★★★★★
k.A.
05.06.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist eine faszinierende und tiefgründige Auseinandersetzung mit der Philosophie des modernen Songs und bietet eine exzellente Grundlage für jeden Musikliebhaber. Die Analyse ist sehr inspirierend und macht das Hören noch bewusster.
Als absoluter Musik-Nerd ergreife ich jede Gelegenheit um meinen Horizont zu erweitern und Neues zu entdecken. "His Bobness" hat hier wirklich ein unterhaltsames, persönliches Kunstwerk vorgelegt (wer sich den eigenartig wirren Titel hat einfallen lassen sei dahin gestellt, es geht weder um besonders moderne Songs noch um eine allumfassende Philosophie). Man entdeckt Künstler und Songs die man noch nicht so auf dem Radar hatte und da Mr. Dylan schon einige Zeit als begnadeter Musiker auf dieser Erde wandelt, erhält man in gewisser Weise Unterricht in Musikgeschichte (so gesehen wäre der Buchtitel "History of the modern Song" vielleicht angebrachter gewesen) Jedenfalls sollte man nach jedem Kapitel den beschriebenen Song gleich streamen, dann bereitet das Buch doppeltes Vergnügen. Absolut empfehlenswert (außer man sucht tiefgründige philosophische Abhandlungen).
2004 erschien bob dylans autobiografisches buch "chronicles". damals konnte man in den medien lesen, er hätte einen vertrag für vier bis fünf weitere bücher abgeschlossen. seither wartete man und nichts geschah.wie alt glaubt der mann denn zu werden? nun endlich, das neue buch, keine fortsetzung von chronicles, sondern eine essay sammlung mit dem überkanditelten titel "die philosophie des modernen songs".von den 66 songs, über die dylan hier schreibt, sind mir ungefähr ein drittel bekannt. vom rest habe ich noch nie etwas gehört. den meisten dürfte es wohl ebenso gehen. kein beatles oder stones song, kein van morrison, wenige blues songs, kein einziger woody guthrie, kein robert johnson, kein leadbelly. dabei waren das doch seine vorbilder, damals ganz am anfang der sechiziger. dafür jede menge songs aus den fünfzigern, ein paar wenige aus den sechziger und siebziger jahren und sogar ein paar noch etwas später.dylan kennt wahrscheinlich tausende, nein zehntausende von liedern und wer einmal seine radiosendung gehört hat, der weiß wie vielfältig und kenntnisreich sein wissen ist und wie obskur oft die songs waren, die er vorgestellt hat.dylan schreibt über diese songs so ähnlich, wie er live seine lieder spielt, man weiß nie, was man bekommt, er hat kein konzeipt, es schein, als improvisiert er drauflos. bei "black magic woman" kommen die interpreten santana und der autor peter green überhaupt nicht vor. stattdessen ein fulminanter essay über die ideale frau - eben jene black magic women, sowie ein artikel über eine autorin aus den vierziger jahren. "saturday night at the movies" von den drifters benutzt er für einen aufsatz über den amerikanischen film ohne den song selbst auch nur zu erwähnen. sehr gut gefallen mir seine gedanken über den krieg. (edwin starr - war).dylan schreibt sicher sehr interresant über all diese songs, aber was nutzt das, wenn man die wenigsten davon kennt. ich hab mir die mühe gemacht, sie kurz auf "you tube" anzuspielen (man kann sie alle finden). aber ehrlich, es gibt da wenig, was mir gefällt, manches ist echt schrecklich. aber ich bin doch 14 jahre jünger als dylan und die fünziger jahre sind nicht wirklich mein ding. für noch jüngere dürfte es schlimmer sein.immerhin, "my generation" von the who, "london calling" von the clash, "pump it up" von elvis costello und einige andere mehr, sind aber letztlich zu wenig. daher nur vier sterne.das buch ist schon gut geschrieben, aber ein chronicles 2 wäre mir lieber und ich hoffe, daß das noch kommt.