★★★★★
k.A.
15.06.2026
ean-shopping.de
Die Werke von Thomas Bernhard sind tiefgründig und faszinierend, auch wenn einige frühere Teile eine etwas unkonventionelle Erzählweise aufweisen. Insgesamt bietet die Sammlung jedoch einen spannenden Einblick in seine literarische Welt.
★★★★★
k.A.
15.06.2026
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Gut!
In "Das Kalkwerk" geht es um einen "hochintelligenten Geisteskranken", der eine Studie plant, diese jedoch niemals zu Papier bringt. Protagonist Konrad ist seit langem davon besessen, eine epochale Studie über das Gehör niederzuschreiben. Die idealsten Bedingungen hierfür hofft er in einem abgelegenen Kalkwerk vorzufinden, das er für eine horrende Summe kauft. Als er gemeinsam mit seiner verkrüppelten und an einen Rollstuhl gefesselten Frau in das Kalkwerk zieht, vollzieht er an seiner Frau in sadistisch-beharrlicher Weise akustische Experimente, die er für seine Studie zu verwerten beabsichtigt. Konrad hofft, dass bald der ideale Zeitpunkt für die Niederschrift seiner Studie kommt. Dadurch, dass er sich jedoch immer wieder von Geräuschen, (eingebildeten) Gesprächen oder einem Klingeln an der Tür ablenken lässt, glaubt er, jeweils im besten Augenblick für ein gutes Gelingen der Niederschrift gestört worden zu sein. Ist Konrad mit den Reaktionen und der Mitwirkung seiner Frau bei dem Experiment zufrieden, liest er ihr zur Belohnung aus ihrem Lieblingsbuch, dem "Heinrich von Ofterdingen" von Novalis, vor. Stellt ihn seine Frau hingegen nicht zufrieden, liest Konrad ihr aus seinem eigenen Lieblingsbuch, dem "Kropotkin" vor. Konrads bis zur letzten Konsequenz verfolgte Obsession von der Niederschrift der Studie wird zur Zerreißprobe für ihre Existenz und trägt bereits den Keim ihres künftigen Niedergangs in sich..."Das Kalkwerk" ist einer der radikalsten und verstörendsten Texte, die ich von Bernhard bisher gelesen habe. Radikal deshalb, weil dem Leser das zwanghafte Verhältnis zwischen Konrad und seiner Frau in teilweise quälend langen und nur schwer erträglichen Szenen vor Augen geführt wird. Beispielsweise wird in einer seitenlangen Szene geschildert, wie Konrads Frau ihrem Mann diesem eigentlich verhasste Fäustlinge strickt, die Wolle für diese Fäustlinge aber immer kurz vor Fertigstellung der Fäustlinge abwickelt und von neuem beginnt. Gleichermaßen sind die Hörexperimente, bei denen Konrad seiner Frau aus verschiedenen Richtungen Worte zuruft und ihre Reaktion abwartet, in der geschilderten Intensität nur schwer verdaulich. Trotzdem habe ich während der Lektüre eine Art morbide Faszination für "Das Kalkwerk" entwickelt, die von Seite zu Seite größer geworden ist. Der Leser taucht in eine völlig andere Welt ein, die letztlich nur Raum für den Wahnsinn des Protagonisten lässt. Faszinierend ist dabei vor allem die erbarmungslos-konsequente, aber keineswegs humorlose Art und Weise, in der Bernhard die Beklemmung und Kälte des Kalkwerks und seiner Personen durch den Text transportiert. Insgesamt ist "Das Kalkwerk" trotz der auf den ersten Blick etwas krude erscheinenden Thematik und seiner stellenweise grotesken Komik ein sehr empfehlenwertes Buch.
Große Klasse. Bernhard ist und bleibt der größte deutschsprachige Schriftsteller der Nachkriegszeit.
Thomas Bernhard hat ja selbst einmal geäußert, er verstehe nicht, warum die Menschen seine Bücher so ernst lesen, er selbst müßte immer wieder "hellauf lachen".........Das ist absolut wahr. Den meisten seiner Bücher haftet der böse, böse Humor an, über den man furchtbar lachen kann.So ist auch "Das Kalkwerk" einer dieser bizarren Romane Bernhards. Im "Kalkwerk" leben Mann und Frau zusammen, Frau ist stark versehrt,hat Schmerzen, ist bucklig und immer extremst leidend, während Mann besessen davon ist, eine wissenschaftliche Schrift über Sprache, Wörter und Aussprache zu verfassen. Wenn er nicht schon lange vorher wahnsinnig war, ist er nun spätestens an der Verfassung der Schrift wahnsinnig geworden. Er braucht ein Objekt, um seine "Experimente" durchführen zu können, Worte z.B. auf zig verschiedene Arten auszusprechen, in diversel Längen oder Kürzen, laut oder auch leise, ja flüsternd..und das "Objekt" muß umgehend wiederholen bzw. kommentieren..........Wer sollte natürlich besser zum Objekt taugen, als die Frau, die ja in einem speziellen Stuhl festsitzt und somit nicht weglaufen kann..........Wo soll das enden?Es ist ein Höllenszenario, das Bernhard entwirft, in unvorstellbarer Weise grotesk und zugleich ebenso unvorstellbar grausam. Beides bringt ein Höllengelächter hervor.Gelesen von Ulrich Matthes, mit dessen akzentuierter, recht drastischer Stimme, wird das Hörbuch zu einem großen Genuß.Unbedingt anhören, unerläßlich für Bernhard-Liebhaber, ebenso natürlich wie das Lesen des Romans.