★★★★★
k.A.
24.07.2026
ean-shopping.de
Dieser Briefwechsel ist eine faszinierende und tiefgründige Entdeckung, die den literarischen Geist Thomas Bernhards auf eine ganz neue Ebene hebt. Die Auseinandersetzung zwischen Bernhard und Unseld ist ein Meisterwerk der literarischen Kommunikation und absolut empfehlenswert.
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k.A.
24.07.2026
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Das Buch kam in einem sehr guten Zustand an. Der Einband und die Seiten waren makellos und der Druck war sauber. Die Lieferung war unbeschädigt und der Zustand der Ware war gut.
Wozu braucht man Romane, wenn es solche Briefwechsel gibt! In mehr als 500 Briefen ringen der Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld (1924 bis 2002) und sein Autor Thomas Bernhard (1931 bis 1989) miteinander. Dabei wird hier (fast) alles geboten: Beschimpfungen, Entspannung, Finesse, Geld, Gier, Geschäft, Hass, Humor, Politik, Skandal, Spannung, Taktieren, Zuneigung, Witz – und das auf höchstem Niveau. Es war zweifellos eine Korrespondenz, die etwas von einem Bernhard-Drama hatte, komödiantische Elemente inklusive. Rund ein Vierteljahrhundert dauerte der Kampf dieser leidenschaftlichen Beziehungsgeschichte zwischen einem Verleger und seinem Autor. Man könnte auch sagen: Verleger-Geduld gegen Autoren-Ego.Und Siegfried Unseld zeigte sich dabei beeindruckend belastbar, denn Thomas Bernhard schwankte häufig zwischen der hohen Lobpreisung Unselds als dem besten aller möglichen Verleger und dann wiederum wüsten Beschimpfungen gegen diesen. Der egozentrische und rechthaberische Bernhard sah überall im Literatur- und Theaterbetrieb nur bösartige Dummköpfe am Werk. In dieses Urteil schloss er auch die Mitarbeiter des Verlags inklusive Siegfried Unseld sowie andere Autoren ein. Dabei argumentierte er oft, dass er einerseits Werbung völlig sinnlos fände, aber wehe der Verlag bewarb attraktiv einen anderen Autor. So schimpfte der schnell beleidigte Bernhard 1985 über die „Schamlosigkeit mit der Sie dieses schauerliche Walserbuch in die Höhe gestemmt haben während Sie für meine ,Alten Meister‘ fast nichts getan haben“. Der Briefwechsel dokumentiert auch eine Art Thomas-Bernhard-Werkgeschichte, die alle Turbulenzen und Skandale in dessen Schriftstellerleben mit erzählt – und das waren ja bekannter weise nicht wenige.Immer wieder musste Unseld auf Bernhards ständige Geldforderungen reagieren, entwirft für ihn neue Finanzierungspläne. Wagte es Unseld, sich Forderungen des Autors einmal zu widersetzen, dann kamen Antworten wie: „Dann streichen Sie mich aus ihrem Verlag und ihrem Gedächtnis. Ich war sicher einer der unkompliziertesten Autoren, die Sie jemals gehabt haben.“ Soviel zu Bernhards Selbsteinschätzung.Doch zum wirklichen Bruch lassen es die beiden nie kommen. Auch wenn am 24. November 1988 Siegfried Unseld scheinbar aufgibt. „Ich kann nicht mehr“, schreibt er in einem Telegramm an Thomas Bernhard, „für mich ist eine Schmerzgrenze nicht nur erreicht, sie ist überschritten.“ Wenn es wirklich mal hart auf hart kam, dann trafen sich beide auf Flughäfen, in Salzburg, bei Bernhard zu Hause oder in der Klettenbergstraße in Frankfurt. Und die gegenseitige Treue rechnete sich auch finanziell - für den Autor und den Verlag.Der Briefwechsel ist ausführlich mit Fußnoten kommentiert und durch Notizen, die Unseld nach seinen zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Bernhard anfertigte, ergänzt. Ein wirklich einzigartiges Dokument.