Es ist selten, dass ein Buch einen so tiefgreifenden und nachhaltigen Eindruck hinterlässt wie "Strix". Mit einer fesselnden Mischung aus meisterhaftem Schreibstil, eindringlichen Charakteren und einer atemberaubenden Handlung hat dieses Buch mich vom ersten Satz an in seinen Bann gezogen.Der Autor, dessen Talent für das Erschaffen einer magischen Atmosphäre unbestreitbar ist, entführt in die Wälderwelt von Strix – eine Welt, die sowohl vertraut als auch fremd erscheint. Die Charaktere in Strix sind ebenso liebevoll wie komplex gestaltet. Sie besitzen eine beeindruckende Tiefe, die sie menschlich erscheinen lässt, ohne ihnen Animalisches zu nehmen. Ihre Beziehungen zueinander sind emotional und authentisch, sodass man als Leser mit ihnen lachen, weinen und mitfiebern kann. Es geht ums Überleben – über Verlust und Mut.Der Schreibstil ist poetisch und bildgewaltig, sodass die Welt von Strix in den schönsten Farben erstrahlt. Die Fähigkeit des Autors, Spannung und Emotionen zu erzeugen, ist bemerkenswert und ließ mich von Anfang bis Ende gebannt verfolgen, wie das Leben der liebgewonnenen Eule sich entfaltet.Es ist eine Geschichte, die noch lange nach der letzten Seite nachhallt und die ich immer wieder gerne in die Hand nehmen werde. Strix hat zweifellos einen festen Platz in meinem Herzen und meiner Büchersammlung gefunden, und ich kann dieses wundervolle Buch nur wärmstens empfehlen.
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das muss nicht nur Svend Fleurons tierische Protagonistin die Eule Strix erfahren, vor allem die Leser*innen müssen sich durch allerlei Dunkelheit geradezu durchkämpfen. Fast so wie „eine der letzten ihrer Art“, die Horneule in den schwindenden Naturwäldern Dänemarks. Dabei scheint „Kämpfen“ die zentrale Faszination des Autors gewesen zu sein. Zwar gibt es einerseits wunderschöne präzise Naturbeschreibungen, aber andererseits liegt der Fokus deutlich auf dem Überlebenskampf von Strix. Allerdings nicht als notwendiges Übel oder leidlichen Zwang, sondern mit einer eindeutigen Begeisterung für den natürlichen Darwinismus, für die Jagd und den Sieg.Es ist die Naturromantik und Freude des Jägers und des Militaristen, der sich mit dem Raptoren identifizieren kann. Da verwundert es nicht, dass Fleurons Werke vor allem im nationalsozialistischen Deutschland der 30er und 40er Jahre großen Anklang fanden. Was offenbar auf Gegenliebe stieß, da sich Fleuron für den Zweiten Weltkrieg begeistern konnte.Die Ambivalenz des Tierromans zeigt sich einerseits in einer deutliche Naturliebe und einem klaren Bekenntnis zum Naturschutz mit durchaus harscher Kritik an Jägern und der menschlichen Kultur im Allgemeinen.„Die Natur soll ins Haus gebracht werden – tot oder lebendig – aber hinein ins Haus soll sie! Auf Kommoden und Bücherschränken, in den Naturgeschichtsklassen der Schulen oder in Glaskästen der Museen stellt man die letzten Überreste der ursprünglichen Fauna des Landes zur Schau; hier steht sie ausgestopft mit starren Glasaugen. Jeder zweite, dritte Vogel, der früher so allgemein war, daß er in Sagen des Landes verwoben wurde, ist jetzt selbst bald nur noch Sage. Sie werden zu Geld gemacht, sie werden aus den Wolken und von den Baumwipfeln herabgeholt, um die Taschen der Leute mit klingender Münze zu füllen, der letzte Adler, wie die gehegten Störche.“Angesichts des gegenwärtigen traurigen Zustandes der Vogelpopulationen in Europa, ist es frappant zu lesen, dass die Warner und Mahner seit hundert Jahren ignoriert werden. Für unseren lächerlichen Wohlstand, der sich in großen Häusern, großen Autos, großen Fernsehern und alles muss immer größer werden, widerspiegelt, gehen wir über Leichen. Und da uns schon Menschen nicht interessieren, geht es den Tieren noch schlechter.Andererseits geht es Fleuron aber nicht um einen allgemeinen Natur- und Tierschutz, sondern um eine Art romantisiertem Heimatschutz. Dabei ist Natur nicht etwas für sich selbst Stehendes, sondern Metapher und Ideologie des Überlebenskampfes der germanischen Rasse. Der ursprüngliche alte Uhu wird von außen bedroht und muss sich in einer ewigen Abwehr immer weiter zurückziehen. So hofft Fleuron nicht nur auf den Sieg der Natur, sondern gleich auf den Sieg des „tapferen, wachen deutschen Volkes“. Es ist die ideologische Abwehr der Moderne, die schon bei den Nationalsozialisten mit ihrer verqueren und erfundenen arischen Geschichte, eine zentrale Rolle spielte.Fleuron projiziert auf die Tiere menschliche Emotionen und Fähigkeiten. Dabei fehlt es nicht an Übertreibungen und der Einbindung von urbanen Legenden. So kann Strix „teuflisch täuschen“, sie ist mutig, heuchlerisch, denkt die ganze Zeit nach, ist rachsüchtig, empfindet Reue. Andere Tiere sind zanksüchtig, streitbar, friedfertig, böse, mordgierig und verspüren einen Drang nach Blut. Insgesamt nimmt das Töten einen recht umfangreichen Teil im Buch ein.Es verwundert ein wenig, dass dieser Roman neu aufgelegt wurde. In Erwartung eines wundervollen Tier- und Naturromans, habe ich eine gewaltlüsterne, fabulierende Jägerromantik bekommen, die angesichts des durchaus problematischen Autors sich nicht gerade für eine Neuauflage angeboten haben dürfte. Da würde mich ja mal die Zielgruppe interessieren.