Dieses Buch verlangt von seinem Leser über rund 800 Textseiten ständige Konzentration- und erfordert viel Zeit!Die zirka 40‘000 Jahre der Geschichte des Homo sapiens nach seiner Ankunft am Mittelmeer sind zentraler Inhalt des Textes, darum herum wird detailliert die Naturgeschichte der Region als Grundlage der entstehenden Zivilisationen beschrieben. Das Werk kommt zu seinem Abschluss mit der Beschreibung des geldbasierten Handels im gesamten mediterranen Raum und den Anfängen des Römischen Imperiums in den Jahrhunderten vor Christi Geburt.Die Sprache des Autors ist gut lesbar, mehr noch- die verwendeten Sprachbilder überzeugen, alles wird überstrahlt vom stupenden Fachwissen des Verfassers...Schädel-Fragment? Geborgen aus einem im Mittelmeer untergegangen Schiff des 3ten Jahrtausends v.Chr., überlegt Prof. Broodbank, dass diese Schädelhälfte samt Schiff mit seiner unglücklichen Besatzung nur zwischen der Levante und Oberägypten unterwegs sein konnte, weiter reichte das Verbreitungsgebiet der Hausmaus damals nicht..
In großer Sprache und schönen Bildern beschreibt Cyprian Broodbank die Welt des Mittelmeers von den Anfängen der Menschheit bis zum Beginn der griechischen Kultur. Er sprengt dabei den traditionellen historischen Rahmen und interessiert sich für alles bisher Nicht Gesagte. Das beginnt bei der geologischen Einzigartigkeit dieses großen Binnenmeers. Es ist das einzige, das in der fruchtbaren mediterranen Zone liegt und von großen Kulturen eingerahmt wurde. Alle anderen Binnenmeeren liegen in Randzonen, die ohne kulturelle Bedeutung blieben. Es ist so reich gegliedert, das es eine Vielfalt an Ökosystemen und evolutionären Herausforderungen mit sich brachte. Dabei war es fast 2 Millionen Jahre lang für die Urmenschen eine unüberwindliche Barriere, die den Homo heidelbergensis in 2 Arten aufspaltete (Neandertaler und Homo sapiens). Besonders die Eiszeit MIS4(71000 bis 58000) und MIS3(58000 bis 24000) führten zu wechselnden Landschaften und Tierarten ) Erst mit der Erfindung von Einbäumen (wahrscheinlich schon von Neandertalern) und Schifffahrt änderte sich dies und es wurde zur schnellsten Verbindungsmöglichkeit zwischen allen Küsten. Damit begann der Aufschwung der Kulturen.Ab 45000 stieß Homo sapiens nach Mitteleuropa vor, die Neandertaler zogen sich auf die Halbinseln Südeuropas zurück. Während MIS2(21.000 bis 18.000) erfanden die Menschen Kleidung aus Leder und Schuhe, um sich an die Kälte anzupassen. Damals kam es auch zu ersten Seefahrten nach Korsardinien, um dem eisigen Klima zu entfliehen. Um 10.000 gab es gezielte Seefahrten nach Zypern (Zwergflusspferde) und Melos (Obsidian), was von gestiegenen nautischen Kenntnissen zeugt.Um 9600 entstehen in der Levante Ackerbau und Viehzucht. Die Bevölkerung vervielfacht sich, die Menschen sind aber kleiner und kränker. Die Sahara wird grün, der Tschadsee und der Fezzansee in Libyen werden riesig, die Menschen leben von Vieh und Jagd. Bis 5000 breitet sich das Ackerbau-Neolithikum bis nach Westeuropa aus. Im Süden bildet das Nildelta eine Barriere, wo sich Fischer und Papyrusflechter halten, erst um 4000 erobert der Ackerbau das Niltal.Um 5000 werden in der Sahara Kühe gemolken, die Rinderzüchterkultur breitet sich von Ost nach West aus, die Sprachen sind mit dem Semitisch verwandt. Ab 4000 wird die Sahara wieder Wüste, zuerst im Osten, bis 3000 auch im Westen, die Viehzüchter weichen nach Süden und Norden aus, im Süden wandern sie bis in die KapprovinzAb 5000 werden Ochsen als Zugtiere vor Schlitten gespannt, evtl auch vor Pflüge, ab 4500 werden Kupfer, Gold und Silber abgebaut und zunächst vor allem zu Schmuck gegossen, in Bulgarien, in Palästina, in Kilikien und Südspanien. Obsidian und Metalle führen zu frühen Handelsnetzen, meist über Land, im westlichen Mittelmeer, in Griechenland und in der Levante.Ab 3500 werden rund um das Schwarze Meer Pferde domestiziert, als Zug- und Reittiere.Bronze entstand um 2900 als Nachahmung von Silber durch Beimischung von Arsen, von Gold durch Beimischung von Zinn. Ebenso ahmten Fayencen Lapislazuli nach, der nur durch Fernhandel aus Afghanistan zu bekommen war. Das Pharaonenreich bestand aus 1,5 Mill E und entwickelte Fernhandel in den Sudan (Gold), nach Punt (Exotica) und in den Libanon (Zedern). Die Elite trank Wein, das Volk Bier, Instrumente schmeichelten dem Ohr, Gewürze der Nase und Schminksachen dem Auge. In Mesopotamien entwickelte sich aus der Obeid-Kultur von 3600 bis 3100 die Uruk-Kultur. Uruk war die erste Stadt der Erde, seine Produkte strahlten ins gesamte Mesopotamien aus.In Ägypten wurde der Transport durch den Lastesel und die Erfindung des Segels verbessert. Die Levantiner verbesserten die Segelschiffe, da sie genug Holz hatten und gründeten den Fernhandel bis in die Nordlevante. Die Ägäis wurde ab 2700 zunehmend aus dem Osten beeinflusst, in Kreta entstanden feste Siedlungen. Der Seehandel führte zur Besiedlung von Inseln auf den Routen, am auffälligsten die kleine Insel Palagruza mitten in der Adria.Ab 2200 bringen Dürren das Alte Reich in Ägypten und das Akkader-Reich in Mesopotamien zum Zerbrechen. Gleichzeitig strahlt in der Adria die Cetina-Kultur bei Split bis nach Malta und Griechenland aus. Ab 2000 entsteht die Palast-Kultur auf Kreta, wobei die Paläste auch handwerkliche Zentren sind. Weiter führt uns Broodbank durch die Reiche der Mykener, der Hethiter und Ägypter, zur Invasion der Seevölker, dem Aufstieg der Phönizier, Assyrien, Israel, bis hin zu Karthago, Etrurien und Griechenland, immer alle archäologischen Zeugnisse schildernd, manchmal zu ausführlich, aber insgesamt informativ. Wesentlich sind dabei die Schilderungen der Seerouten und der Handelsgüter, die immer dichter und mehr werden, bis in der klassischen Zeit Rom alles beherrschtRüdiger Opelt, Autor von " Die Königin von Kreta: Teil I: Stierspringer"