Das Erbe des Zauberers, der dritte von Terry Pratchett geschriebene Roman, sprich der erste Roman mit Oma Wetterwachs, liest sich auf das erste Mal hin flüssiger und leichter verdaulich als die ersten beiden Terry Pratchett Romane um den Zauberer Rincewind.Die Geschichte besteht aus insgesamt viel größeren Abschnitten und springt nicht mehr so rasant von einem Ereignis zum nächsten. Entsprechend tauche ich als Leser deutlich leichter in die Geschichte ab. Habe aber auch auf der anderen Seite nicht mehr das hohe Tempo der Ereignisse um mich herum. Der schwarze Humor ist in diesem Buch deutlich weniger geworden im Vergleich zum Feuerwerk, das vorher abgebrannt worden ist. Auf der Gefühlsebene. bzw. Erzählebene sehe ich große Fortschritte zu den ersten beiden Werken Terry Pratchetts. In diesem Buch bekommt der Leser deutlich tiefere Eindrücke von der Scheibenwelt und dem auf ihr stattfindenden Geschehen/Leben. Alles, jeder Ort wird genauer beschrieben, so auch die Unsichtbare Universität, die der Leser deutlich besser kennenlernt, als in den Rincewind-Büchern. Egal, wie ich es drehe und wende mit diesem Buch, hier startet ein neuer Erzählstrang rund um die Scheibenwelt, und ich finde das Buch auf andere Art und Weise mit Vor- und Nachteilen, insofern man von ihnen sprechen kann, genauso stark wie die Rincewind-Bücher.Das Buch handelt von einem kleinen achtjährigen Mädchen, dass das Erbe eines Zauberstabes antreten soll, wenn es nach den Vorstellungen des Magiers Drum Billet geht. Was er nicht wissen kann, als er stirbt, ist, dass der achte Sohn eines Sohnes kein Junge ist, sondern als Mädchen geboren wird. Der Name des Mädchens lautet Eskarina und sie möchte unbedingt Zauberin werden. Oma Wetterwachs, eine Hexe, die schon bei Esk’s Geburt als Hebamme mitgeholfen hat, kümmert sich um das kleine Mädchen und bildet sie zunächst in der Hexenkunst aus, und lehrt sie all ihr Wissen darüber. Bis eines Tages Eskarinas Zauberkräfte beim „Borgen“ eines Waldbewohners erwachen bzw. außer Kontrolle geraten. Kurze Zeit später begibt sich Oma Wetterwachs zusammen mit Esk auf die Reise zur Unsichtbaren Universität nach Ankh-Morpork, damit das Mädchen dort zur Zaubererin ausgebildet werden kann. Dies ist aber nicht so ohne Weiteres möglich, da es dem Gesellschaftsbild der dort befindlichen Zauberer Nicht entspricht, wo ausschließlich Männer Zauberer werden können bzw. dürfen.Wie ich finde eine super Story, die quasi die Vergangenheit und die Gegenwart die Aufteilung unserer Gesellschaft als Spiegelbild zeigt: gerade was die Rolle der Frau, bzw. Geschlechterverteilung, angeht. Als Beispiel trage ich die geistigen Ämter innerhalb der Kirche zur Schau. Egal, ob Papst, Bischof oder Priester. Es sind alles Ämter die nur für Männer vorgesehen sind. Gut, es gab auch Ausnahmen, die aber im Verborgenen geschehen mussten. Es gab Abtissinen, und bis heute gibt es Nonnen, das weibliche Pendant zu den Mönchen in Klöstern.Wenn man die Emanzipation der Frau betrachtet, so ist diese in der westlichen Welt Gott sei Dank in den meisten Punkten dem Mann gleichgestellt. Es gibt immer noch Vorurteile, die lassen sich nicht so schnell alle beseitigen, ganz zu schweigen von verbaler Diskriminierung. Es gibt Ungleichheit bei den Löhnen und Gehältern nach wie vor. Frauen in Führungspositionen sind eine deutliche Minderheit. Die Frauenquote wächst leider nur sehr langsam. Die Rollenverteilung der Frau ist viel mehr als „nur“ Kinder zu bekommen und groß zu ziehen und den Haushalt zu führen.Der Beginn des Buches erinnert an einen aufgemotzten mit Dolby-Digital THX-Sound untermalten 3D-Film, wie ein teurer spektakulärer Star Wars Streifen. Die Atmosphäre, egal ob Gewitter oder Nebel, unterstreicht die Ankunft des Zauberers Drum Billet im Dorf „Blödes Kaff“ in den Spitzhornbergen in einer Schmiede. So weit so gut, die Zutaten für eine gute Geschichte sind angerührt.Bevor der Zauberer stirbt, lässt er das neugeborene Mädchen den Zauberstab halten, damit dessen Kraft sich auf sie übertragen kann. Von da an ist der Zauberstab mit dem Geist des Mädchens verbunden. Alles was dem Mädchen passiert, was es fühlt, kommt durch den Zauberstab in weltlicher Hinsicht zum Ausdruck.Alle sind entsetzt, dass es ein Mädchen ist und kein Junge. Halb so schlimm, nachdem sich die ganzen Vorurteile und falsche Erwartungshaltung gelegt haben. Wie sagt doch gleich der TOD: „Probleme sind das Gewürz des Lebens.“ Und ich sage dazu: Die meisten Probleme schaffen sich die Menschen selbst, sind hausgemachter Natur bzw. künstlicher Natur.Schließlich geht Drum Billet mit dem TOD und sein Leben als Zauberer ist beendet, und die Hoffnung als Reinkarnation zu einer Ameise ist da.Der Versuch den Zauberstab zu verbrennen scheitert. Oma Wetterwachs glaubt zunächst nicht an weibliche Zauberer. Sie ordnet sich der weiblichen Rolle in der Gesellschaft unter. Es gibt einfach Dinge, die die Fertigkeiten einer Frau überschreiten, und damit ist auch das Gehirn gemeint. Was sich jedoch als absoluter Blödsinn und als Vorurteil entpuppt. Was das Lesen und Verstehen von Büchern anbelangt, sind die Frauen den Männern gegenüber sogar um einiges weiter, was überhaupt nichts mit grundlegenden Fähigkeiten zu tun hat. Was letztlich daran liegt, dass sich einfach viel mehr Frauen mit Büchern beschäftigen als Männer. Bei mathematischen Rechnungen, bzw. Geometrie ist es andersrum, weil sich eben mehr Männer damit beschäftigen. Es wäre falsch zu sagen, eine Seite wäre in einer Hinsicht besser bzw. stärker. Es kommt eben ganz auf die jeweiligen Interessen an, und um so weniger über eine Rollenverteilung gesprochen wird, und umso größer hierbei die Gleichberechtigung und das Mitspracherecht ist, umso ausgeglichener wird das Verhältnis und umso mehr können beide Geschlechter voneinander lernen. Solange wir Menschen (welt)offen sind, auch für das angeblich Unmögliche, solange unsere Gedanken frei sind, wir den Dingen eine Chance geben sich zu entwickeln, solange wir uns anpassen können, und solange wir uns vor unseren Ängsten frei sind, befreien wir letztlich unseren Geist vor allem „Unrat“, „Ballast“ sowie auch weltlichen und geistigen Vorstellungen und Beschlüssen.Dort, wo der tote Zauberer begraben wurde, wächst ein Apfelbaum auf dem Eskarina sehr gerne klettert, und sich immer dann auf ihn zurückzieht, wenn sie Ruhe vor ihren Brüdern haben möchte bzw. ihren Gedanken nachhängen möchte.Schließlich bricht der Winter über „Kleines Kaff“ hinein.Wenn ich einmal vergleiche, wie auch in der heutigen Zeit noch, viele uns bekannte und wichtige berühmte Menschen aus kleinen Provinznestern wie das Kleine Kaff stammen, gefällt mir dieses Szenario ganz gut, gerade in Zeiten der Verstädterung, wo kleine Dörfer mehr und mehr aussterben. Es zeigt uns auf einfache Weise, wer seine Wurzeln kennt, kann auch in Zukunft Großes bewegen, bzw. Altlasten hinter sich begraben. Wer mit den verschiedenen Aspekten der Zivilisation gelebt hat, ist in der Lage diese leichter und „gerechter“ zu beurteilen und zu führen, wenn denjenigen Menschen Macht und Verantwortung in wichtigen Positionen aufgebürdet wird. Und demjenigen fällt es leichter ab- und zugeben zu können, und sich somit Respekt vor der und zu der Bevölkerung zu bewahren.Unsere Erziehungsmethoden zu unseren Kindern sind letztlich ein Spiegelbild unserer eigenen Seele und Zufriedenheit im Geiste. „Schlagen“ wir unsere Kinder, tun wir dies aus Angst und Verzweiflung und weil wir mit uns selbst unzufrieden sind. Letztlich schaden wir uns nur selbst und alles im Leben kommt wie ein Boomerang zu uns zurück.Eskarina verhält sich eigentlich viel mehr wie ein typischer Junge. Nicht nur, dass sie auf Bäume krabbelt. Sie ist längst nicht so wehleidig wie ihre Brüder, sie bringt so schnell nichts aus der Ruhe und sie verhält sich rücksichtsvoller zu ihren Mitmenschen als jene. Sie ängstigt sich viel weniger vor der Welt, weil ihre Neugier, Unvoreingenommenheit und Wissbegierigkeit viel größer sind. Sie denkt einfach viel praktischer wie eine bestimmte Situation zu bewältigen ist und glaubt nur an das bzw. sieht das mit ihren Augen was da ist. So manche Lektionen, die das Leben für sie bereithält sind sehr schmerzhaft, aber letztlich wächst sie an diesen Situationen, und nimmt die gesammelten Erfahrungen positiv für ihr weiteres Leben mit. Dies ist sehr wichtig für die Entwicklung eines Menschen und seinem weiteren Leben im Erwachsenenalter. Denn nur so können sich auch Dinge ändern, alte festgefahrene Vorstellungen, Gesetze und Vorurteile können so überdacht und geändert oder gar beseitigt werden. Nur so können es antriebslose Menschen (Keine Faulen) Ziele entwickeln, für die es sich lohnt zu leben.Im kleinen Dorf helfen sich die Menschen untereinander viel besser als in der Stadt. Denn die Not macht dort eine Tugend, gerade wenn es darum geht durch den Winter zu kommen. Dieser Einstellung könnten sich locker die Hälfte und mehr lebenden Stadtmenschen anschließen.Magie wird, sobald sie ausgeübt wird als etwas beschrieben, was in zwei Richtungen reagiert, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Sie wird erzeugt, in dem man etwas Druck auf das Gleichgewicht ausübt. Das erinnert mich doch sehr an die Chemie, an die endothermen und exothermen Reaktionen, die stattfinden können. Das eine ist ein aktiver Prozess in dem Energie zugeführt wird, und das andere ist die Reaktion zweier Stoffe zueinander in Form von Energie, Wärme, die dabei entsteht.Kann man die Magie in unserer Welt mit Ereignissen wie der industriellen Revolution vergleichen? Brauchen die Menschen Magie und all den Fortschritt? Ich denke die Menschen sehnen sich danach in immer höhere magische Sphären, technologische Grenzen vorzustoßen. Aber brauchen tun wir das nicht wirklich. Wir verlernen mehr und mehr unsere Urinstinkte, was laufend das Jagen und Überleben auf zwei Beinen anbelangt. Wäre es nicht besser, uns unsere frühzeitliche Freiheit zu bewahren? Sind wir noch Menschen, oder reifen wir durch unseren erreichten technologischen Fortschritt und dergleichen zu einer neuen Rasse heran? Sind die sozialen Strukturen, in der Familie und unter besten Freunden zu überleben, zusammenzuhalten und gemeinsam durch dick und dünn zu gehen nicht wichtiger, als das individuelle Bedürfnis einzelner und einer mehr und mehr existierenden computergesteuerten Gesellschaft sich selbst zu profilieren als gäbe es keinen Morgen, ohne Rücksicht auf Verluste nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“?Oma Wetterwachs wird fälschlicherweise von Esk’s Brüdern für Tod gehalten, als jene gerade im Bewusstsein einen Raben „borgt“. Letztlich ist es doch egal, an was wir alles glauben und an was wir nicht glauben. Viel wichtiger ist doch, dass der Glaube an uns selbst die größte Kraft bleibt und wir weltoffen bzw. vielseitig in unserem Denken und Handeln bleiben, um so neue Möglichkeiten entstehen zu lassen. Denn sobald die äußeren Kräfte, bzw. äußeren Einflüsse, Vorschriften, Gesetze und (Vor)urteile mehr Kraft auf uns selbst ausüben als man selbst, machen wir uns selbst zu abhängigen Sklaven der Gesellschaft mit ihren jeweiligen Formen und Vorschriften. Wer will sich schon in einen Käfig sperren lassen, und nach der Pfeife auf eines der zuvor genannten Formen der Gesellschaft wie eine Marionette tanzen, bzw. sich vor den Wagen spannen lassen?Anderen Menschen gegenüber sollte man Nicht lügen. Man muss ja nicht alles erwähnen gleich, wenn das Ergebnis Tod, eingesperrt sein, Diskriminierung oder Verbannung heißt. Die Gesellschaft ist eine Sache. Ihr gegenüber braucht man sich nicht rechtfertigen. Da verhält es sich anders mit dem Lügen. So lange Respekt und eine gute unbewusste Absicht an oberster Stelle stehen, sollte man sich nicht immer rechtfertigen müssen.Eskarina verirrt sich im kalten Schnee im Wald, wo sie sich dank des befreiten Zauberstabes vor einem Rudel Wölfe ihrer Haut erwehrt bis Oma Wetterwachs sie findet und sie zurück in ihr Haus bringt. Die Erziehung eines Kindes soll in erster Linie dazu dienen um die Verbindung bzw. die Liebe zwischen Mutter/Vater zum Kind aufrecht zu erhalten und um die Aufmerksamkeit des Kindes zu bekommen. Nicht mehr und nicht weniger.Magie kann man außer mit der Chemie auch mit fortschrittlichen Technologien vergleichen, die unseren Alltag erreichen bzw. bestimmen. Was wir daraus machen, hängt zum einen von unserer Einstellung neuen Dingen und Veränderungen gegenüber ab, und auch den eigenen finanziellen Mitteln. In der Hinsicht steht ein traditionelles dörfliches Leben mit dem Leben in der Stadt im Widerspruch. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Wer die Vorzüge beider Lebensstile zu schätzen weiß im Alltag, dem steht ein vielseitiges offenes und ausgeglichenes Leben zur Verfügung und derjenige bleibt in Zukunft „gesellschaftsfähig“. Und zu so einer Person entwickelt sich Oma Wetterwachs.Ein Gespräch mit dem alten verstorbenen Zauberer Drum Billet bringt keine Verbesserung der Lage für die Hexe. Als Oma Wetterwachs den Zauberstab verbrennen möchte, misslingt dies erneut, da der Stab mit Eskarina verbunden ist, um die sich die Hexe sehr sorgt, und dann sofort alles rückgängig macht. Schließlich fasst sie sich ans Herz und bietet der kleinen Esk eine magische Ausbildung zu einer Hexe an, die der ganzen Thematik sehr zugeneigt ist. Sie lehrt sie alles über Kräuterkunde, Pilze, Destillieren, Salben, das Wetter zu deuten und die Verhaltensweisen von Tieren und Menschen. Als Hexe ist der äußere Schein, das Aussehen und Auftreten sehr wichtig. Psychologie ist eine große Waffe für und gegen alles. Dazu gehört auch das Fluchen. Schließlich weist Oma Wetterwachs das kleinen Mädchen in das Geheimnis des Borgens bei. Wieder nimmt die Hexe dazu ein Tier das fliegen kann, so wie sie zuvor schon den Raben, die Eule und jetzt den Adler nimmt. Sie teilt mit Eskarina das Bewusstsein, den Verstand, des Adlers als Gast bzw. Zuschauer, und gemeinsam fliegen und erkunden sie die weite Welt, Wälder, Flüsse, Täler und Berge. Allerdings reicht das Esk nicht, sie will selbst den Adler steuern und verbindet ihr Bewusstsein mit dem des Adlers und bestimmt am Ende wohin die Reise geht, bis sie total verausgabt, körperlich und geistlich, nicht mehr zurück kann und die Kontrolle über sich verliert. Oma Wetterwachs sucht und findet den Adler dank des Zauberstabes wieder, auf den sie mehr oder weniger fliegt/reitet, und rettet somit Eskarina aus der ausweglosen Lage. Das bewusstlose Mädchen erwacht wieder, als Oma Wetterwachs mit Hilfe des Zauberstabes das Bewusstsein des Mädchens von dem des Adlers trennt und jener sich in Esk‘s Nähe aufhält.Schließlich überreicht bzw. schenkt die Hexe Eskarina den Zauberstab und klärt sie über ihr Schicksal und die Zauberei auf. Beim Versuch mit Zauberei ein Feuer zu entzünden, zerstört Esk Omas Kamin, und ein unkontrollierter Feuerball bohrt sich in die Tiefen der Scheibenwelt. Später verwandelt Esk einen ihrer Brüder, der sie zuvor geärgert hat, in ein Schwein. Und darauf wieder zurück in einen Menschen, nach Oma Wetterwachs Aufforderung.Nachdem Eskarinas Eltern von der Hexe überzeugt werden konnten, machen die beiden sich auf den Weg zur Unsichtbaren Universität. Sie erreichen den Vorort einer Stadt, Ohulan, wo Oma Wetterwachs eine Hexenkollegin, Hilta Ziegenfinder, an einem entsprechenden Esotherik-Stand trifft, an dem unter anderem Mittel gegen Potenzschwäche für Männer und Lustlosigkeit für Frauen, sowie eine Art Gleitmittel und auch Kondome angeboten werden. Und das dunkle vermoderte, verrauchte Ambiente des Ladens, der viele Schmuck und die bunte Kleidung an der Hexe Hilta all das dient der berühmten psychologischen Wirkung. Dank Hilta erfahren die beiden Reisenden, dass die Unsichtbare Universität sich im 500 km entfernten Ankh-Morpork flussabwärts an der Mündung zum großen runden Meer befindet.Eskarina verirrt sich im Dschungel der Stadt Ohulan, als sie den beiden Hexen versucht zu folgen. Auch Ima Wetterwachs hat ihre Schwierigkeiten. Dorfmenschen sind nun mal keine Stadtmenschen und müssen sich erst einmal an das ungewohnte Gedränge und die ungewohnte Umgebung gewöhnen. Dabei enttarnt Esk bzw. blamiert sie einen Hütchenspieler. Desweiteren befreit sie einen Affen in Gefangenschaft. Müde macht das kleine Mädchen in einer Kneipe halt, in der viele Männer ihr Feierabendbier trinken. Sie verlangt nach Milch, und das Bier in den Fässern verwandelt sich darauf in Milch, worauf die Gäste das Lokal verlassen. Der Wirt, der seine Existenz bedroht sieht, tut Eskarina Leid, und sie verwandelt die Milch deshalb in Pfirsichschnaps. Die Frau des Wirts und der Wirt wittern daraufhin das Geschäft ihres Lebens, und laden Esk ein, bei ihnen zu übernachten.Der Waldboden in der Nähe von Omas Hütte wies bereits viele Löcher auf, die von magischen Feuerbällen stammten. Oma sagte darauf zu Esk: „Wenn das Zaubern nicht klappt, kannst du als Abort- und Brunnenbauerin viel Geld verdienen.“Zurück in Ohulan, wo der Wirt und die Wirtin der schlafenden Eskarina den Stab im Schlaf entreißen wollen. Der Stab wehrt sich, Esk wacht auf und flieht aus der Taverne. Der Pfirsichschnaps in den Fässern verdirbt schließlich über Nacht. Darauf gelangt sie zu den Docks am Oberlauf des Flusses Ankh und übernachtet unter einer Plane eines angelegten Kahns. Noch vor dem Morgengrauen setzt sich der Kahn und ein Dutzend seiner Kollegen auf dem Fluss in Bewegung. Der Fluss hatte es ungefähr so eilig wie eine parlamentarische Untersuchungskommission, die gemütlich durch ein Labyrinth von Bestechungsskandalen schlendert und mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit immer wieder an den Ausgangspunkt zurückkehrt. Am nächsten Morgen wird Esk vom Kapitän des Kahns, Amshat B’hal Zoon, einem Zigeuner und seiner Familie entdeckt, die sie allerdings freundlich aufnehmen und behandeln. Der Vergleich mit Tieren, bzw. „Zoons“, finde ich etwas makaber. Aber letztlich sind ja Tiere die besseren Menschen.Dank Hiltas Silizium-Kristallkugel erfahren die beiden Hexen, wo in etwa sich Eskarina aufhält, und dass ihr Zauberstab sich stetig mit der Energie seiner Umgebung weiter auflädt.Und wieder mal eine Phrase. Um Händler zu sein, muss man lügen. Und Zoons sind Händler, aber sie können nicht lügen, deshalb haben sie einen Stammeslügner, der alle Geschäfte für sie abwickelt, und deshalb großes Ansehen genießt. Sein Geheimnis ist die Doppeldeutigkeit von gewissen Aussagen, bzw. Aussagen in die man viele verschiedene Dinge interpretieren kann, damit sie nicht bewusst lügen. Wie ich finde ein guter Kompromiss. Noch besser ist es, als Kaufmann bzw. Händler gar nicht zu lügen. Es ist sehr traurig, dass es nur mit Lug, Trug und Manipulation im Leben geht. Alles nur, weil der Mensch so naiv, stur, pessimistisch und voll von verschiedenen Ängsten und Sorgen ist. Auf der anderen Seite lassen sich bestimmte Menschen nur durch Lügen auf Irrtümer und falschem Wissen in ihnen selbst hinweisen, da diese sich von der Außenwelt stur in eine Richtung abgeschirmt haben. Wenn Lügen dazu dienen, dass gewisse Menschen loslassen können von falscher Überzeugung und Angst, und somit zu sich selbst besser finden können und zufrieden mit sich selbst und ihren Geschäften sind, ist das was anderes. Aber Schuld an der Situation sind wir Menschen selbst mit unseren Wertvorstellungen und unserer Profilierungssucht auf egoistische Weise überleben zu müssen, ganz egal ob sie die Sintflut auslösen oder nicht. Menschen sind nun einmal mit vielen Fehlern ausgestattet, aber noch schlimmer ist es, dass es den meisten Menschen an Anerkennung und Respekt zueinander fehlt.Um auf dem Kahn mit den Zigeunern mitfahren zu dürfen, erledigt Esk freiwillig einige Arbeiten auf dem Kahn, dank ihrer Magie. Dabei darf sie nicht als Zauberin enttarnt werden. Sie geht mit Amshat immer wieder an Land, um ihre Neugier zu befriedigen. Sie ist dabei, wenn er Geschäfte mit verschiedenen Händlern macht. Und dank ihr, tauscht Amshat zu einem guten Preis verschiedene Waren. Dank ihrer Magie, deckt Eskarina einen Schwindel in der Stadt Zemphis auf, indem sie Ultramarine als wertlose Spirkel entlarvt. Aus Angst, das Amshat und seine Familie hinter ihr Geheimnis der Zauberei kommen und wegen der schlechten Erfahrungen in der Taverne zuvor, verlässt Esk den Kahn und die nette Zigeunerfamilie.Es ist auch immer wieder erschreckend zu sehen, wie der einzige Prüfer von Kristallen im Ort seine Macht bzw. Befugnisse missbraucht, und in den beinahe perfekten Kristall-Fälschungen der eigenen Profitgier erliegt, und somit einer der skrupellosesten Seiten des Menschen offenbart.Ich verstehe es einfach nicht, wie viele Menschen, ohne mit der Wimper zu zucken quasi ihre eigene Großmutter verkaufen würden. Wieso können sich die Menschen nicht damit begnügen gewisse Möglichkeiten haben zu können und theoretisch auch nutzen zu können, und sich mit diesem Gedanken einfach zufrieden zu geben, und daraufhin ihrer ehrlichen Arbeit nachgehen, und alles andere zu vergessen, bzw. zu zerstören? Das würde doch völlig ausreichen, und wäre auch nachvollziehbar und bei weitem nicht so pervers wie faule Geschäfte. Unehrliche Profitgier, bzw. bewusstes „Hintergehen“ soll ruhig öfter auf direktem Weg bestraft werden, so wie es Eskarina mit dem Zauberstab macht. Nur durch Schaden lernt der Mensch Gutes zu tun, wenn er das nicht vorher schon getan hat. Nur so kann es ein harmonisches und gerechtes Zusammenleben zwischen der Menschheit geben.Kamele treten Maulesel, Maulesel treten Pferde, Pferde treten Kamele und alle treten Menschen.Und dann gibt es die Art von Halunken und Verbrechern, die sich nicht die Mühe machen zu Integrieren, andere Menschen über den Tisch zu ziehen, und profitgierig sind. Diese leben ein eher beschwerliches Leben im Verborgenen, nehmen all die Unannehmlichkeiten auf sich, um heimlich des Nachts Leute zu überfallen, zu töten und auszurauben. Genau vor diesen unterprivilegierten Menschen müssen sich die Händler, die Reisenden schützen, indem sie Wächter/Kämpfer und Zauberer bezahlen, um ihre Waren zu schützen. Es ist doch viel besser durch Ehrlichkeit und Freundlichkeit auf einen Betrug aufmerksam zu machen, der andere betrifft, und/oder selbst aufmerksam gemacht zu werden, wenn der Betrug einen selbst betrifft, als andere Menschen zu betrügen, wenn man die Auswahl hat.Eskarina schließt sich, nach einem bemerkenswerten Gespräch mit dem Karawanenführer Gander, einer Karawane nach Ankh-Morporgh, dem Zauberer Treatle, Vizekanzler der Unsichtbaren Universität, und seinem stotternden Lehrling Simon an.Derweil schlägt sich Oma Wetterwachs mit einem alten Hexenbesen herum, der lediglich nachts und mit viel Anlauf mit einem Levitationszauber in die Lüfte fliegt, und das meist auch nur knapp über dem Boden in einer atemberaubenden langsamen Geschwindigkeit. In einer Bärenfalle mit einem Bären stoppt ihr Ausflug, bis sie am nächsten Tag von Zwergen befreit wird. Mit etwas Überredenskunst lässt die Hexe den Besen von den Zwergen reparieren. Dieses Gespräch erinnert doch stark an die Gespräche mit einem KFZ-Meister, der nur moderne Autos reparieren möchte, mit denen er sich auskennt und weiß was zu tun ist, bzw. am liebsten gleich ein neues Auto verkaufen will. Es geht um die Auftreibung alter Ersatzteile, es geht um den guten Ruf, um saubere korrekte Arbeit. Entweder das, oder da versucht sich jemand heraus zu reden, weil er nicht will.Inzwischen ist die Karawane einige Tage Richtung Ankh-Morpork unterwegs, als sie von Gnollen nachts überfallen wird. Aber der Zauberer Treatle kann das Unheil auf spektakuläre Art und Weise abwenden, in dem er die Geschöpfe in die Flucht schlägt. Der Lehrling Simon, der besonders bei S- und W-Lauten stottert und an Heuschnupfen leidet ist ein Tollpatsch in den meisten Dingen, die er tut. Von magischen Formeln, Theorie und Büchern versteht er allerdings sehr viel und er will Zauberer werden. Er erinnert mich irgendwie an „Simon der Sorcerer“ ein berühmtes Computerspiel. Ich mag den Simon, genau wie die weiblichen Hauptakteure in diesem Buch. Er ist ein netter sympathischer liebenswerter Charakter.Nach einem interessanten Gespräch mit Treatle verlässt Esk die Karawane mitten in der Wüste. Er hat ihr zuvor klar gemacht, dass Frauen keine Zauberin werden können, weil ihr geistiges Gleichgewicht instabil sei, ihr Gehirn zu überhitzen drohe, weil sie leicht reizbar seien, und nur Männer einen klaren Verstand hätten. Und Frauen dazu da sind Kinder zu bekommen.Also mal ganz ehrlich, wenn ich das als Frau hören würde, würde ich dem Mann am liebsten eine kleine Ohrfeige verpassen, der mir das sagen würde. Das ist doch einfach nur diskriminierend, ungerecht und erniedrigend. Da verstehe ich die weibliche Logik sehr gut, kann das als Mann gut nachvollziehen, bzw. –empfinden. Das was die kleine Eskarina durchmacht, kann ich 1:1 nachvollziehen/nachempfinden. Es ist diese Gefühlswelt, die ich Tag täglich in der realen Welt und vor allem in den Träumen selbst durchlebe.Oma Wetterwachs findet und rettet Esk in der Wüste. Sie tröstet die Kleine nach ihren Erlebnissen. Mit ihrem reparierten Hexenbesen begibt sich die Hexe mit Esk nach einigen Turbulenzen im Flug nach Ankh-Morpork in der Nacht; auch dank der Unterstützung ihrer Schülerin.Esk: „Was passiert, wenn wir aufprallen?“Oma: „Kommt ganz darauf an, ob wir weiche Steine finden.“In atemberaubender Schallgeschwindigkeit reiten die beiden in der Dunkelheit entlang des Morgengrauens auf dem Hexenbesen, bis sie in der Stadt ankommen.In Ankh-Morpork werden die beiden im Schattenviertel in einer angenehmen Unterkunft sehr gut aufgenommen. Unabhängig von dem typischen Stadtleben, was in einem solchen Viertel kursiert, schafft es Oma Wetterwachs sich in kürzester Zeit sehr viel Respekt und Anerkennung in der Bevölkerung zu schaffen und die Menschen behandeln Hexe und Schülerin sehr freundlich. Und ihre Dienste als Hexe sind gefragter denn je, womit sie auch einiges an Geld verdienen kann. Drei Tage später treffen sie Treatle und Simon vor der Unsichtbaren Universität. Esk wird schließlich eingeladen, Treatle in die Universität zu folgen. Der Erzähler nimmt sich die Zeit, die ganze Universität und die verschiedenen universellen Grade vorzustellen, die die verschiedenen Zauberer erreichen können, je nach Talent und eigenem Willen, bzw. Durchhaltevermögen. Das ganze System, bzw. der ganze Konkurrenzkampf ist ähnlich dem realen Leben nachempfunden. Simon wird dem Erzkanzler Knallwinkel vorgestellt und er soll eine Kostprobe seines Könnens vor allen Zauberern demonstrieren, was ihm letztlich auch auf sehr beeindruckende Weise gelingt. Eskarina schafft es gerade so noch Simon wieder in die Realität zu holen, bevor die Dämonen, unheilvolle Kreaturen aus den Kerkerdimensionen, nach Simon schnappen können, und das Schauspiel außer Kontrolle geraten kann.Dann wendet sich Esk an den Kanzler, den Erzkanzler der Universität mit ihrem Anliegen Zauberer werden zu wollen. Aber sie wird von Knallwinkel nur ausgelacht und abgewiesen, weil es gegen seine Vorstellung und gegen die Tradition entspricht. Daraufhin will es Esk mit einem Zauber gegen die Gründerstatue der Universität beweisen. Der Zauber gelingt ihr nicht, wahrscheinlich auch deshalb, weil es der Zauberstab in diesem Moment an diesem Ort nicht will.Wie es weiter geht, verrate ich an dieser Stelle nicht. Kommt es zu einem Happy End?Und wieder kann ich die ganze Geschichte im Zweiten Durchlesen genießen, in ihr abtauchen und lerne sie in vielerlei Hinsicht neu zu entdecken. Will damit nur sagen, es lohnt sich erneut das Buch zweimal (hintereinander) zu lesen mit all seinen Botschaften auf die reale Welt bezogen, und das in seiner ganzen Fantasie. Das Buch wird mit fortlaufender Dauer zum Ende hin in all seinen Facetten immer besser, spannender, interessanter, aufregender.