Die 17 Jahre junge Merit bezeichnet sich selbst als seltsam. Wie alle anderen in ihrem Alter ist sie keineswegs: sie trägt kein Make-Up, zieht auch mal Kleidung vom Vortag an und wenn sie einen besonders schlechten Tag hatte, geht sie los und kauft sich einen gebrauchten Pokal. So wie auch in der Szene, mit der das Buch beginnt: Merit steht im Antiquitätenladen und will sich endlich den großen, 85$ teuren Pokal kaufen, auf den sie seit einem halben Jahr spart.Im Laden trifft sie auf Sagan, der Merit direkt unter die Haut fährt. Sie lässt ihre Deckung fallen und sich von ihm küssen, nur um einen Moment später zu realisieren, dass Sagan sie mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester Honor verwechselt hat. Verletzt davon, dass der einzige Junge, der ihr gefällt, der Freund ihrer Schwester zu sein scheint, lässt Merit Sagan stehen, nur um bald darauf festzustellen, dass er im Voss Dollar - dem Haus von Merits Familie - eingezogen ist. Und das ist erst der Anfang vom Chaos.Ich muss ehrlich sagen, ich bin überrascht, dass viele dieses Buch als "schwach geschrieben" beurteilen und sich beschweren, dass diese Geschichte nicht Hoovers typischen, stark romantisch betonten "Klassikern" entspricht.Vielleicht vorweg, ich habe bislang von CoHo nur die Reihe um Layken und Will gelesen, daher kann ich ihren Schreibstil und die "Emotionalität" der anderen Bücher nicht beurteilen, und ich bin auch nicht der Typ Mensch, der weinen muss, wenn es besonders schön, traurig, etc. wird. Also ist das auch nichts, woran ich ein Urteil ausmachen kann.Dieses Buch ist keine reine Romanze. Die Liebesgeschichte zwischen Merit und Sagan zieht sich zwar durch das gesamte Buch, ist aber keineswegs vordergründig. Vielmehr gibt sie einzelne Anstöße, die die Entwicklung der Handlung vorantriebt. Merits Familie hat viele Geheimnisse voreinander und Merit scheint sie als einzige alle zu kennen, muss aber lernen, dass es zu jeder noch so eindeutig beschissenen Situation mehr als nur ihre Perspektive gibt.Die Geschichte ist bis zuletzt fesselnd und überrascht immer wieder, sodass nicht schon auf den letzten hundert Seiten das Ende absehbar wird, und trotzdem ist es durchaus ein Happy End, aber eben kein klassisches.Mich hat es sehr berührt, dass Hoover keine luftig leichte, perfekte Handlung geschaffen hat, sondern gleich mehrere wichtige Themen angesprochen hat, zum Beispiel Depression, Scheidung, Kriegsflucht, früher Tod und zu einem kleinen Teil auch sexueller Missbrauch. Trotz der Schwere dieser Themen wirkt das Buch jedoch nicht verloren oder deprimierend, sondern zeigt, wie die einzelnen Menschen mit ihrem Schicksal umgehen, ohne daran zu zerbrechen - auch wenn sie manchmal kurz davor stehen.Meiner Meinung nach ein wahnsinnig gelungener Roman, der gerade damit überzeugt, dass er nicht einfach eine klassische Romanze beschreibt.
Wieder gutes Hooverbuch - eine Familiengeschichte mit viel Hintergrund. Schnell zu lesen, da flüssiger Schreibstil, wie bei allen Hooverbüchern. Hatte es in 2 Tagen durch.Ich konnte mich gut in die Hauptdarstellerin reinversetzten und man fühlt richtig mit. Auch wenn man genau so gehandelt hätte wie sie in manchen Situationen, sieht man, dass es doch oft falsch verstanden wird und es zu Missverständnissen kommt, wenn man nicht darüber spricht. Es geht hier um Familiengeheimnisse, die irgendwann zu viel werden. Gutes Buch, aber nicht das beste von ihr, aber trotzdem lesenswert.