man Mitglied einer christlichen Gemeinschaft wird. Nach dem Katechismus wird der Mensch durch die Taufe von der Erbsünde und dem Teufel befreit. Über den Täufling wird ein Exorzismus ausgesprochen (S. 447 f.). Man versetze sich in die Gefühlslage katholischer Eltern, denen ein Kleriker zur alsbaldigen Taufe des neugeborenen Kindes rät mit dem Hinweis, es sei mit einer Erbsünde behaftet und vom Teufel besessen; im Falle seines Todes vor der Taufe befinde es sich allerdings auf einem, wie auch immer beschaffenen Heilsweg (S. 351). Das ist immerhin ein Fortschritt. Der Kirchenvater Augustinus (354 bis 430), "Erfinder" der Erbsünde, war rigoroser. Ungetaufte Kinder kamen in die Hölle (Uta Ranke-Heinemann aaO., S. 119). Der Große Exorzismus in der Tradition der Teufelsaustreibung durch Jesus wird in der katholischen Kirche noch immer anerkannt und praktiziert (S. 448). Ein Schelm (Häretiker), wer Böses dabei denkt (z. B. Aberglaube). Die von Augustinus durch Bestechung durchgesetzte, heidnisch (manichäisch) beeinflusste Lehre von der Erbsünde (vgl. Elaine Pagels, Adam, Eva und die Sünde, Die Theologie der Sünde, Reinbek 1991, S. 209 ff., 227, 265 f.; Uta Ranke-Heinemann aaO., S. 119 ff., 124), die erst 1546 Dogma wurde, entspricht nicht wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach denen die Abstammung der Menschheit von einem Menschenpaar unwahrscheinlich ist. Abgesehen davon waren Jesus, seine Eltern, seine Anhänger und die ersten Christen Juden. Das Judentum kannte und kennt keine Erbsünde (Andreas Brämer, Judentum, 2. Auflg., München 2015, S. 44). Es handelt sich um eine spezifisch christliche Glaubenslehre, die im Katechismus festgeschrieben wird (S. 133 ff.; kritisch: Herbert Haag, Biblische Schöpfungslehre und kirchliche Erbsündenlehre, Stuttgarter Bibelstudien Bd. 10, 2. Auflg., Stuttgart 1966).Abschließend soll auf den in der katholischen Kirche praktizierten, zum Teil exzessiven Marienkult eingegangen werden, der unter anderem von den Päpsten Pius XII. und Johannes Paul II. intensiv gefördert wurde. Der Katechismus hebt die besondere Bedeutung Marias als Gottesgebärerin hervor (S. 154 ff.). Ausgehend von den Evangelien nach Lukas (Lk 1, 35) und Matthäus (Mt. 1, 20) gebietet die katholische Lehre per Dogma den Glauben an die Jungfräulichkeit Marias vor, während und nach der Geburt (S. 158) trotz gegenteiliger Aussagen in den Evangelien und der Apostelgeschichte, die von Brüdern und Schwestern Jesu verkünden (S. 158). Diese eigenwillige Auslegung wird von der evangelischen Kirche nur eingeschränkt geteilt , die zwar die Jungfrauengeburt Jesu akzeptiert, aber ebenso die Brüder und Schwestern (Kollmann, aaO., S.110 f.; ganz ablehnend: Lüdemann aaO., Jungfrauengeburt?; Ute Ranke-Heinemann, Nein und Amen, 10 Auflg., Hamburg 2014, S. 50 ff.). Aber da die katholische Kirche von Gott gegründet wurde (S. 242 ff., 244), ist die Auslegung der Evangelien durch ihr Lehramt allein maßgeblich (S. 61). Im Laufe der Zeit hat der Marienkult in der katholischen Kirche teilweise irrationale Züge angenommen bis hin zu Bestrebungen, Maria neben Gott, Jesus und dem heiligen Geist als Göttin zu verehren (vgl. Klaus Schreiner, Maria, München 2003, S. 122).Fazit: Der katholische Katechismus ist kaum geeignet, die frohe Botschaft der Evangelien zu vermitteln. Gleichwohl ist seine Lektüre, wie einige Rezensenten anmerken, ein Muss, schon allein um zu erkennen, wie die hoffnungsvollen Ansätze des 2. Vatikanischen Konzils durch ein reaktionäres Lehramt zunichte gemacht wurden. Positiv ist allerdings, dass der Katechismus einen guten Überblick über die durch Dogmen und Kirchenrecht geprägte, erzkonservative amtliche Glaubenslehre bietet.H.-P. Kroll