Jelinek, wie immer sehr verwirrend, ABER mit sekundärliteratur eine große Freude für akribische Literaturdetektive. Kein Buch für einsame Stunden, sondern für Austausch und am besten ein wenig Methoden- und Theorie- Wissen!!!So oft schon aufgeregt und nichts verstanden und plötzlich fällt der Vorhang, der erst noch die Augen verschleiert hat!!!
Erlkönig. Der Tod und das Mädchen. Der Wanderer. Eine kleine Trilogie des Todes. „Ein Land, wo das Anmaßende die Farbe von Schmutz annimmt, damit es einem von Anfang an vertraut ist.“ Jelineks unerhört einfachen Sätze sind anmaßende Erinnerungen an den Tod, wie er tagtäglich passiert und sich immer wieder wie eine gewohnte Gleichgültigkeit einschleicht. In das, was einer ist und das, was einer tut, denkt oder gedankenlos gehen lässt wie es eben geht. „Na, und wer ist der Sieger in dem Kampf Ware gegen Grund, Glaube gegen Vernuft? DAS TIER.“ Bis noch die Reinste von allen, Schneewittchen, tot ist. Denn egal, was man von Kunst, von Kultur, vom Theater und Kino, erwartet; „das Gute kann Berge versetzen, manchmal auch der Glaube, die Schönheit kanns jedenfalls nicht.“ Und Jelinek kann’s? Mit ihrer Kunst? Jedenfalls rührt sie um, im Denkgewohnten. Diese Theaterstücke rühren auf, jedenfalls in den Gefühlen, Gedanken, Gemütern, vielleicht noch im Denken selbst. Oder sind’s vielleicht gar keine, nichts Spielbares, kein Spiel? Ein schwer zu lesendes lesenswertes Buch in jedem Fall. Schwer zu spielen sicherlich, die, die sich hier aufführen.