★★★★★
k.A.
19.08.2026
ean-shopping.de
Ein wunderschönes und historisch interessantes Manga-Erlebnis, das die Zeit der NS-Verfolgung einfängt. Die Zeichnungen sind charmant, aber es gibt ein paar kleine Details, die man beim Lesen bemerken kann.
★★★★★
nerdisch-by-nature.de - Patrick
18.06.2024
amazon.de
Das von den Nazis besetzte Belgien im Jahr 1943. Juden werden aus ihren Wohnungen geholt, verschleppt oder getötet. Kinder werden zu Waisen. Das Spirou-Magazin ist für viele Kinder, unter anderem dem jungen Flup und seinen Freunden, die einzige Flucht in Freude und Humor. Innerhalb des Magazins wird von Chefredakteur Jean Doisy der ADS gegründet, der Club der Freunde von Spirou. Auch Flup und seine Freunde sind Mitglieder. Um sich gegen die Nazis aufzulehnen, beschließen sie, eine eigene Satirezeitschrift zu verlegen. Doch das gefällt dem deutschen Besatzer nicht und auch nicht der Rex Vaincra, einer belgischen Organisation ähnlich der Hitler-Jugend. Bei einer Konfrontation zwischen der ADS und der Rex Vaincra kommt es dann zu einem verhängnisvollen Unglück…Ich wusste gar nicht so richtig, worum es ging, als ich begann, Die Freunde von Spirou Band 1 zu lesen. Die Zeichnungen sehen knuffig aus und Spirou (der hier aber gar nicht vorkommt) geht ja eigentlich eh immer. Doch wer ist der ältere Herr am Anfang, der am Grab zweier Personen steht und diese Geschichte erzählt? Nach ein paar Seiten beginnt sich die Geschichte dann langsam zu entfalten. Und als auch Blut fließt, nach dem ein Mensch durch Gewehrschüsse der Nazis getötet wird, weiß man auch, dass diese Story nicht so niedlich ist, wie die Zeichnungen auf den ersten Blick vermuten lassen.Wir begleiten also Jean Doisy, den damaligen Chefredakteur des Spirou-Magazins, wie er einem befreundeten Pfarrer diese Geschichte erzählt. Er gründete einst den Club der Freunde Spirous (ADS). Die Mitglieder verpflichteten sich zu einem Ehrencodex, der Werte wie Offenherzigkeit, Aufrichtigkeit, Diszipliniertheit, den Glauben an Gott und Patriotismus umfasste. Dies versuchen unsere Helden im Comic von Autor Jean David Morvan dann auch, so gut es geht umzusetzen. Im Verlauf der Geschichte stellt sich dann jedoch ein gewisses Gefühl von einem Kloß im Hals ein, als man bemerkt, wie sich die Story entwickelt und dass sie auf einer wahren Begebenheit basiert (was Anhänge am Ende des Bandes belegen). Es ist unwahrscheinlich schwer, hierüber zu schreiben, ohne zu spoilern … so schwer, wie das ganze Thema überhaupt.Die Zeichnungen von David Evrard und Ben BK sind, wie erwähnt, knuffig und in einem typischen Funny-Stil gehalten, der aber nicht über die Grausamkeit der damaligen Zeit hinweg täuschen kann. Auch die Farben sind einerseits knallig, andererseits auch in einem historischen Braunton gehalten. Im Albumformat kommen diese auf matt gestrichenem Papier perfekt zur Geltung.Die Freunde von Spirou Band 1 ist nichts für nebenbei. Die Story spart zwar nicht an Humor, aber ebenso sind Gewalt, Blut und Tod gewichtige Themen in dieser wirklich bewegenden und spannenden Graphic Novel aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Der Cliffhanger ist verdammt fies und ich bin gespannt, wann es dann hier im nächsten Band weiter geht. Dieser Comic hat das Zeug zu einer kleinen Perle des Genres zu werden.
In den letzten Jahren wurde immer seltener versucht, die etwas angestaubte Figur des heldenhaften Pagen zu modernisieren. So zeichnete das aktuelle Album Der Tod von Spirou der sich eher klassisch an der Ligne Claire orientierende Olivier Schwartz. Statt Spirou zu erneuern, wurde in letzter Zeit immer wieder zurückgekehrt zu den Wurzeln der Serie und der Zeit, in der diese Figur entstanden ist.So erzählte Émile Bravo wie Spirou Ende der 30er-Jahre als junger Tor tatsächlich als Page tätig war und ließ ihn in seinem 350-seitiges Epos Spirou oder die Hoffnung. vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs zum umsichtigen Menschen mit Gewissen reifen. Außerdem wurden Abenteuer veröffentlicht, in denen der junge Graf Rummelsdorf die Nazis bekämpfte. 2018 erschien mit Sein Name war Ptirou ein Spirou-Album ohne Spirou und seine Freunde. Die Geschichte spielte Ende der 20er-Jahre an Bord eines Transatlantikdampfers und erzählt davon, wie der zur Crew gehörende Robert Velter alias Rob-Vel durch einen heldenhaften Schiffsjungen zu seiner Comicfigur Spirou inspiriert wurde. Mit Mademoiselle J. – Eine Frau. Ein Jahrhundert wurde eine Fortsetzung von Sein Name war Ptirou veröffentlicht, in deren Zentrum eine junge Frau steht, die 1937 für eine linke Zeitung schreibt und den Kampf gegen den Faschismus unterstützt.In dieselbe Richtung geht auch der Comic Die Freunde von Spirou. Hier treten die beliebten Figuren der Serie ebenfalls gar nicht auf. Im Zentrum der an tatsächlicher Ereignissen orientierten Geschichte stehen einige junge Fans der Comicserie, die Ende der 30er-Jahre dem Club Les amis de Spirou (ADS) beigetreten sind. Dieser wurde 1939 vier Wochen nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe des Le Journal de Spirou vom damaligen Chefredakteur Jean Doisy ins Leben gerufen. Mitglieder erhielten neben einem Vereinsabzeichen auch ein kleines rosafarbenes Faltblatt mit einem aus neun Geboten bestehenden Ehrenkodex, der definiert, wie sich ein Freund von Spirou zu verhalten hat. Das Brevier enthielt auch einen “Schlüssel zur Geheimsprache des Clubs“ zum Versenden und Empfangen von geheimen Nachrichten.Die in Spirou vermittelten Ideale versuchten viele Jugendliche auch während der deutschen Besetzung Belgiens mit Leben zu erfüllen und engagierten sich daher – genau wie Jean Doisy – im Widerstand. Gleich nach Kriegsende veröffentlichte Doisy im Wochenmagazin Le Moustique einen Nachruf auf zwei amis de Spirou, die im Kampf gegen die Besatzer ums Leben gekommen sind. In einer Rahmenhandlung des Comics tritt Doisy persönlich auf. Er gedenkt nach Kriegsende auf dem Friedhof von Marcinelle vor zwei Grabsteinen den ermordeten Untergrundkämpfern. Dabei bleibt unklar, ob sich dabei um zwei der jugendlichen Hauptfiguren der Geschichte handelt, die gegen die deutschen Besatzer und die Mitglieder der Jugendorganisation der faschistischen Rexistischen Partei gekämpft haben.Der erste Band der Serie trägt den Titel “Ein Freund von Spirou ist offen und ehrlich…“ Dies ist auch das erste der neun Gebote von Jean Doisys Ehrenkodex der ADS. Somit darf auf acht weitere Alben gehofft werden, die Jean-David Morvan (Spirou in Tokyo, Madeleine, die Widerständige) ebenso spannend wie humorvoll schreiben und David Evrad ähnlich rotzig in Szene setzen wird.