★★★★★
k.A.
17.06.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch bietet interessante und tiefgründige Betrachtungen zu den Entwicklungen in Jugoslawien und eröffnet neue Perspektiven. Obwohl es sehr anregend ist, könnte es für Leser ohne Vorkenntnisse etwas dicht sein.
Die spannenste, aufwühlendste, geschichtsträchtigste und eine der mächtigsten Erzählungen Handkes. Vor dem Lesen des Buches sollte der Leser sich mit der Geschichte Jugoslawiens, Sloweniens, Serbiens, Bosniens und Kroatiens beschäftigen. Und natürlich mit den Zeiten der Kriege, die dort tobten.Mir sind vor allem jene Zeiten in Erinnerung, in welchen das Massaker von Srebrenica geschah. Die Schuldfrage, die Frage der Verantwortung hierüber wurde juristisch bewertet und abgeschlossen, wie es so schön heisst. Die Frage jedoch, wie das geschehen und wie es überhaupt dazu kommen konnte, bleibt bis zum heutigen Tag unbeantwortet. Die Tatsache, dass auch den Serben übel mitgespielt worden ist, bleibt eine Tatsache, über die ebenfalls kaum etwas bekannt ist.Peter Handkes Erzählungen sagen viel aus über die Zerrissenheit des ehemaligen Jugoslawien. Sie beschreiben die Tage des Zerfalls des Staatengefüges und den unüberschaubaren Konflikt, den dieser Zerfall mit sich brachte, und was das mit den Menschen dort machte.Tiefenpoetisch wird man in den Bann gezogen, umso mehr, wenn man das Land schon einmal bereist hat, als es noch nicht zerschlagen worden war (ich hatte dieses Glück). Ich kenne keinen Schriftsteller, der den kleinen Dingen, seien es Steine am Wegrand, Schneeflocken im eisigen Ostwind, Landschaften, welche gegen diesen besagten Wind "ankämpfen", mehr als nur eine Daseinsberechtigung geben kann: eine Seele, ein Universum.Sein bisheriges Schaffen wiederholt sich hier in einer Art und Weise, die mich sprachlos zurück lässt. Unbedingt empfehlenswert.Und noch etwas: Anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 2019 an Peter Handke sind viele Medienakteure ins Scheinwerferlicht gerückt (wo waren diese vorher?), und haben ihm bezüglich seiner Aussagen in eben diesen Erzählungen Hass und einseitige Stellungnahme vorgeworfen. Hass gegen wen?Ich habe jedes seiner Worte aufmerksam gelesen. Da ist von Hass keine Spur, und auch keine Spur zu finden, die zu einer Sich-auf-eine-Seite-schlagen führt, oder die verharmlost.Vielmehr führt die Fährte hin zu einer ehrlichen Betroffenheit, auch Erschrockenheit über die Verhältnisse dort, aber auch und vor allem zu einer tiefen Liebe zu dem Land Jugoslawien und seinen Bewohnern.