★★★★★
k.A.
20.07.2026
ean-shopping.de
Ein absolut faszinierendes und packendes Buch, das mich von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Die Geschichte von Rainer ist unglaublich spannend und sehr bewegend.
Doris Dörrie - das bodenständige Multitalent, die phantasievolle, sehr einfühlsame Realistin - ist für mich nicht nur eine großartige Regisseurin und Drehbuchautorin, sondern sie schreibt auch wunderbare Bücher.Wie zum Beispiel diese Story.Obwohl ich keine Opern mag, und hier die Rigoletto-Vorlage etwas überstrapaziert wird, hat mir dieser Roman am besten von allen - die ich nacheinander verschlang - gefallen.Ich habe mich auf die anderen Themen und Schwerpunkte konzentriert.Zum Beispiel auf die skurrilen Szenen, die wohl wirklich nur in Hollywood auch ohne Drehbuch allerorten Tag und Nacht aufgeführt werden.Am meisten auf die von Dörrie offenbarte Gefühlswelt der Romanfiguren und auf die Dialoge zwischen ihnen, die mit echter Kommunikation so gut wie nie etwas zu tun haben.War begeistert davon, wie Dörrie es meistert, den meist gewaltigen Widerspruch nachfühlbar aufzuzeigen zwischen dem Innenleben ihrer Protagonisten- das von Narzissmus, Ängsten und Selbstzweifeln, dem stetigen Hin und Her zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplexen, Hochgefühlen und Depression dominiert ist, durch Drogen bedingt und mit Drogen bekämpft - und der Fassade, die sie nach Außen mühsam aufrecht erhalten und hoffen und beten, dass sie keine zu erkennbaren Risse hat.Rainer hat seine 15-jährige Tochter Allegra narzisstisch besetzt, weil er sonst nicht weiß, woran er sich klammern und womit er sich von sich selbst ablenken, seiner fragwürdigen und perspektivlosen Existenz einen Sinn geben soll.Er lässt sich Botox spritzen und nimmt Drogen, um wenigstens noch selbstbewusst und vor allen Dingen unbesorgt zu wirken; denn wo Sorgenfalten und schlechte Laune sichtbar sind, ist Misserfolg sichtbar, und wo Misserfolg vorliegt, wird der Erfolg nicht landen. So seine Erfahrungen und seine Devise.Die Tochter findet ihn nur armselig und ihr lästig. Sie erkennt, dass er die Vaterrolle nicht wirklich bedient und fühlt sich mit ihren noch kindlichen Bedürfnissen total allein gelassen.Ist genervt, angewidert, leer und versucht, sich mit Spielchen durch den Tag zu bringen.In dem Roman zieht jeder eine Show ab, und ist innerlich doch meist nur mit Einsamkeitsgefühlen und mit der bangen und depressiven Frage : "Und was wird aus mir" beschäftigt.Zurecht, denn sie haben alle keine solide Mitte und schon gar kein realistisches Lebenskonzept, sondern jagen alle nach äußeren Schimären.Hollywood als Schauplatz passt natürlich wunderbar zu diesem menschlichen Thema, auch wenn sich dieses in der heutigen Zeit nicht nur dort abspielt, und gewiss auch nicht nur in Amerika, sondern z.B. zunehmend auch in Deutschland.Als Szene ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wie Rainer auf einer Party einmal die Gelegenheit erhält, ein deutsches Lied vorzutragen; das mit dem Refrain Fiderallala, Fiderallala. Fideralla-ralla-la, in das er sich bis zum Umfallen reinsteigert und den Refrain singt "bis der Arzt kommt" , weil er damit endlich mal wieder unverhofft im Mittelpunkt steht und nicht bemerkt, dass er eher der allgemeinen Belustigung dient, statt objektiv gesehen ein paar Wonneminuten des Ruhmes und der Ehre zu erleben.Denn was er als Medizin gegen seine Frage, was aus ihm als abgehalftertem Ex-Regisseur nur noch werden soll, am effektivsten einsetzen kann, ist nur das Scheinwerferlicht.Arme Socken, quer durch die Landschaft Hollywoods, besonders die Deutschen dort, denen die Gnade der Oberflächlichkeit noch nicht so gegeben ist wie den Amis, was Dörrie meisterhaft vorzuführen versteht, und nach meiner Lesart auch besonders DAS aufzeigen will mit diesem Roman.
Dieses Buch ist ja ganz gut und humorvoll geschrieben, wie es von Doris Dörrie eben zu erwarten ist. Besonders der Anfang ist gut, allerding wird es dann doch etwas langatmig und für mich auch unglaubwürdig. Die Figuren kann ich dann nicht mehr so ganz gut nachvollziehen, weil ich solche außergewöhnlichen Typen" in meinem persönlichen Bekanntenkreis nicht kenne. Auch die Art und Weise, wie sich der Schreibstil in der zweiten Hälfte ändert, hat mir nicht mehr so gut gefallen. Ich habe das Buch eigentlich nur zu Ende gelesen, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht. Als leichte Urlaubslektüre lesbar, aber als Roman von Doris Dörrie gehört Was wird aus mir" eher nicht zu ihren Besten.