Die fiktiven Lebensentwürfe einer Handvoll Menschen mit tatsächlichen Ereignissen zu verbinden, bietet eine gute Möglichkeit geschichtliches Wissen ein wenig zu wiederholen oder neu zu erfahren, ohne dass es einen an ermüdenden Schulunterricht erinnert.Ich vertraue beim Lesen und Erfahren allerdings sehr darauf, dass Ken Follett gewissenhaft recherchiert hat und die erfundenen Teile seines Romans nicht die tatsächlich geschehenen verfälschen.Sinnvoll ist es, nebenbei in Google sich über Zeitabschnitte zu informieren, die man historisch nicht mehr parat hat, das macht das Lesen umso interessanter.Natürlich dauert es dann wesentlich länger, bis man den Roman durch hat, aber man ist um eine Menge Wissen reicher, das man leicht zu aktuellen Geschehnissen in Bezug setzen kann.Wie immer nimmt Follett einen bestimmten zeitlichen Abschnitt der Weltgeschichte, pickt sich entscheidende Ereignisse heraus, die er in seinem Roman erwähnen will und erfindet dann die Lebensgeschichten von ein Dutzend Menschen drumherum.Diese kann er nach Belieben agieren, leben oder sterben lassen - es muss ein gutes Gefühl sein, wenn man rund um belegte Historie, die man nicht verändern darf, ein wenig künstlerische Freiheiten hat.Diese wirken dann allerdings manchmal ein wenig aufgesetzt, die Guten überleben, die Bösen sterben, Menschen treffen im rechten Augenblick aufeinander, was im echten Leben wahrscheinlich so nie passieren würde - aber gut, dafür ist es ein Unterhaltungsroman und kein literarisches Jahrhundertwerk.Follett verzichtet diesmal darauf, zu lange und tiefgehend über einzelne Kriegs-Schlachten zu berichten. Im zweiten Teil der Trilogie verwendet er dafür sehr viele Seiten darauf, die politischen Hintergründe, Gespräche und Besprechungen wichtiger Persönlichkeiten, die Ideologien der einzelnen Staatsregierungen und deren Ziele und das diplomatische Gezerre zu beleuchten.Wer sich dafür nicht interessiert, braucht zum Lesen einen langen Atem - oder muss diese Seiten auslassen, denn die erfundenen Figuren kommen dann zum Teil gar nicht vor, sondern dienen nur als Einleitung für einen langen Abschnitt vergangener Realität oder zur Überleitung in einen nächsten.Erfreulich ist, dass Follett auch "loslassen" kann und den Leser dadurch nicht zu sehr ermüdet.Selbst sehr wichtige historische Begebenheiten werden dann als "passiert" in der Vergangenheit dargestellt, so dass man zügig in der Zeitengeschichte voran kommt.Bei all dem bleibt die Spannung und die Empathie für die Protagonisten in keinem Fall auf der Strecke und wer historische Romane mag, der ist hier genau richtig.Der Leser wird gut informiert und gut unterhalten, so muss es sein und daher gebe ich hier 5 Sterne.
Vorgeplänkel●●●●●●●●●● ALLGEMEINE INFORMATIONEN ●●●●●●●●●●Titel: Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga, Band 2)Originaltitel: Winter of the WorldAutor: Ken FollettVerlag: Bastei LübbeFormat: Gebundene AusgabeLand / Jahr: Großbritannien / 2012Genre: Historischer RomanSeiten: 1022●●●●●●●●●● DER KAUF ●●●●●●●●●●Ich hatte mir »Winter der Welt« am 21. Januar 2016 bei Amazon gekauft.●●●●●●●●●● DIE AUFMACHUNG ●●●●●●●●●●Wie auch bereits zuvor der erste Band, ist »Winter der Welt« als zweiter Teil der Jahrhundert-Saga sehr schön aufgemacht. Die gebundene Ausgabe steckt in einem ansprechenden Schutzumschlag und verfügt zudem über ein goldfarbenes Lesebändchen, das den band sehr edel wirken lässt.●●●●●●●●●● DER AUTOR ●●●●●●●●●●Der 1949 in Cardiff, Wales, geborene Ken Follett zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Welt und hat sich mit Romanen wie »Die Nadel« (1978) und »Die Säulen der Erde« (1990) einen Namen gemacht. Im Jahr 2010 erschien schließlich sein Roman »Sturz der Titanen«, der den Auftakt zu seiner »Jahrhundertsaga« bildet. Der dritte Band – Kinder der Freiheit – erschien 2014.●●●●●●●●●● MEINE MEINUNG ZUM BUCH ●●●●●●●●●●»Winter der Welt« führt die Trilogie munter fort und schildert weiterhin die Schicksale mehrerer Familien aus den USA, England, Russland, Deutschland und Österreich, die man bereits in Band 1 kennenlernen durfte.Der Tradition von Band 1 folgend, verbindet Ken Follett in »Winter der Welt« geschichtliche Fakten mit fiktiven Ereignissen, was einem das Lesen durchaus zu einer Art Geschichtsunterricht macht. Alles beginnt mit der Machtergreifung der Nazis unter Adolf Hitler und endet schließlich mit dem Marshallplan und der Berliner Luftbrücke.Sehr anschaulich beschreibt Ken Follett hierbei die Geschehnisse jeweils aus dem Blickwinkel der jeweiligen Familien, die durch Band 1 mehr und mehr miteinander verbunden sind. So erfährt man noch einmal, zu welchen Gräueltaten die selbsternannten Herrenmenschen fähig waren, wie leicht sich die Deutschen durch die Nazis und Hitler hatten verführen lassen und was daher auch der Grund für den beinah schon blinden Gehorsam gewesen sein dürfte.Dennoch triftet Follett dazu hinab, munter auf die Deutschen einzuprügeln. Vielmehr verdeutlicht er in seinem Werk auch den Widerstand, der sich immer wieder gegen die Nazis erhoben hat, und wie brutal dieser zumeist bereits im Keim erstickt worden ist.Doch »Winter der Welt« beschränkt sich nicht bloß auf den Krieg gegen das Dritte Reich und Adolf Hitler, der Roman behandelt nahezu alle wichtigen Punkte des Zweiten Weltkriegs. So finden sich einige der Protagonisten in Pearl Harbor wieder, als dieses durch die Japaner angegriffen wird. Andere hingegen sind beim Manhattan Project dabei, und Ken Follett hat sogar seine eigene Theorie, weshalb die später erbaute russische Atombombe so viel Ähnlichkeit mit der zweiten US-Atombombe hat.Wie gesagt, Follett versteht es erstklassig, historische Fakten mit Fiktionen zu verbinden und dadurch einen äußerst spannenden und zugleich aufschlussreichen Historischen Roman zu schaffen, der kaum etwas Nennenswertes auslässt. So werden auch die Gräueltaten der Siegermächte gegenüber den Deutschen beschrieben – beispielsweise die zahlreichen Vergewaltigungen von Frauen durch die Rote Armee, wobei in einem Nebensatz nicht unerwähnt bleibt, dass auch die Alliierten des Westens – USA, Kanada, England und Frankreich – Kriegsverbrechen verübt haben werden.Man sollte sich durch den Umfang des Buches mit seinen 1022 Seiten nicht abschrecken lassen. Die Geschichte um den Zweiten Weltkrieg herum, mit all ihren Facetten und Ereignissen, ist nun einmal schwerlich in wenigen Seiten zusammengefasst. Dadurch, dass Follett auf so viele verschiedene Charaktere zurückgreift und deren Schicksale beleuchtet, kommt keinesfalls Langeweile auf. Ganz im Gegenteil, man fiebert förmlich mit und ist stellenweise schockiert, welche möglicherweise teils nicht einmal bekannten Fakten geschildert werden, die man im Internet bequem nachlesen kann.In meinen Augen ist »Winter der Welt« ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes und eine Empfehlung für jeden wert, der sich für historische Romane der jüngeren Geschichte interessiert.●●●●●●●●●● MEIN FAZIT ●●●●●●●●●●Mit »Winter der Welt« setzt Ken Follett seine Jahrhundert-Sage würdevoll fort.