★★★★★
k.A.
14.05.2026
ean-shopping.de
Ein sehr interessantes und charmantes Buch über die Kießlings und die Gezeiten, das gut lesbar ist. Allerdings finde ich die Darstellung der historischen Hintergründe etwas zu dicht für einen schnellen Lesefluss.
Wunderbar, endlich mal wieder eine Geschichte, die am Meer spielt, darauf habe ich mich gefreut. Ein solches Setting hat meistens eine ganz eigene Atmosphäre, und genau diese wurde hier auch gut eingefangen. Juist als Handlungsort, das hat mir gut gefallen. Die Familiengeschichte hat mich allerdings weniger angesprochen. Zunächst: Ich wurde mit den meisten Protagonistinnen absolut nicht warm. Die Damen wirken so hölzern und gestelzt, dass es schwer war, einen Zugang zu ihnen zu bekommen. Dann spielt die Geschichte auf drei Zeitebenen - das merkt man aber nur, wenn man die Kapitelüberschriften liest - kein unterschiedlicher Schreibstil, nichts, was darauf hinweist, dass ganze Generationen zwischen den Handlungssträngen liegen. Der Schreibstil erinnerte mich über weite Teile eher an ein Sachbuch denn an eine Erzählung, und ich habe manche Seiten nur überflogen, bis es denn endlich wieder Dialoge gab. Und dann wundert man sich. In dieser Familie redet niemand mit niemandem, und auch, dass Johanne sich plötzlich dazu entschließt, ihre Geschichte zu erzählen, kommt aus heiterem Himmel, und man fragt sich unweigerlich, was sie nun antreibt. Die Töchter sind zwar so angelegt, dass sie distanziert sind, aber trotzdem fließen die Informationen spärlich, und das entwickelt sich in der Geschichte auch nicht wirklich weiter. Erschwert wird das Ganze durch ein nicht so gutes Lektorat - manche Satzaufbauten und Bezugsfehler sind störend. Und wie andere schon anmerkten: es werden eine Menge Klischees in derselben Familie angesiedelt - so wird fast in jeder Generation eine der Damen ungewollt schwanger. An manchen stellen gewinnt die Erzählung dann an Tempo, und man möchte auch die Zusammenhänge kennen, so dass man weiterliest, und die Einbindung von Juist ist, gerade wenn man die Insel kennt, sehr gelungen. Dennoch bleibt ein durchwachsener Eindruck zurück. Und bitte, lieber Verlag, berücksichtigt bei de nächsten Auflage den Unterschied zwischen soweit und so weit. Und mögen ist nicht dasselbe wie möchten, auch wenn das umgangssprachlich immer wieder über den Haufen geworfen wird. Aber bitte nicht in einem Druckwerk.
Gefallen hat mir die Beschreibung von Juist und dem Menschenschlag, der dort lebt. Die Geschichte jedoch wirkte auf mich, als ob sie durch den Fleischwolf gedreht und dann dem Leser serviert worden wäre. Zu viele lose Enden in zu häufig wechselnden Zeiten, mit vielen Personen. Als Leser versuchte ich nun das dreiviertelte Buch lang einen roten Faden zu finden, an dem ich mich hätte entlang hanteln können, was mir nicht gelang. Das machte das lesen mühsam und dadurch wollte auch keine rechte Spannung aufkommen. Das änderten auch nicht die nebulös eingestreuten Andeutungen. Die Idee jedoch, Helen ihre Familie kennenlernen zu lassen, indem sie nach ihrer Herkunft forscht, fand ich sehr gut. Im letzten Viertel des Romans entwirren sich nun die Fäden. Große Überraschungen gab es meiner Meinung nach aber nicht. Man hätte das ganze zugunsten der Spannung etwas weniger kompliziert gestalten können.Die Protagonisten waren gut beschrieben. Von Schwarz-Weiß-Malerei hat die Autorin abgesehen.Alles in allem, wenn man Geduld aufbringt, gute Unterhaltung.