★★★★★
k.A.
28.06.2026
ean-shopping.de
Das Buch bietet interessante Einblicke in die Grundlagen kollektiven Verhaltens, allerdings empfand ich die Darstellung als etwas zu theoretisch und weniger emotional zugänglich.
★★★★★
k.A.
28.06.2026
ean-shopping.de
Das Buch bietet eine sehr interessante und tiefgehende Betrachtung der Grundlagen kollektiven Verhaltens, auch wenn ich persönlich einige Aspekte als etwas zu theoretisch empfunden habe. Es ist dennoch eine wertvolle Lektüre für alle, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchten.
Eines vorweg: ein gewisses Vorwissen um die zeitlichen, politischen Gegebenheiten der 1960er, während derer das Werk verfasst wurde, sind für ein richtiges Verständnis des Werkes schon vonnöten. Auf diese wird nämlich im ganzen Text Bezug genommen, und während diese den damaligen Lesern durchaus bekannt waren, kann das gerade jüngeren Lesern schon Probleme bereiten. Ansonsten aber ist es eine sehr große Stärke des Werkes, dass bis auf dieses Wissen Vorkenntnisse im Bereich der Psychoanalyse gar nicht mitgebracht werden müssen, denn deren Grundkonzepte werden letztlich am Beispiel der deutschen Nation und ihres Verhältnisses zum "Führers" sehr anschaulich und eindrücklich erklärt und dargelegt, wie und warum der Einzelne zu einem kritischen Ich und damit zu echter Mündigkeit kommen sollte. Gerade das macht dieses Werk so zeitlos und stellt wie ich meinen will seinen größten Wert dar.Zweitens bekommt man hier auch einen, wenn nicht den wichtigsten Schlüsseltext zum Verständnis der "deutschen Seele" im Sinne des kollektiven Unterbewussten unserer Nation, geboten. Das ist sowohl für diejenigen interessant, deren Vorfahren dereinst dem Charme des böhmischen Gefreiten erlagen. Mir jedenfalls kamen viele geschilderte Verhaltensweisen und typische Aussagen von meinen Großeltern her sehr bekannt vor, und ich meine, sie nun wesentlich besser verstehen zu können, als ich es vorher tat.Es wird aber auch deutlich, dass viele dieser Mechanismen bis in die heutige Zeit nachwirken. Tatsächlich lassen sich sowohl die rasch verflogene Flüchtlingseuphorie im September 2015 als auch Gaulands Aussagen zu den "Leistungen" deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen wesentlich leichter deuten, wenn man versteht, was hinter der allgegenwärtigen Phrase des "Aus-der-Geschichte-gelernt-Habens" tatsächlich steckt. Dass die von den Mitscherlichs geforderte Vergangenheitsbewältigung letztlich noch immer nicht vollständig stattgefunden hat, liegt auf der Hand, und es ist ihnen wohl kaum anzulasten, dass stattdessen Formen der Auseinandersetzung dominieren, die davon Zeugnis geben, dass wir als nachfolgende Generation wohl noch lange an den Erblasten zu knabbern haben werden, die unsere Großelterngeneration durch Verdrängung geschaffen hat. Wen als Ausländer oder Deutscher ohne den genannten Familienhintergrund solche Erscheinungen sehr befremden, der bekommt mit diesem Text eine zumindest teilweise Erklärung für diese geboten, und es ist wohl nicht verwunderlich, weshalb dieses Werk auch im Ausland, vor allem im französischsprachigen, viel Beachtung fand und findet.